So viele Beschäftigte wie nie
Nur die Jungen studieren lieber

"Junge Menschen drängen überproportional an die Hochschulen und verlassen die Region. Viele verkennen die attraktiven Karrierechancen in der beruflichen Ausbildung." Zitat: Florian Rieder, IHK-Geschäftsführer
 
Noch sind die Maschinen in den Ausbildungswerkstätten im Bildungszentrum der Handwerkskammer in Weiden gut ausgelastet. Setzt sich der Trend im Beschäftigungssystem fort, werden dort demnächst viele Lücken entstehen. Bild: Götz

Laufend werden neue Beschäftigungsrekorde gemeldet. Doch kaum jemand schaut auf die Zahl der jungen Arbeitnehmer. Dort gibt es vielfach eine gegenteilige Entwicklung. Immer weniger unter 25-Jährige arbeiten. Ein demographisches Problem? Nein. Eher ein starker Drang zum Studieren.

Noch nie gab es in allen Regionen der Oberpfalz so viele sozialversicherungspflichtig Beschäftigte wie derzeit. Die Zahl der Arbeitnehmer liegt überall weit über den letzten Rekordständen aus der Zeit nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Wirft man jedoch einen Blick auf die Entwicklung bei den jüngeren Jahrgängen, wird die Freude über das Beschäftigungswachstum getrübt.

Minus 9 Prozent


Das gilt auch für die anderen Regionen der Oberpfalz und sogar Bayern. Ganz besonders aber für das Stadtgebiet Weiden. Dort ist laut Beschäftigtenstatistik der Agentur für Arbeit innerhalb von zwei Jahren die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten unter 25 Jahren von 4150 auf 3770 zurückgegangen. Das sind gut 9 Prozent weniger. Ausgewertet wurden die Zahlen für September der Jahre 2013 und 2015.

Die Abnahme betrifft fast alle Wirtschaftsbereiche. Besonders kräftig sank in Weiden die Zahl der jüngeren Beschäftigten im Handel und im Kfz-Bereich (minus 180 Arbeitnehmer auf 956). Auffallend ist auch der Gesundheits- und Sozialbereich. Obwohl die Arbeitnehmerzahlen in Heimen und Gesundheitseinrichtungen insgesamt kräftig gewachsen sind, gibt es dort immer weniger jüngere Beschäftigte. Derzeit sind es noch 526, zwei Jahre zuvor waren es 645.

Naheliegend wäre es, die Ursachen für diese Entwicklung in der Demografie zu finden. Doch die liefert keine Erklärung. Nach den Zahlen des Statistischen Landesamtes stagnieren zwischen 2013 und 2015 die 16- bis 25-Jährigen in Weiden weitgehend auf dem Niveau von 4300. Dagegen dürfte eine der Ursachen des Beschäftigungsrückgangs bei jungen Arbeitnehmern in der rückläufigen Zahl der Auszubildenden im dualen System liegen. Aber dies reicht als Erklärung nicht aus, denn im Bezirk der Arbeitsagentur Weiden sank die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge zwischen 2013 und 2015 nur von 1770 auf 1692.

Doppelt so viele Studenten


Viel spricht dafür, dass die wesentlichen Ursachen dieses Beschäftigungsrückgangs darin liegen, dass immer mehr Schulabsolventen ein Studium aufnehmen. Hier gibt es zwar keine Zahlen ausschließlich für die Stadt Weiden. Doch die Zahl der Studienanfänger in Bayern, die sich innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt hat, legt diesen Rückschluss fast zwingend nahe. Dieser Trend ist auch nach den neuesten Zahlen ungebrochen.

Bestätigt wird dies auch durch Beobachtungen in der Arbeitsagentur Weiden. "Wegen des wachsenden Drangs zu höherer Bildung kommen Arbeitnehmer immer später auf den Arbeitsmarkt", sagt Klaus Gredinger, Teamleiter des Arbeitgeberservice. Die rückläufige Zahl junger Arbeitnehmer sei auch in der Praxis der Arbeitsvermittlung zu beobachten. Ähnlich beurteilt dies Florian Rieder, IHK-Geschäftsführer. "Junge Menschen drängen überproportional an die Hochschulen und verlassen die Region. Viele verkennen die attraktiven Karrierechancen in der beruflichen Ausbildung."

Junge Menschen drängen überproportional an die Hochschulen und verlassen die Region. Viele verkennen die attraktiven Karrierechancen in der beruflichen Ausbildung.Florian Rieder, IHK-Geschäftsführer


Vergleich in RegionAuch in vielen anderen Regionen der Oberpfalz sinkt die Zahl der Arbeitnehmer unter 25 Jahre, allerdings deutlich weniger stark als in der Stadt Weiden. In der Stadt Amberg beträgt die Abnahme 1,4 Prozent, im Landkreis Tirschenreuth 2,8 Prozent und im Landkreis Amberg-Sulzbach 3,6. Auch bayernweit gibt es einen kleinen Rückgang um 0,4 Prozent. Eine Ausnahme bildet der Landkreis Neustadt/WN, bei dem die Zahl der jungen Arbeiternehmer um plus 1,7 Prozent angestiegen ist. (sbü)
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