SPD nominiert Uli Grötsch mit 97 Prozent erneut zum Bundestagskandidaten
Rückenwind für "den Uli"

Die SPD nominiert am Samstag mit 97 Prozent Uli Grötsch erneut zu ihrem Bundestagskandidaten. Der Waidhauser (41) schwört die 68 Delegierten auf einen glasklaren Wahlkampf ein: "Parteien und ihre Inhalte müssen auf den ersten Blick sichtbar sein."

Vor drei Jahren erlebte er mit seinem Einzug ins Berliner Parlament einen "Kickstart mit Vollgas". "Einarbeiten gibt es da nicht." Inzwischen ist Grötsch Mitglied im Innenausschuss. Dazu Obmann in zwei Untersuchungsausschüssen: Edathy und NSU. "Zwei Abgründe: ein menschlicher und ein politischer." Der Ex-Polizist und Vater von zwei Töchter lebt halb in Berlin, halb in Waidhaus: "So faszinierend die Stadt ist, so gern bin ich daham."

Behörden gestärkt


Sein Team stockt er im Januar auf sechs Mitarbeiter auf (neu: Manuela Riffel, Radio Ramasuri). "Mein Auftrag sind die Anliegen der Menschen in der Region." Auf Platz 1 der Prioritätenliste: Arbeitsplätze. Viele Firmen der Nordoberpfalz seien Weltmarktführer. Dazu kommen starke Behörden. "Ich bin schon ein wenig stolz, wesentlichen Anteil daran zu haben, dass die Zollämter Weiden und Waidhaus für die Zukunft gestärkt werden." Er nennt Bundeskasse, Sicherheitsrisikoanalyse, Bundespolizei, Philatelie ("unser besonderes politische Baby mit 500 Arbeitsplätzen").

Grötsch ist kein scharfzüngiger Wadlbeißer wie Vorgänger Ludwig Stiegler. Zwei Kandidaten nimmt er sich dennoch zur Brust. Etwa die Bahn. Nach wie vor gibt es keine Zusage für Lärmschutz, wenn mit der Elektrifizierung der Güterverkehr steigt. "Langsam fühlen wir uns hinters Licht geführt von der Deutschen Bahn AG, die uns seit Monaten keine vernünftigen Auskünfte erteilt." Für 18. November ist Bahn-Vorstand Roland Pofalla nach Weiden eingeladen. "Er soll uns Rede und Antwort stehen: Wird es einen wirksamen Lärmschutz geben oder wird unsere Region nur Durchgangskorridor von den Nordseehäfen zur Adria?"

Den zweiten Schuss gibt er nach Grafenwöhr ab. Wenn die Army mit schweren Gerät auf "unseren Straßen" rumple, von der Bevölkerung ertragen, dann müsse sie im Gegenzug qualifizierte Arbeitsplätze anbieten. "Wir erleben derzeit eine Phase, in der sich die Amerikaner von diesem Agreement immer weiter entfernen. Da spiele ich nicht mit."

Am Ende applaudieren die Genossen stehend. Zwei Minuten lang. Die "alten Hasen", wie Franz Schindler, blasen in die frühere Glut der SPD. "Wir würden uns schämen, wenn wir - wie in Berlin - 21,6 Prozent feiern würden." Für die Sozialdemokratie habe es schon schwierige Zeiten geben. "Es steht uns nicht an, die Flinte ins Korn zu werfen." Selbst als Juniorpartner der großen Koalition habe die SPD viel erreicht: Mindestlohn, Wohnungsbau, Eindämmung von Leiharbeit. Sigmar Gabriel bleibt unerwähnt. Dafür wird Außenminister Frank-Walter Steinmeier für sein außenpolitisches Geschick gelobt.

Die Sozialdemokraten haben genug von "Scharlatanen mit pseudopopulistischen Inhalten". Von AfD-Wählern, die ein Wahlprogramm ankreuzen, das neoliberale Ziele verfolgt, wie Stadtverbandsvorsitzender Norbert Freundorfer anmerkt. Genug auch von der CSU. Bezirksvorsitzender Schindler bekommt am meisten Applaus, als er zum Thema Mitgliederwerbung sagt: "Den Nachbarn Boateng kann man mal fragen, und die fußballspielenden Senegalesen sind uns auch willkommen."

OB Kurt Seggewiß schüttelt den Kopf über eine CSU, die noch immer über die Worte "Wir schaffen das" diskutiere. "Dabei haben wir es mittlerweile geschafft." 1,5 Millionen Flüchtlinge seien untergekommen. "Jetzt geht es darum: Wie machen wir weiter." Grötsch habe erreicht, dass die Kommunen in Berlin zu den Kosten der Unterkunft gehört wurden. "Wenn ich den Uli anrufe, stehen die Türen offen. Das macht alles viel einfacher."
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