Schotten sagen Austausch mit Augustinus-Gymnasium ab
"Die denken, hier brennt es"

Die Schotten schotten sich ab: Aktuell ist die Partnerschule des Augustinus-Gymnasiums nicht bereit, ihre Schüler nach Weiden zu schicken. Aus Angst. Bild: Hartl

Sie gelten als tough, strong, hard. Denn die Schotten haben wahrlich schwere Schlachten geschlagen. Nun aber kapitulieren sie. Der Besuch der schottischen Acht- und Neuntklässler bei den Pennälern des Augustinus-Gymnasiums Weiden (AGW) erscheint den Verantwortlichen der Stirling-High-School als zu gefährlich. "Die Schotten haben momentan Angst, ihre Kinder nach Deutschland zu schicken", bestätigt Schulleiter Helmut Matejka. In der Folge sei der Austausch der beiden Schulen "kurzzeitig ins Stocken geraten". Sprich: Für dieses Schuljahr liegt das Programm auf Eis.

Doch woran liegt's? "Die Schotten behüten ihre Kinder generell sehr stark", weiß Matejka. Besonders nach den aktuellen Vorkommnissen: "Nach Köln und den Debatten um Flüchtlinge denken die, hier brennt es."

Ist es denn nicht gelungen, den Schotten zu verdeutlichen, dass die nördliche Oberpfalz wenig mit Köln gemein hat? Versuche hat es gegeben, erklärt der Chef des Augustinus-Gymnasiums: "Unser für das Austauschprogramm zuständige Lehrer ist in den Osterferien extra nach Schottland gereist, um mit den Verantwortlichen, mit Eltern und Schülern dort zu sprechen." Vergeblich. "Wir hatten bis vor Kurzem eben auch eine Halle voll mit Flüchtlingen in der Nähe." Dass von der Erstaufnahmestelle in der Mehrzweckhalle keine Gefahr für die Schüler ausgehe, konnte in Schottland wohl nicht vermittelt werden. "Das Austauschprogramm ist noch recht jung. Da fehlt noch ein wenig das Zutrauen zu uns."

Ein Mal besuchten Augustinus-Schüler die Schotten. Ein weiteres Mal waren die Bravehearts am AGW zu Gast. Und nun ist aller Tage Abend? Nein, meint Matejka optimistisch. "Früh im nächsten Schuljahr wollen wir den Austausch wiederbeleben, alles gründlich planen. Heuer wäre es sowieso zeitlich knapp geworden." Und wie sieht Matejka persönlich die Angelegenheit: "Ich selbst bin nicht der Typ, der da Ängste hegt. Aber ich kann es nachvollziehen."

Andere Nationen würden es "nicht so eng sehen". Noch vor den Osterferien waren Gäste aus Vichy zu Gast. Seit über 25 Jahren läuft das Programm mit Frankreich. Anfang Mai besuchen Schüler aus Macerata das Gymnasium. Scheu wegen Flüchtlingen empfänden Italiener nicht. "Die haben Lampedusa vor der Haustür."
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