Schleuser vor Schöffengericht Weiden zu Haft verurteilt
0,18 Quadratmeter pro Flüchtling im Kastenwagen

Symbolbild: dpa

Wie Sardinen in der Dose müssen sie sich gefühlt haben. Zehn Stunden lang drängten sich 34 Flüchtlinge im kleinem Kastenwagen. Dessen Fahrer wird jetzt in seiner Gefängniszelle sicher mehr Beinfreiheit haben.

(rns) 34 Personen waren in dem Kastenwagen auf weniger als sechs Quadratmeter zusammengepfercht. Trotzdem sagte eine Afghanin später bei der Polizei aus: "Im Vergleich zu den vorherigen Erlebnissen auf der Flucht war die Fahrt nicht schlimm." Der Fahrer des Schleuser-Autos musste sich vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Gerhard Heindl verantworten. Mit drei Jahren Freiheitsstrafe büßt er für seine Tat.

Der 29-jährige Slowake gestand, dass er im Auftrag eines Tschechen die Fahrt von Budapest über die Slowakei und Tschechien nach Deutschland unternommen hatte. 2000 Euro habe er dem Mann geschuldet, da er schon früher eine Schleusungsfahrt hätte machen sollen. Er habe das Geld genommen, aber nichts dafür geleistet. Jetzt habe der polizeibekannte Kriminelle damit gedroht, ihm beide Beine brechen zu lassen. Also habe er sich ans Steuer gesetzt, obwohl er keinen Führerschein hatte. Ein Senegalese habe die Flüchtlinge, viele davon Frauen und Kinder, in den Laderaum verfrachtet. Ein Syrer habe sich neben ihn auf den Beifahrersitz gesetzt. Auf die Frage, wie viele Menschen er befördere, habe der tschechische Organisator gesagt: "Das muss dich nicht interessieren."

Platz unter Beobachtung


Nach einer längeren Pause und zwei kürzeren war der Menschentransport bei Waidhaus über die Grenze gekommen und von Bundespolizisten am Autobahnparkplatz Ulrichsberg am 6. Juni gegen 7.30 Uhr erwischt worden. Dieser Platz stand schon seit einiger Zeit unter Beobachtung, da dort des Öfteren Schleuser ihre Passagiere aussteigen ließen. Während zwei Beamte dem Fahrer Handschellen anlegten und das Fahrzeug nach Waffen durchsuchten, verlangten viele der Geschleusten, ihre Notdurft in der nahen Hecke verrichten zu dürfen. Dabei entsorgten sie jedoch, nach späteren Feststellungen, ihre ungarischen Asylausweise und andere Dokumente.

Staatsanwaltschafts-Gruppenleiter Christian Härtl berichtete, dass die Schleuser die Dichtungsgummis der Türen des Kleintransporters entfernt hatten, um so wenigstens ein bisschen Luft in den Laderaum gelangen zu lassen. Härtl prangerte die menschenunwürdige Behandlung und die lebensgefährliche Transportart an. Er forderte drei Jahre Haft.

Nur wegen Drohungen


Rechtsanwalt Thomas Bäumler verwies darauf, dass sein Mandant die Fahrt nur wegen der Drohungen unternommen habe. Der "echte Schleuser" sei ein anderer. Auch habe der Angeklagte Aufklärungshilfe bei der Verfolgung der Hintermänner geleistet. Einer davon sei bereits in Budapest dingfest gemacht worden. Gegen den anderen liefen in Tschechien noch Ermittlungen. Heindl und die Schöffen entsprachen dem Antrag der Staatsanwaltschaft.
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