Schleuserprozess gegen ungarisches Paar geht zu Ende
Vernehmungen in Ungarn

Treffpunkt Corvin-Platz im Zentrum von Budapest. Hier starteten etliche der angeklagten Schleuserfahrten nach Bayern. Zielort war auch der Weidener Bahnhof. Bild: hfz

Die ungarische Fußballmannschaft hat sich am Sonntagabend aus dem Turnier verabschiedet. Das Spiel hat auch der Angeklagte Zalan N. in Haft gesehen. Für den 41-jährigen Ungarn laufen ebenfalls "die letzten Minuten": Der Prozess gegen ihn und seine 29-jährige Frau Viola S. steuert auf das Ende zu. Den beiden wird die Schleusung von 110 Flüchtlingen von Budapest nach Bayern vorgeworfen. Die Beweisaufnahme ist so gut wie abgeschlossen.

Landgerichtspräsident Walter Leupold wies die Verteidiger daraufhin, dass sie sich für die nächsten Verhandlungstage (28. Juni, 4. Juli) auf ihre Plädoyers einstellen können. Wie für die ungarischen Kicker, so könnte es auch für Zalan N. eng werden. In den ersten Juni-Wochen war die 1. Strafkammer mit den Richtern Leupold, Markus Fillinger und Dr. Marco Heß nach Ungarn gereist. Vier Zeugen wurden vor Ort kommissarisch vernommen: allesamt Schleuserfahrer, tätig im Auftrag der geständigen Viola S. Ihr Mann Zalan bestreitet, von der Strafbarkeit des Unternehmens gewusst zu haben.

Das steht im Widerspruch zu dem, was die Zeugen in Ungarn den Weidener Richtern erzählten. Ein 25-jähriger Gabelstaplerfahrer hatte sich per Facebook für die "Personenbeförderungsfirma" anheuern lassen. "Meine Kontaktperson war Viola." Allerdings traf er später auch auf ihren Mann Zalan. Der Schleuserfahrer war am Passauer Bahnhof von der Bundespolizei festgenommen und gegen eine Sicherheitsleistung wieder entlassen worden. Danach suchte der 25-Jährige das Paar an seinem Wohnsitz im Odenwald auf. "Zalan hat mir versichert, sie würden für alle Kosten, die im Rahmen der Festnahme entstanden sind, aufkommen."

Also doch: beide in einem Boot? Für Staatsanwalt Christian Härtl steht das außer Frage. Er warf dem Verteidiger von Zalan N. eine "völlige Ignoranz gegenüber dem bisherigen Beweisergebnis" vor. Der Berliner Rechtsanwalt Jörg-Andre Harnisch wartete am Montag wieder mit einem kleinen Sortiment an Beweisanträgen auf. Unter anderem wollte er ein halbes Dutzend Zeugen laden lassen, die bezeugen könnten, dass die "Siebenmeilenstiefel GbR" auch hunderte legale Transportfahrten von Arbeitnehmern arrangiert hatte. Für Härtl unnötig. "Das wäre, als wenn man bei einem Ladendiebstahl erhebt, wie oft der Angeklagte vorher normal eingekauft und bezahlt hat."

Belastet hat den Angeklagten auch seine "Zweitfreundin", ebenfalls Ungarin, mit der er parallel zu Viola S. eine Beziehung führte. Die Gründung der "Siebenmeilenstiefel GbR" sei seine Idee gewesen, sagte die Frau aus. Turbulent war offenbar auch das Ende seiner letzten Beziehung in Ungarn: 2012 endete die Trennung von dieser Frau, mit der er ein Baby hatte, in einer Körperverletzung des Schwiegervaters. Dem Säugling hielt Zalan N. zudem ein Brotschneidemesser an die Kehle. Das Urteil des ungarischen Gerichts auf zweieinhalb Jahre Haft wurde verlesen.
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