Schöffengericht verurteilt 18-fach vorbestraften Bayreuther (32)
Dauergast in Gefängnissen

Es läuft nicht rund im Leben des Bayreuthers. Schon wieder steht er vor dem Schöffengericht. Die Situation kennt er. Der 32-Jährige ist 18 Mal vorbestraft. Ein halbes Dutzend Mal ist er schon eingesessen.

(rns) Dass er vier Wochen zuvor wegen eines Diebstahls zu fünf Monaten verurteilt worden war, hinderte den Franken nicht, nachts die gekippte Tür eines Cafés in Waldsassen auf zu drücken und dort alles Mögliche zu stehlen. Der Wohnsitzlose, der nun in der Justizvollzugsanstalt Weiden seine letzte aus 18 Vorstrafen absitzt, ließ eine Stereoanlage, einen Toaster, 570 Euro aus der Wechselgeldkasse und einen Flachbild-Fernseher mitgehen. Für das Gerät bekam er in einem Pfandleihhaus in Eger 50 Euro. Mit dem gestohlenen Bargeld zahlte er eine Strafe seiner damaligen Freundin, um sie aus dem Gefängnis zu holen.

Vor dem Schöffengericht versuchte der gebürtige Bayreuther mit allen Mitteln, Verständnis für seine Tat zu wecken. Er sei bei den Großeltern aufgewachsen, weil seine Eltern drogenabhängig gewesen seien. Eine Lehre habe er abbrechen müssen, weil er sich mit den Kollegen nicht verstanden habe. Nach neun Monaten Bundeswehr habe er sich mit Gelegenheitsjobs durchgeschlagen. Zuletzt sei er obdachlos gewesen, weil ihn der Vater seiner Freundin nicht aufnehmen wollte, weil in dessen kleiner Wohnung schon sieben Personen lebten. Weil er bei seinem letzten Haftaufenthalt gearbeitet hatte, habe er Anspruch auf Arbeitslosengeld 1 gehabt.

Dies sei aber nicht gekommen. So sei er "hungrig, obdach- und völlig mittellos" in Waldsassen umher gestreift. Er habe sich nicht anders zu helfen gewusst, als für etwas zu essen einzubrechen. Zuletzt bot der Mann sogar an, der Polizei Namen aus dem Drogenmilieu zu nennen, um Pluspunkte zu sammeln. Dem geschädigten Gastronomen hatte er dies alles in einem Entschuldigungsbrief geschrieben und bat ihn vor Gericht um Verzeihung. Das Geld werde er ersetzen, wenn er aus der Haft entlassen werde und Arbeit habe.

Staatsanwältin Claudia Stingl nahm zugunsten des Angeklagten an, dass die Tür ohne große Gewaltanwendung zu öffnen war. Zugute solle dem Mann auch sein Geständnis kommen und dass er aus Geldnot gehandelt hatte. Stingl forderte zweieinhalb Jahre für den 18 Mal wegen Diebstahls, Drogendelikten und aller möglichen Taten - quer durch das Strafgesetzbuch - Vorbestraften.

Zum siebten Mal in Haft


Anwalt Dr. Dr. Johannes Driendl (Bayreuth) hielt dies für völlig überzogen. Der Verteidiger verwies auf die zahlreichen entlastenden Punkte: das Geständnis, dass das Geld für die Befreiung der Freundin aufgewendet worden war und dass sein Mandant aus reiner Not gehandelt hatte. Driendl plädierte auf acht Monate. Amtsgerichtsdirektor Gerhard Heindl und die Schöffen verurteilten den Mann zu einem Jahr Freiheitsstrafe.
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