Seit 20 Jahren bei der Oscar-Verleihung
Der Böss von Hollywood

Rüdiger Böss, seine Kollegin Angeli Agethen und Ashton Kutcher (von links).
 
Iris Berben. Die ist der Knaller. Mit der kann man ganz entspannt um die Häuser ziehen.

Seit 20 Jahren ist Rüdiger Böss zu Gast bei der Oscar-Verleihung in Los Angeles. Auch an diesem Sonntag wird der Etzenrichter im Dolby Theatre dem Spruch "And the Oscar goes to ..." entgegenfiebern. Der 52-Jährige hat sein Hobby zum Beruf gemacht.

Weiden/Los Angeles. Angefangen hat bei Rüdiger Böss alles im Capitol- und Ring-Kino in Weiden. Als Platzanweiser und Filmvorführer entdeckte er früh seine Leidenschaft für die Leinwand. Als Redakteur beim Medienhaus "Der neue Tag" betreute der Blondschopf Ende der 1980er Jahre die Kinoseite, moderierte später bei Radio Ramasuri die Filmsendung. Vor 23 Jahren verschlug es den Etzenrichter schließlich zu Prosieben. Start einer Karriere wie im schönsten Drehbuch.

Böss arbeitet immer noch beim Münchener TV-Riesen. "ProSiebenSat.1 Media SE" heißt heute das börsennotierte Medienunternehmen. Der 52-Jährige hat schon sechs Chefs kommen und gehen sehen, er sitzt nach wie vor fest im Sattel des Schleudersitzes TV-Business. Wie lautet denn seine genaue Bezeichnung? "Moment, da muss ich mal schnell auf meiner Visitenkarte nachschauen: Executive Vice President." Das ist kein Understatement bei "Rüdi", sondern Oberpfälzer Gelassenheit. Er hasst es, selbst im Mittelpunkt zu stehen. Seine Freundschaften in Weiden sind ihm wichtig, regelmäßig zieht es ihn nach Hause, vor allem natürlich zur Mama nach Etzenricht.

Böss ist in seiner Funktion verantwortlich für den Ein- und Verkauf von Serien und Spielfilmen bei Prosieben-Sat1. Leiterin Verkauf in seiner Abteilung ist seit letztem Jahr Christiane Goldberg. Natürlich eine Weidenerin. Sein größter Einkaufscoup? "Die Simpsons", meint Böss: "Da laufen 14 Folgen pro Woche." Mit besten Quoten. Vor 21 Jahren hat Rüdiger Böss den Dauerbrenner bereits erworben.

Der TV-Mann ist ständig im Ausland unterwegs, um über Rechte zu verhandeln, Geschäfte abzuwickeln. Am meisten in London und Los Angeles. Dort zieht es ihn auch am Sonntag hin, zur 88. Verleihung der Oscars. Seit 20 Jahren ist Rüdiger Böss dort bereits zu Gast, nur zweimal hat er gefehlt. Einmal geschäftlich und einmal wegen des Terroranschlags vom 11. September 2001 in New York. "Da gab es nur eine reduzierte Verleihung, ohne große Feier." Aber sein Nicht-Erscheinen kam "nicht so gut an", erzählt Böss, denn die Plätze beim Oscar sind begehrt und schnell vergeben.

Iris Berben. Die ist der Knaller. Mit der kann man ganz entspannt um die Häuser ziehen.Rüdiger Böss auf die Frage, wer sein "Schnuckelchen" in der Filmbranche ist

Der Etzenrichter mit Wohnsitz in München ist in Freizeit und Job eigentlich immer lässig und sportlich unterwegs, am liebsten in Hellblau. Bei den Oscars unterwirft aber auch er sich dem Dresscode: Ein Smoking sei dort "eigentlich Pflicht". Das gute Stück hat er sich von Schneider Andreas Moller maßfertigen lassen. Natürlich ein Weidener. Beim Deutschen Filmball hat er das gute Stück schon mal getragen. Filmstar Veronica Ferres war begeistert und fragte gleich nach, wo er den Smoking her habe ...

Favorit DiCaprio


Den Oscar 2016 wünscht er am meisten Leonardo DiCaprio. "Nicht als Gnadenbrot, weil er schon fünfmal leer ausgegangen ist, sondern weil er es verdient hat." "The Revenant" ist für ihn auch der beste Film des Jahres. Nebenbei hat Böss auch die Rechte dafür bereits gekauft. DiCaprios Hauptkonkurrent ist für ihn "Spotlight". Bei den Frauen sieht er Brie Larson ("Room") oder Saoirse Ronan ("Brooklyn") vorn.

Party, Party, Party


Nach der Verleihung geht's zum "Governor's Ball", bei dem die Namen der Sieger in die Oscars eingraviert werden, und zu den After-Show-Partys. Die sind legendär und ziemlich exclusiv. Zwei bis drei Partys gönnt sich Böss, wenn möglich bei "Vanity Fair" und "Fox". 50 bis 100 Gäste finden sich dort immer ein, ein toller Rahmen zum Plaudern mit den Promis. Apropos. Gibt es einen "Stinkstiefel" unter den Schauspielern. "Naja", meint Böss: "Christoph Waltz. Den finde ich überschätzt. Der ist in echt so wie in seinen Filmen."

Und wer sind die "Schnuckelchen"? "Iris Berben", erzählt Böss: "Die ist der Knaller. Mit der kann man ganz entspannt um die Häuser ziehen." Ein sehr sympathischer Kerl sei auch Elyas M'Barek ("Fuck ju Göthe"). Mit ihm hat er sich in einer Woche in Los Angeles verabredet, privat, auf ein Bier. Danach geht's kurz ab in die Heimat, nach Weiden. Der "Böss von Hollywood" - ein bodenständiger Weltenbummler.
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