Schüler drängen sich in Schulbussen
Risiko fährt immer mit

Symbolbild: dpa

Was wäre, wenn? Der Verkehrsunfall am Montag hätte auch einen Schulbus treffen können. Jeden Tag stehen Schüler dicht gedrängt in den Gängen, einen Sitzplatz ergattern nur die wenigsten. Ein Risiko. Die Situation ist aber rechtens.

Weiden/Vohenstrauß. Der schwere Unfall am Montag, bei dem ein Auto mit einem Linienbus frontal zusammenkrachte und ein 18-Jähriger verstarb, sorgt für Gesprächsstoff. Auch weil ein Bus daran beteiligt war. Darin saßen nur vier Passagiere, die leicht verletzt wurden. Claudia Prößl, Pressesprecherin des Landratsamtes, kann nur mutmaßen, was passiert wäre, wenn in dem Bus mehr Passagiere oder gar Schulkinder gesessen hätten: "Es hätte viel mehr Verletzte gegeben, da die meisten Schüler im Bus gestanden wären."

"Im Landkreis gibt es wenige Niederflurbusse, hauptsächlich fahren Überlandbusse", erklärt Friedrich Mädl, Geschäftsführer des gleichnamigen Busunternehmens. Der Unfall-Bus am Montag war unterwegs von Eslarn nach Weiden. Nur eine Stunde später wären die Passagiere Schüler gewesen, die vom Vohenstraußer Schulzentrum Richtung Weiden mussten. Anschnallen müssen sie sich nicht. Mädl: "Im öffentlichen Linienverkehr gibt es keine Anschnallpflicht. Die greift nur, wenn es auf die Autobahn geht und 100 Kilometer pro Stunde gefahren werden." Wenn im Linienbus Fahrgäste stehen, ist die Höchstgeschwindigkeit 60 Kilometer pro Stunde. "Steht niemand, darf der Fahrer 80 fahren", erklärt er. Überlandbusse haben Platz für 74 Personen. "53 Stehplätze und 21 Sitzplätze auf knapp 10 Metern Länge. 53 Sitzplätze und 21 Stehplätze auf 12 Meter Länge. Das schaut dann von außen schon sehr voll aus. Aber umgerechnet sind es pro Meter zwei Schüler mit Schulranzen. Rein von der Personenzahl her kann man so einen Bus im Schülerverkehr nicht überladen."

Nicht schülergerecht


Kritischer sieht Mädl die Niederflurbusse, wie sie meistens im Stadtverkehr fahren. Die haben nur 39 Sitzplätze - davon zwei zum Klappen -, dafür aber 57 Stehplätze. Diese Busse müssen behindertengerecht sein und Platz für Kinderwagen haben. Dadurch steige die Zahl der Stehplätze. "Das ist ein Widerspruch. Auf der einen Seite soll alles behindertengerecht sein, aber schülergerecht ist das nicht."

Im Stadtverkehr sei das Risiko für schlimme Unfälle nicht hoch, betont der Busexperte, da die Geschwindigkeit geringer sei. "Gefährdet sind vor allem Kinder, die sich nicht festhalten und nicht nach vorne schauen." Sie könnten die Verkehrssituation nicht einschätzen. "Ein Unfall mit einem vollbesetzten Schulbus im Jahr 2016 wäre weitaus verheerender als vor 20 Jahren, obwohl die Busse mehr Aufprallenergie verarbeiten. Die Schüler beobachten den Verkehr nicht, sind vertieft in Handy oder Tablet." Trotzdem, so betont Mädl, seien Omnibusse mit die sichersten Verkehrsmittel.
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