So kämpft die ehemalige Bürgermeisterin Elisabeth Kraus gegen schwarzen Hautkrebs
Tumor frisst sich in Fußsohle

"Jammern hilft ja auch nichts", sagt Elisabeth Kraus. Grund dazu aber hätte die ehemalige Bürgermeisterin. Denn zweieinhalb Jahre hat es gedauert, bis Ärzte bei der 80-Jährigen schwarzen Hautkrebs diagnostizieren. Das verschaffte dem Tumor an der linken Fußsohle genug Zeit, sich vom Daumennagel großen Muttermal auf der linken Fußsohle zu einem Geschwür in Panini-Sticker-Größe zu mausern. Das war vor zweieinhalb Monaten. Aktuell geht Elisabeth Kraus mit Krücken, einer Schürze für Kleinigkeiten, die sie so t

Es ist das eine, über die Warnungen eines Experten vor dem schwarzen Hautkrebs zu lesen. Es ist aber etwas ganz anderes, die Krankheit selbst durchleiden zu müssen. Das macht die ehemalige Bürgermeisterin Weidens, Elisabeth Kraus, deutlich: "Als Betroffene möchte ich meinen Verlauf der lebensbedrohlichen Krankheit schildern."

Elisabeth Kraus sitzt am Fenster, blickt in den Garten. So wie oft in den vergangenen zwei Monaten. Dazu blättert sie im Neuen Tag und bleibt an der Schlagzeile über einen Expertenvortrag zu schwarzem Hautkrebs hängen: "Zuerst ist es nur ein Muttermal." Sofort erinnert sich Elisabeth Kraus.

Bei der 80-Jährigen war es ein schwarzer Fleck auf der Fußsohle. "Als ich ihn entdeckt habe, bin ich erschrocken und gleich zum Hausarzt gelaufen." Der meinte, ein Pilz sei es wohl nicht. Es handle sich um eine Druckblase vom Schuh. Verschwinden aber wollte die vermeintliche Blase von der Größe eines Daumennagels auch nicht. Weitere Arzttermine folgten. Irgendwann fragte der Mediziner: "Blutet's?" Die ehemalige Bürgermeisterin nickte. Einen Verband, wie vom Arzt gefordert, konnte ihr die Helferin aber nicht anlegen. Das Verbandsmaterial war aus, erinnert sich die Tröglersrichterin - und ging unverrichteter Dinge wieder heim. "Doch die Schmerzen wurden immer heftiger, die Wunde immer größer."

"Schreckliche Diagnose"


Schließlich hielt Kraus den Schmerz nicht länger aus. "In meiner Not lief ich zu einem mir unbekannten Arzt. Dem genügte ein Blick." Dann sagte er: "Fahren S' heim, packen S' ein bisserl was ein und fahren S' gleich ins Klinikum." Ein Arzt dort diagnostizierte sofort: "Das ist ein Tumor mitten in der Fußsohle." Ein Taxi brachte die Seniorin schließlich zur Praxis einer Hautärztin. "Auch sie stellte die schreckliche Diagnose schwarzer Hautkrebs." Nach nunmehr zweieinhalb Jahren hatte die 80-Jährige endlich Klarheit.

Ab diesem Zeitpunkt ging alles blitzschnell. Die Ärzte legten den Termin für die Operation fest. Am Dienstag, 19. April, schnitten sie in der Uni-Klinik auf fünf mal sieben Zentimeter den Tumor aus der Fußsohle. Bereits am Donnerstag konnte Elisabeth Kraus heim. Doch dann klappte die Wundversorgung nicht. "Samstag, Sonntag nahm ich einen widerlichen Geruch wahr." Am Montag stellten das auch die Wundexperten fest. "Nur statt zu handeln, packten sie den Fuß wieder ein und fuhren weg. Ich wurde in meiner Not allein gelassen. Später aber sagten mir die Ärzte der Uni-Klinik, Hausärzte und Wundexperten seien in diesem Fall mit der Wundversorgung völlig überfordert." Das weiß Kraus heute. Damals ergriff sie mal wieder allein die Initiative - und den Telefonhörer.

Doch die Sprechstunde der Hausärztin war vorbei, im Klinikum Weiden wurde sie wegen der Mittagspause abgewimmelt, klagt Elisabeth Kraus. Beim neuen Hausarzt habe sie "großes Glück" gehabt: Er besorgte der 80-Jährigen für den nächsten Tag einen Termin bei der Hautärztin. Sie entfernte aus der Wunde, was eingenäht worden war. Trotzdem ging die Odyssee weiter: Tage später stellten Experten den Keimbefall der Wunde fest. In der Folge lag Elisabeth Kraus weitere 14 Tage in der Uni-Klinik. "Dort haben die ganz sachte mit meinem Fuß gearbeitet." Sie lobt die "beste Wundversorgung, das nette Pflegepersonal und die hilfreichen Ärzte".

Was wäre gewesen, wenn ...


Und wie geht es der ehemaligen Bürgermeisterin heute? "Trotz der ständigen Schmerzen, die ich ertragen musste und noch immer muss, bin ich dankbar, denn es geht aufwärts." Die 80-Jährige geht zwar mit Krücken, spült und kocht aber selbst. Ein Hocker stützt sie dabei. "Man muss ja fit bleiben im Hirnkastl." Überkommt sie der Durst, rollt sie die Wasserflasche mit den Füßen von der Küche ins Wohnzimmer. Stift, Zettel oder Zeitung steckt sie in ihre Schürze, um sie trotz der Krücken von A nach B tragen zu können. "Das mit der Schürze war die Idee meiner Tochter. Das funktioniert prima." Trotzdem brauche es viel Hilfe von anderen. "Allein die vielen Fahrten zu Ärzten und Kliniken."

Elisabeth Kraus blickt auf ihre Blumen im Garten. Alles blüht, die Bienen summen. "Das ist schon hart, so gar nichts draußen tun zu können", meint die 80-Jährige. Drinnen bleibt viel Zeit zum Nachdenken. "Wenn ich doch nur früher eine Überweisung zum Hautarzt gekriegt hätte. Wenn ich doch einfach darauf beständen hätte", schießt es ihr immer wieder durch den Kopf. Stattdessen habe sie schlicht vertraut. "Das war ein großer Fehler", sagt sie. Und: "Man muss Wahrheiten manchmal auch aussprechen." Warum? Weil die ehemalige Bürgermeisterin das schon immer so gemacht hat. Und weil sie andere mit einem seltsamen Fleck auf der Haut sensibilisieren will, indem sie so offen mit ihrer Krankengeschichte umgeht.

Ihre Krankengeschichte wird übrigens am Donnerstag fortgeschrieben. "Dann muss ich wieder in die Uni-Klinik. Die wollen die Lymphbahnen frei machen." Keine Krebszelle soll mehr durch Kraus' Körper jagen. Und dann gilt die 80-Jährige als geheilt? "Nein, das dauert noch." Ganz schließen werde sich die Wunde an der Fußsohle ohne Hautübertragung wohl nie. "Wenn die Hautübertragung aber kommt, hoffe ich, dass alles gut wird." Und bis dahin? "Setze ich mich weiter ans Fenster und schaue in den Garten. Schön haben wir's hier ja schon, oder?"

Trotz der ständigen Schmerzen, die ich ertragen musste und noch immer muss, bin ich dankbar, denn es geht aufwärts.Elisabeth Kraus
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