Sommerserie Ehrenamt
Dank der Kinder ist Lohn genug

Dieter Bock (links) und Karl-Heinz Schmidkonz (rechts) freuen sich ebenso wie ihre Schüler, wenn diese von guten Noten berichten. Beide unterrichten von Montag bis Freitag in der Hausaufgabenbetreuung des AK Asyl. Bild: sbü
 

Wenn das Ehrenamt persönliche Lebenserfüllung bietet, fragt man nicht nach Zeit und Geld. Die Arbeit wird zum neuen Lebensinhalt, wie das Beispiel zweier Helfer des Arbeitskreises Asyl zeigt.

Bis zu 40 ehrenamtliche Helfer sind - neben den hauptamtlichen Kräften - bei der Hausaufgabenhilfe des Arbeitskreises Asyl aktiv. Die fleißigsten sind Dieter Bock und Karl-Heinz Schmidkonz. Bock hilft Kindern aus Migrantenfamilien seit 9 Jahren, Schmidkonz seit 8 Jahren bei den Hausaufgaben. Die Besonderheit: Beide sind von Montag bis Freitag jeden Nachmittag im Einsatz. Sie haben noch weitere Gemeinsamkeiten: Beide sind Ingenieure im Ruhestand, Jahrgang 1940. Und beide fahren - sommers wie winters - mit dem Rad in die Sedanstraße.

Manchmal wird es spät


Dort befindet sich im dritten Stock des C&A-Gebäudes die Hausaufgabenhilfe des AK Asyl für Schüler ab der sechsten Jahrgangsstufe. Nach dem Unterricht verbringen die Mädchen und Buben den ganzen Nachmittag dort. Wenn ein Schüler besondere Unterstützung braucht, kann es laut Dieter Bock "schon einmal halb sieben oder halb acht Uhr werden".

Beide helfen in den Fächern Physik und Mathematik. Schmidkonz betreut Realschüler der siebten und achten Klassen, Bock Schüler aller weiterführenden Schulen, einschließlich Gymnasien und Wirtschaftsschule ab der achten Jahrgangsstufe. Was sie leisten, geht weit über den Begriff Hausaufgabenhilfe hinaus. "Oftmals muss auf eine Prüfung vorbereitet oder der Stoff wiederholt und eingeübt werden", erzählt Bock. Daneben benötigen Kinder ausländischer Familien auch oft Hilfe in Deutsch und Grammatik.

Wie kommt man nun dazu, so ein Ehrenamt Tag für Tag ohne Bezahlung auszuüben? Die Antwort von Karl-Heinz Schmidkonz ist einfach: "Der Dank der Kinder ist unser Lohn." Motiviert werden die beiden täglich, wenn die Kinder rufen: "Ich brauche Hilfe." Angefangen habe alles nur mit "ein bis zwei Einsätzen pro Woche". Doch schon nach wenigen Monaten stellten sie fest, "tägliche Hilfe ist am besten". Kinder aus Flüchtlings- und Migrantenfamilien hätten nicht die Startvoraussetzungen für Schule und Beruf, wie es bei Kindern aus deutschen Familien der Fall ist, sagt Schmidkonz. Oft werde zu Hause in der Heimatsprache geredet und der Kulturkreis im Herkunftsland mache Unterrichtsinhalte "erklärungsbedürftig". "Diese Defizite wollen wir ausgleichen und so einen Beitrag zur Integration leisten", erklärt Schmidkonz, sein Kollege stimmt zu.

"Fast wie ein Elternteil"


"Wer jeden Tag mit den Kindern arbeitet, wird zur absoluten Bezugsperson, fast wie ein Elternteil", fügt Dieter Bock hinzu. So entwickle sich auch ein großes Verantwortungsgefühl. Nach einer Schulaufgabe, freuen sich die beiden fast ebenso über eine gute Note wie die Schüler selbst. Mit Dankbarkeit und offener Zuwendung zu ihren Helfern würden viele Schüler die in sie investierte Zeit "wieder zurückgeben".

Damit nicht genug: "Diese Arbeit hält uns am Leben", sagt Schmidkonz schmunzelnd. Auch von besonderen Erfolgen berichten die Ingenieure. Dieter Bock erzählt: "Ein ehemaliger Schüler ist jetzt bei der Bundespolizei" und "eine Jugendliche studiert jetzt Lehrfach". Beide haben schon zahlreiche Dankesbriefe von Schülern erhalten. Das Duo bedauert eigentlich nur eines: "Wenn wir aufhören, gibt es keinen Ersatz."
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