Siebter Verhandlungstag gegen Oliver H. wegen Totschlags
Kinder waren Einnahmequelle

Symbolbild: dpa

Wie es aussieht, hat der Angeklagte im Totschlagsprozess in großem Stil Krankenkassen geschröpft. Er nutzte Kinder als Einnahmequelle. Für seinen eigenen Sohn setzte er 2012 bis 2014 einen 77-jährigen Bekannten, genannt "Opa", als Pflegekraft ein und kassierte 60 000 Euro. Auch für die Betreuung von Maximilian flossen 8000 Euro auf sein Konto.

Die Finanzbuchhalterin der Kripo hat sich die Konten des 34-jährigen Frührentners vorgenommen. Demnach lebte Oliver H. von stolzen 2660 Euro Rente monatlich (privat und gesetzlich) plus Kindergeld. Ihr fiel auf, dass Oliver H. hohe Summen in Casinos abhob. Auch als er 2015 bereits von der Polizei beschattet wurde, führte sein Weg regelmäßig in Spielhöllen.

Auffallend waren für die Buchhalterin der Kripo hohe Zahlungseingänge von Kassen. Auch Maximilians Mutter setzte den Angeklagten während ihrer achtwöchigen Reha als Pflegekraft ein. Dafür bekam sie 8000 Euro, die sie noch von der Bank im Kurort auf sein Konto überwies. Oliver H. hatte darum gebeten: Das Kind fräße ihm die letzten Haare vom Kopf. Mindestens eine weitere Alleinerziehende aus dem Landkreis hat der Angeklagte überredet, ihn unrechtmäßig während einer Kur als Betreuer abzurechnen. Dabei waren die Kinder bei den Großeltern. Mit dem Geld machte man halbe-halbe.

Vier Kripobeamte sagten aus, der Ermittlungsleiter folgt als letzter Zeuge am Donnerstag. Nach der Obduktion des Neunjährigen hatte die Rechtsmedizin einen Unfall oder autoaggressives Verhalten ausgeschlossen. Damit blieben als mögliche Täter Oliver H. und die Mutter. "Wir erfuhren, dass er sehr konsequente Erziehungsmethoden durchzieht und ziemlich empathiefrei ist", berichtete ein Kriminalbeamter. Auch gegen die Mutter habe man ermittelt: "Es hat nichts darauf hingedeutet, dass sie aggressiv gegenüber ihrem Kind war."

An einem Morgen im November 2015 holte die Kripo beide zur Parallelvernehmung nach Weiden. Daraus wurde nichts. Oliver H. wollte sich nach Rücksprache mit einer Anwältin nicht äußern. Die Mutter wurde sechs Stunden befragt, per Video aufgezeichnet. Drei Stunden habe sie auf dem "Ausrutschen in der Dusche" als Todesursache beharrt. "Als ich ihr das Obduktionsergebnis vorgelesen habe, ist sie umgekippt." Aus Sicht der Kripo schilderte sie die Tatnacht zum 5. August 2014 "nachvollziehbar und glaubwürdig". Sie habe den Täter derart lange gedeckt, weil sie Angst hatte, das Sorgerecht zu verlieren. "Dass sie am Ende als Täterin da steht." Der Kommissar glaubt ihr: "Sie haben Zeugen gehört, die das Beeinflussungsvermögen von Herrn H. geschildert haben."

Hundert Whatsapp


Das Gericht verlas 100 Whatsapp-Nachrichten vom Vorabend und Abend der Tat. Der Angeklagte schrieb mit zwei Frauen. Gegenüber ihnen nannte er Maximilians Mutter "Miststück". Sie lasse das Kind hungern und schlage es. "Ich sehe mir das noch eine halbe Nacht an, dann brenne ich zum Wohl des Kindes. Ich sitze jetzt in ihrem Bad und achte, dass er isst. Sie darf das Bad nicht betreten." Bastelte Oliver H. an einer Legende, sollten seine Misshandlungen auffliegen? Die Verteidigung sieht vieles anders. Anwalt Ulrich Dost-Roxin sieht allein im Vernehmungsprotokoll "94 Aspekte, wo die Kripo Antworten vorgegeben hat."

Die Schwurgerichtskammer hörte am Mittwoch drei Zeugen aus dem Altlandkreis Vohenstrauß, die sich erst nach dem Prozessbeginn gemeldet haben. Es handelte sich um Eltern, deren Kinder mit dem Sohn des Angeklagten die schulvorbereitende Einrichtung in Vohenstrauß besucht hatten. Einmal war eine Mutter nachmittags bei ihm in der Wohnung. "Das war schon ein Schock. Da stand der andere Junge im Bad, mit Blick zur Wand." Natürlich habe sie gefragt, was das solle. Der Angeklagte habe ihr berichtet, dass Maximilian am Morgen Essen geklaut habe und seither hier stehen müsse.

Weitere Zeugen kamen vom Kinderzentrum München. Sie bezeugten, dass ihr Haus die Eltern zwar zu Punkteplänen anleite. Es handle sich aber ausschließlich um ein Belohnungssystem: Fernsehen oder Süßigkeiten bei guter Führung. Schon gar nicht bestrafe man mit dem Entzug von Mahlzeiten. "Essen war nie ein Thema bei Maximilian, wo man Sorge haben müsste, dass er Richtung Untergewicht rutscht, sagte eine Kinderärztin, die ihn zuletzt ein halbes Jahr vor seinem Tod sah. Das war anders, als er starb. Der Neunjährige (1,37) wog nur noch 24 Kilo. Plädoyers und Urteil werden für Freitag erwartet.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.