Seit einem Jahr läuft das Projekt "Jugend stärken im Quartier"
Jugendarbeit an den Wurzeln

Susanne Reinhardt von der Stadt Weiden (links) koordiniert das Projekt "Jugend stärken im Quartier". Drei Betreuungsorganisationen sind eingebunden. Bild: sbü

Nicht vermittelte Bewerber gibt es in der Statistik des Ausbildungsstellenmarktes immer weniger. Doch was passiert mit denen, die in dieser Statistik überhaupt nicht erscheinen? Für die gibt es jetzt Hilfe.

(sbü) Seit gut einem Jahr wird in Weiden das Projekt "Jugend stärken im Quartier" durchgeführt. Mit dem Programm soll verhindert werden, dass junge Menschen in ein berufliches und gesellschaftliches Abseits geraten. "Kein Jugendlicher soll verloren gehen", sagte Oberbürgermeister Kurt Seggewiß im vergangenen Jahr bei der Vorstellung von "Jugend stärken im Quartier". Und er betonte auch die große Bedeutung solcher Maßnahmen vor allem für die Stadt Weiden, denn damit soll die seit Generationen bestehende überdurchschnittliche Langzeitarbeitslosigkeit im Stadtgebiet an den Wurzeln bekämpft werden.

Von EU gefördert


Erstmals war es gelungen, Fördermittel des Europäischen Sozialfonds, der Bundesagentur für Arbeit für "Erprobung innovativer Ansätze" sowie Eigenmittel der Stadt Weiden in einem gemeinsamen Projekt zu konzentrieren. Das Fördervolumen liegt bei rund 1,1 Millionen Euro und wird bis Ende 2018 eingesetzt. Koordinatorin Susanne Reinhardt von der Stadt Weiden kann eine erste Zwischenbilanz ziehen.

Daraus lässt sich bereits jetzt folgern, dass das Programm erfolgreich verläuft. Seit Projektbeginn wurden bereits 120 junge Menschen im Alter zwischen 12 bis maximal 26 Jahren betreut. Schüler am Ende ihrer Schulzeit und Jugendliche ohne Ausbildung bildeten dabei den Schwerpunkt. Dabei geht es um Jugendliche mit Verhaltensdefiziten, Schulproblemen und anderen Gefährdungsrisiken. Die Jugendlichen werden nach dem Programmkonzept "dort abgeholt, wo sie sich gerade befinden, also auch in ihrer Freizeit". Aufsuchende Jugendsozialarbeit nennt sich dieser Baustein des Programms. Er wird vom Magischen Projekt e. V. durchgeführt.

Eher den "schulischen Zugang" zu den Jugendlichen vollzieht dann das Kolping-Bildungswerk als weiterer Programmbeteiligter. Dabei wird auch eng mit den Jugendsozialarbeitern zusammengearbeitet. Im "Case-Management" erfolgt dann intensive Begleitung in Einzelgesprächen über einen längeren Zeitraum. Dabei können auch Kinder- und Jugendpsychiatrie oder andere Fachstellen eingesetzt werden. Zuständig für diesen Programmteil ist die Gfi gGmbH. Insgesamt acht Sozialpädagogen sind in diesen drei Programmteilen im Einsatz. In regelmäßigen Koordinierungstreffen stimmen diese sich ab.

Bundesweit Vorreiter


Für Arbeitsagenturchef Thomas Würdinger ist aber auch ein zweiter Teil des Gesamtprojekts von besonderer Bedeutung. "Jugendamt, Arbeitsagentur und Jobcenter arbeiten im Projekt im Sinne einer Jugendberufsagentur zusammen." So können unterschiedliche Zuständigkeiten, Rechtsinstrumente und Verfahren im Einzelfall in "trägerübergreifenden Fallkonferenzen" koordiniert werden. "Wir haben mit diesem Projekt bundesweit eine Vorreiterrolle."

Das in Weiden erprobte Modell wurde jetzt als "Förderung schwer zu erreichender junger Menschen" in das Sozialgesetzbuch II neu aufgenommen. Koordinatorin Reinhard berichtet auch von positiven Reaktionen der Schulen. 69 Prozent der betreuten Jugendlichen sind männlich, 93 Prozent haben noch keinen Berufsabschluss und 65 Prozent auch keinen Schulabschluss. Zwölf Teilnehmer konnten bereits in Arbeit, Ausbildung oder eine berufsvorbereitende Maßnahme vermittelt werden.
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