So fasten die Weidener
Mehr Schlaf, weniger Süßes

Schluss mit Schokolade: Nicht wenige nehmen sich für die Fastenzeit vor, die Zähne von Süßigkeiten zu lassen. Bild: Hartl

Der eine will zurück zum Wesentlichen, der andere weg von Schokolade. Es gibt viele Arten, Verzicht zu üben. Und es gibt einen Anlass, das Verzichten auszuprobieren: die Fastenzeit. Der Aschermittwoch läutet sie heute ein - mit Folgen etwa für Pfarrer, Politiker, Apotheker und eine ganz besondere Geschäftsfrau.

Alkohol oder Süßigkeiten? Bürgermeister Lothar Höher ist hin- und hergerissen. "Das muss ich erst mit meiner Frau besprechen", erklärt er. Denn seine Entscheidung hat eine 40 Tage fassende Tragweite.

Fastenzeit nennen Christen die sieben Wochen bis zum Hochfest Ostern, die geprägt sein sollen vom Bemühen um Verzicht. "Aus christlicher Tradition heraus mache ich das auch. Ich will mir die Fähigkeit bewahren, Verzicht zu üben", sagt Höher. Im vergangenen Jahr verschmähte er Alkohol - mit Erfolg. "Das war ganz leicht, mittlerweile gibt es ja hervorragendes alkoholfreies Weizen." Und den Weinkeller habe seine Frau Irmi unter Verschluss gehalten. Überhaupt sei es die Frau, die je nach Beschlusslage ihre Einkaufsliste anpasst. Allerdings werde es schwer, Schokoladen-Ersatz zu finden. "Deshalb ist der Verzicht auf Süßes ein viel größeres Opfer", ahnt der Bezirkstagsvizepräsident. Am heutigen Aschermittwoch fällt die Entscheidung: "Wenn ich da Kopfschmerzen habe, läuft's auf den Alkoholverzicht hinaus."

"Völlerei kenne ich nicht"


"Ich faste überhaupt nicht", gesteht Marie-Luise Fißl von der gleichnamigen Konditorei am Schlörplatz. Und das hat einen einfachen Grund: "Ich habe Diabetes. Völlerei kenne ich nicht, Alkohol trinke ich nicht." Ob Marie-Luise Fißl - gerade arbeitet sie in ihrem Café Zeitgeist im Maria-Seltmann-Haus - einfach zu gesund lebt? "Das ist ja das Problem", scherzt sie. Obwohl: "Das Einzige, was ich mir auferlegen könnte, wäre, nicht mehr so viel in der Backstube zu naschen."

Ganz bewusst will Pfarrer Gerhard Pausch (Pfarreiengemeinschaft Herz Jesu und St. Johannes) sich für die Fastenzeit entscheiden. "Der Sinn darin ist doch, dass man wieder zum Wesentlichen findet." Das gelinge oft schon mit einer etwas bewussteren Ernährung. "Mein Anliegen ist es aber auch, die Pfarrei mitzunehmen und einen geistlichen Schwerpunkt zu setzen." Zum Beispiel mit der vierteiligen Veranstaltungsreihe "Exerzitien für den Alltag" für katholische und evangelische Christen.

Ruckzuck zur Bikini-Figur? Ja, die Nachfrage nach entsprechenden Mitteln und Wegen steigt ab Aschermittwoch deutlich, bestätigt Apotheker Andreas Biebl: "Die Fastenzeit bietet einen willkommenen Anlass, eine Abnehmaktion anzugehen." Doch auch der schnelle Erfolg ist gefragt. Entsprechend werde in Biebls Mohrenapotheke ab Aschermittwoch verstärkt nach Nahrungsergänzungsmitteln verlangt. Bauchspeck verschwindet damit relativ schnell. "Aber das ist nicht das, was wir empfehlen", sagt Biebl. Stattdessen verweist er auf den Dauerknaller "Leichter leben". Die Abnehmaktion gibt es seit über zehn Jahren, mittlerweile deutschlandweit, in allen entsprechend geschulten Apotheken. "Die, die bei der Aktion dabei sind, sind begeistert, weil sie hübsch an Gewicht verlieren. Und das ohne großen Verzicht, sondern durch eine moderate Umstellung der Ernährung."

Männer im Vorteil


Übrigens: Besonders schnell würden männliche Teilnehmer bei dieser Methode Erfolge verbuchen. Biebl weiß auch, warum: "Der typisch bayerische Mann ernährt sich deftig und fettig. Der Alkohol spielt oft eine Rolle in seinem Leben. Schränkt er sich überall nur ein wenig ein, führt das schnell zu einem großen Effekt."

Lothar Höher kann das nicht unbedingt bestätigen. Nach dem Alkoholverzicht in der Fastenzeit 2015 bilanziert er: "Vom Gewicht her hat's nicht viel gebracht. Aber man fühlt sich halt fitter."
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