Schwere "Nachweispflicht" bei Einbrüchen
Kein Fall für die Versicherung

"Nachweisliche, sichtbare Einbruchspuren müssen vorhanden sein": Der Inhaber eines Fahrradgeschäfts klagt gegen die Versicherung, die den Schaden nicht bezahlen will. Bild: Götz

Die Zahl der Einbrüche steigt bundesweit sprunghaft. Viele Betroffene bleiben - trotz Versicherung - auf dem Schaden sitzen. Sie müssen nämlich "sichtbare Einbruchspuren" nachweisen. Die Einbrecher werden jedoch immer cleverer, öffnen elektrische Garagentore oder Schlösser, ohne irgendwelche Anzeichen zu hinterlassen.

Interessante Einblicke in die Versicherungs-Branche gewährte eine nicht alltägliche Verhandlung am Landgericht Weiden. Vor einem Jahr suchten vermutlich osteuropäische Diebe ein Weidener Fahrradgeschäft heim und klauten hochwertige Räder für fast 14 000 Euro (Einkaufspreis) aus einem angemieteten Lagerraum. Der Inhaber verständigte umgehend die Polizei, die den Tatort eingehend untersuchte. Er informierte auch sofort seine Versicherung - und erlebte eine ganz eigene Geschichte.

Diese "Stehl-Liste"


"Mehr als 30 Mal" telefonierte der Geschädigte seinem Versicherungsvertreter hinterher und verließ sich gutgläubig auf dessen Zusage, "demnächst" vorbei zu schauen, um die Sache direkt zu regeln. Unterdessen verstrich die 14-Tage-Frist, die sogenannte "Stehl-Liste" (eine genaue Aufstellung des Diebesguts mit Wertangabe und Nachweis) bei der Versicherung einzureichen. Dieses gängige Zeit-Limit wäre dem Kleingedruckten des Vertrags zu entnehmen gewesen. Also zog die Versicherung vorneweg 60 Prozent von der Schadenssumme ab, weil die "Stehl-Liste" erst nach mehr als zwei Monaten bei ihr einging. Zudem zweifelte die große, in München sitzende Versicherung den "behaupteten Einbruchdiebstahl" grundsätzlich an, weil das Schloss unversehrt gewesen und obendrein eine hintere Tür nicht abgesperrt gewesen sei. Weil der Einbruchdiebstahl "nicht nachweisbar" sei und eine "Obliegenheitspflicht-Verletzung" (verspätet eingereichte "Stehl-Liste") vorliege, bot die Versicherung in einem Vergleich an, 20 Prozent der Schadenssumme zu übernehmen. Dagegen klagte der Geschäftsinhaber.

Bei der Beweisaufnahme vor der 1. Zivilkammer des Landgerichts Weiden bestätigte ein Kriminalbeamter klar den Einbruch. Er berichtete von zahlreichen Spuren, welche die Täter beim Abtransport der Räder - über eine hölzerne Trennwand hinweg - hinterlassen hatten: Vom Fußabdruck auf der als Aufstiegshilfe benutzten Kommode bis zum "Trampelpfad" hin zum wartenden Lkw, dessen Route (aufgrund des ausgelaufenen Diesels) nach Osten führte. Bei dem Türschloss handelte es sich um ein älteres Modell, das sich mit einem Dietrich leicht öffnen lasse.

Weil nun ein Einbruchdiebstahl eindeutig bewiesen war, machte Vorsitzender Richter Viktor Mihl ein Vergleichsangebot in Höhe von 40 Prozent des Schadens, also rund 5500 Euro. Die Versicherung ging darauf ein, aber der Geschädigte lehnte ab.

"Lehrgeld" bezahlt


Richter Mihl will seine Entscheidung am 13. Mai verkünden. Er sprach von "Lehrgeld" und "eigenem Risiko" des Geschädigten, das Kleingedruckte im Vertrag (Nachweispflicht) nicht gelesen zu haben. Der Inhaber des Fahrradgeschäfts ergriff unterdessen selber die Initiative, sich gegen einen weiteren Einbruch zu wappnen: durch Kamera-Überwachung und Alarmanlage. Statt in den Fernseher, schaut er nun abends regelmäßig in sein I-Pad. Sarkastisch textete er damals auch sein Zeitungsinserat: "10 Prozent Rabatt auf alles, was nicht gestohlen wurde."

Schwieriges ThemaEiner der größten Versicherungsmakler in der Region, Michael Richthammer, sieht die Nachweispflicht bei einem Einbruchdiebstahl als "ganz schwieriges Thema": "Klare Lösungen gibt es hier nicht." Jeder Fall müsse individuell geprüft werden, jeder Fall sei anders gelagert. Richthammer empfiehlt eine "vernünftige Vorsorge", etwa mit einer eine kostenlosen Beratung durch die Kriminalpolizei. (cf)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.