Sicherheitsgespräch von Stadt und Polizei
"Verdammt gute Arbeit"

Zum Sicherheitsgespräch empfingen Rechtsdezernent Hermann Hubmann (vorne, von rechts im Uhrzeigersinn) und OB Kurt Seggewiß Vertreter der Polizei: Polizeirat Christian Kiener, Präsident Gerold Mahlmeister und Stellvertreter Michael Liegl, Inspektionsleiter Klaus Müller, Kripo-Chef Thomas Bauer, Verkehrspolizeileiter Werner Ochantel sowie von der Bundespolizei Martin Roth. Bild: Götz

Wenn nur das Rauschgift nicht wäre. Die Polizei in der Stadt leiste "verdammt gute Arbeit", hält Oberbürgermeister Kurt Seggewiß fest. Ein Problem dauere jedoch an: "Weiden war, ist und bleibt ein Problemort, was die Drogenkriminalität angeht."

Ein Fazit mit Licht, aber auch Schatten zieht das Stadtoberhaupt nach dem jährlichen Sicherheitsgespräch mit Vertretern der hiesigen Polizei, der Bundespolizei und des Präsidiums. Wobei diesmal das Licht deutlich mehr Raum einnimmt. Am deutlichsten wird das bei der Zahl der Gesamtstraftaten. Wie berichtet, zeigt der Sicherheitsbericht der Polizei fürs Jahr 2015 ein klares Minus von 7,4 Prozent auf 3301 Fälle (bereinigt, also ohne Verstöße nach dem Aufenthaltsrecht) in Weiden. Positiv ist die bereinigte Aufklärungsquote. Sie liegt bei 66,5 Prozent. Und damit über dem Schnitt im Bezirk (65,1) und in Bayern (62,8). "Nahezu gigantisch", so Polizeipräsident Gerold Mahlmeister.

Viele Gründe


So klar die Zahlen sind, so schwer ist es, Gründe für den Rückgang zu benennen. Einer könnte mehr Prävention sein. Laut Klaus Müller, Chef der Weidener Inspektion, gab es auch am Wochenende "stringente Präsenz" an neuralgischen Punkten wie der Innenstadt. Ein anderer dürfte der Zufall gewesen sein. So kam es, anders als in den Vorjahren, zu keinen Diebstahl- oder Aufbruchserien. Sachbeschädigungen und Betrugsfälle gingen zurück.

Statistisch weniger ins Gewicht fallen wegen ihrer relativ geringen Zahl die Wohnungseinbrüche. Aber auch hier ist die Entwicklung positiv: Nach 44 Fällen im Vorjahr waren es nur noch 33. Und: Bei 21 davon blieb es beim Versuch. Vorsorge wie die kostenlose Beratung durch die Kripo könnte sich hier laut Mahlmeister bemerkbar machen. Mitunter sind es aber auch einfach die aufmerksamen Nachbarn. Die Leute wählen eher die 110, wenn sie Verdächtiges beobachten, hat der Polizeipräsident bemerkt.

Auf vergleichsweise hohem Stand verharren dagegen die Rauschgiftdelikte (294 Fälle). Meistens geht es dabei um Cannabis. Allerdings spielt auch Crystal Speed weiter eine wichtige Rolle. Umgekehrt, so Mahlmeister, bedeuteten hohe Zahlen auch, dass die Polizei hier starken Kontrolldruck ausübe.

Weitere Schwerpunkte für die Polizei sind Discos (bei denen sie im vergangenen Jahr 97 Vorfälle zählte), die personalintensiven Einsätze um Eishockeyspiele oder die Grünanlagen im Innenstadtbereich, wo viel Alkohol getrunken und gepöbelt wird. Auch Fahrradfahrer sollten sich auf weitere Kontrollen einstellen: Zum einen, weil die Zahl der Raddiebstähle gestiegen ist (von rund 140 auf 170). Zum anderen, weil nicht zuletzt Geisterradler 17 Mal für Unfälle verantwortlich waren. Von einem anderen polizeilichen Schwerpunkt gibt es dafür gute Nachrichten: Die Tuning-Szene, die lange für Ärger rund um den Großparkplatz gesorgt hat, trifft sich nun häufiger in Randgebieten, wo es weniger Anwohner und damit weniger Beschwerden gibt. Kaum ein Grund zur Besorgnis sind aus Sicht der Polizei die Flüchtlinge. Bei ihnen sind es laut Mahlmeister "keine besonderen Auffälligkeiten" zu beobachten.

Sicherer Bahnhof


Positives vermeldet auch die Bundespolizei Waidhaus. Die Kollegen waren im vergangenen Jahr zwar durch die Ankunft der vielen Flüchtlinge belastet, erklärt Martin Roth, Leiter Ermittlungsdienst. Ansonsten war es aber in ihrer Weidener Domäne ruhig: "Der Weidener Bahnhof gehört zu den sicheren in der Oberpfalz."

Etwas anders ist das Bild auf den Straßen der Stadt. Hier stieg die Zahl der Unfälle um 3,76 Prozent auf 1625 (2 davon mit tödlichem Ausgang), berichtet Polizeivizepräsident Michael Liegl. Allerdings war der Oberpfalz-Trend mit plus 8,1 Prozent noch negativer. Dabei gab es im Stadtgebiet weniger Unfälle, die auf Alkohol oder überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen waren. Letzteres könnte in Zusammenhang mit der vor einem Jahr eingeführten kommunalen Geschwindigkeitsüberwachung stehen, so Liegl. Besondere Unfallschwerpunkte in der Stadt sind nicht auszumachen.

Kompliment für Senioren


Sorgen bereitet den Verantwortlichen, dass bei den Schulwegunfällen ein Anstieg von 1 auf 8 zu verzeichnen war. Wobei die Schüler - meist waren sie mit dem Rad unterwegs - in 5 Fällen selbst als Hauptverursacher gelten. Apropos Verursacher: Hier hält die Statistik noch ein kleines Kompliment für die Senioren in Weiden parat. Bei 20,92 Prozent der Unfälle gelten über 65 Jährige als Hauptverursacher. Das ist nicht nur etwas weniger als ihr Anteil an der Stadtbevölkerung. Es ist euch ein niedrigerer Wert als im Freistaat.

Zuwachs für SicherheitswachtEin wichtiger Punkt der Polizeiarbeit ist die Prävention, wie Inspektionschef Klaus Müller verdeutlichte. So läuft beispielsweise zusammen mit der Stadt und der Bundespolizei das Projekt Schoolguard. 133 geschulte junge Leute sorgen dabei für Sicherheit auf Schulwegen. Zuwachs bekommt zudem die Sicherheitswacht. 7 Angehörige gibt es derzeit, 7 neue Kräfte durchlaufen gerade ihre Ausbildung. Nach mehreren Fällen von Belästigung in der Thermenwelt haben Stadt und Polizei außerdem ein neues Sicherheitskonzept erarbeitet. Unter anderem wurde die Security verstärkt, außerdem sind Helfer inkognito unterwegs. Im Zweifel sei die Polizei sehr schnell vor Ort. Das alles laufe hervorragend, so OB Kurt Seggewiß. (fku)
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