Siegfried Wittenburg berichtet am Kepler-Gymnasium über Alltag in der DDR
Geschichte zum Anfassen

Diverse Bilder unterstreichen die packenden Erzählungen von Siegfried Wittenburg aus dem Leben in der DDR. Bild: hfz

Der Rostocker Siegfried Wittenburg ist ein renommierter Autor und Fotograf, der vor dem Hintergrund seiner eigenen Biografie den Alltag in der DDR und die friedliche Revolution zu seinem Gegenstand gemacht hat. Nun besuchte er Zehntklässler des Kepler-Gymnasiums.

In Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung hält Wittenburg diese Zeitzeugenvorträge. Allerdings weniger um die chronologischen Ereignisse zu dokumentieren, die zum Untergang der SED-Diktatur geführt haben. Vielmehr will er Jugendlichen einen Eindruck vermitteln vom Leben in der Utopie des Arbeiter- und Bauernstaates, der seinen Bürgern das Paradies versprochen, aber stattdessen Mangel und Unterdrückung gebracht hat.

Dazu zählt auch der Bericht darüber, wie Wittenburg seine Frau kennengelernt hat. Er zeigt das Bild einer hübschen jungen Dame und lässt es einen Augenblick wirken, bevor er beiläufig erwähnt, dies sei ihre reizende Schwester. Alles lacht, auch Wittenburg. Doch dann erzählt er weiter von diesem begabten, lebensfrohen Mädchen, das trotz bester Noten kein Abitur machen durfte, weil es aus dem falschen Elternhaus stammte. Wie sie mühsam an der Abendschule ihren Abschluss nachgeholt hat, nur um dann festzustellen, dass es für sie keinen Studienplatz gibt. Wie sie sich zur Flucht entschlossen hat, bereit, alles hinter sich zu lassen, das repressive System, aber auch ihre Familie.

Scheinbar harmlose Anekdoten werden auf diese Weise zu Belegen für die Unmenschlichkeit eines Systems, das für die Betroffenen bis heute nachwirkt. So gelingt es Wittenburg mühelos, die kleinen und großen Widrigkeiten der Diktatur aufzuzeigen. Sei es das Schlangestehen für so alltägliche Güter wie Knoblauch. Sei es der Urlaub am Schwarzen Meer, der notgedrungen zu einem Urlaub in Sibirien wird, weil man nicht um fünf Uhr morgens bereitstand, um einen der wenigen Plätze in Bulgarien zu ergattern.

Begleitet werden seine Geschichten von Bildern, die er macht, seit er sich selbst das Fotografieren beigebracht hat. Die Folge: Die Zuhörer gewinnen einen realistischen Einblick in einen Alltag, der so ganz anders war als von der Führung der DDR propagiert. Anderthalb Stunden spricht Wittenburg. Trotzdem haben die Schüler am Ende das Gefühl, dass noch lange nicht alles gesagt ist über das ganz normale Leben in der DDR. Das ist Geschichtsunterricht, der anschaulich ist und fesselt.
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