Seit er aus dem Krieg zurück ist, setzt sich Georg Gäbelein für die Verständigung der Menschen ...
Friedensarbeit als Lebensaufgabe

Georg Gäbelein wünscht sich Frieden auf der Welt, weil er den Krieg selbst erlebt hat. Heute feiert er seinen 90. Geburtstag. Bild: dko
Der Jubilar sitzt am Küchentisch. Seine Tochter hat Kaffee und Kuchen serviert. Das Hörgerät ist aufgedreht. Es soll um sein Leben gehen. Georg Gäbelein wird am heutigen Dienstag 90 Jahre alt. Eine gute Gelegenheit zurückzuschauen.

Geboren wurde Gäbelein in Kindlas bei Hirschau. Ein Sprichwort aus seiner Geburtsstätte kennt er noch: "In Kindlas, da is schäi, da kann man von der Stub'n aus in Hof ausse gäi!" Kurz nach seiner Geburt zog seine Familie nach Kohlberg. Mit Abschluss der achten Klasse fing er in Nürnberg eine Ausbildung zum Telegraphenbauhandwerker an. Im Oktober 1943 wurde er zur Wehrmacht eingezogen und in Halle zum Luftnachrichtenhelfer ausgebildet. An die Kriegszeit erinnert sich Gäbelein noch sehr gut. Sie lässt ihn bis heute nicht mehr los. Er weiß von der damaligen Radarstörtechnik der Alliierten und kann über den Kampf um Berlin erzählen. Er war selbst dort: Im Januar 1945 wurde er vom Fliegerhorst Neumünster zum Wachbataillon in der Hauptstadt abkommandiert. Er erzählt von den schrecklichen Erlebnissen bei der Verteidigung von Berlin. Fünf Jahre war er daraufhin in russischer Kriegsgefangenschaft in Sibirien.

Nach seiner Rückkehr ging es schnell aufwärts: Auf der Kirchweih in Kohlberg lernte er seine spätere Frau Berta kennen. Zwei Jahre später heiratete das junge Paar in Altötting. 1950 kehrte Gäbelein zurück zum Fernmeldeamt in Weiden, ab 1965 war er als Ausbilder in der Fernmeldeschule tätig. Drei Jahre später zog die Familie von Luhe-Wildenau nach Weiden.

Eigentlich ein Anlass, mit den schlimmen Erlebnissen abzuschließen. Gäbelein konnte das nicht: "Meine Kriegsgefangenschaft waren zehn Semester Studium am Leben. Wir haben Kameradschaft, Hilfsbereitschaft, Hunger, Entbehrung und Natur erlebt Ich habe Menschen verschiedener Nationen getroffen. Das war die Universität des Lebens." Seinen Kameraden fühlte er sich verpflichtet. So erfolgte die Heirat von Berta "aus Dankbarkeit für die Rückkehr aus Sibirien".

"Die Jungen müssen das wieder aufbauen, was vorher die Generationen verbrochen haben." Das ist das Lebensmotto des Jubilars. Er wollte sich engagieren und eine bessere Zukunft schaffen. Dafür trat er bald nach dem Krieg dem Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge bei. Schnell wurde er zum Hauptansprechpartner in der Region für die Suche nach gefallenen Soldaten. Viele Male ist er in seinem Leben auf eigene Kosten im Ausland gewesen, um Kriegsgräber zu pflegen. Für andere Hobbys war wenig Zeit. Bis heute arbeitet er gern im Garten.

Georg Gäbelein feiert heute im Kreis seiner Familie und Freunde. Mit ihm freuen sich seine Kinder Wolfgang und Martina sowie seine Enkelin Christina .
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