Sportschwimmer rebellieren gegen Staffelung der Eintrittspreise der Thermenwelt
Kein Bad für Schwimmer

Die jüngsten Neuerungen in der Thermenwelt sind Waterclimbing und die neue Kinder-Wasserstraße. Die Stadtwerke haben im September ein mehrjähriges, millionenschweres Investitionsprogramm angekündigt. Bild: Schönberger
 
Auf die Minute umgerechnet, ist die Thermenwelt gar nicht so viel teurer - in manchen Kategorien sogar günstiger - als das Kurfürstenbad. Was die Sportschwimmer stört, ist der Umstand, dass in der Therme mindestens ein Zwei-Stunden-Ticket gelöst werden muss.

Schwimmen ist kein aufwendiger Sport. Es reichen eine Badehose und eine halbe Stunde Zeit, um ein paar Bahnen zu ziehen. Aber: In der Thermenwelt in Weiden müssen Sportschwimmer dafür mindestens ein Zwei-Stunden-Ticket für 5,50 Euro lösen. Ist der Spaß in Amberg ähnlich teuer?

Amberg/Weiden. (ca/roa) Claudia und Michael Stöckl aus Weiden sind leidenschaftliche Schwimmer und besuchten dazu gern die Thermenwelt. Seit der Preiserhöhung zum 1. September geht ihr Hobby ins Geld. Die Stöckls haben nachgerechnet: In Weiden haben sich die Preise seit 2012 (3,50 Euro) um 57 Prozent erhöht. "Das ist nicht mehr erschwinglich." Das Ehepaar hat einen Antrag an die Weidener Stadtratsfraktionen verfasst. Ihre Bitte: die Preispolitik zu überdenken und einige Stellschrauben nachzujustieren. Im Amberg erhöhten sich die Preise zuletzt 2015.

Der Vergleich zu Amberg: Für Sportschwimmer bietet das Kurfürstenbad einen Frühschwimmertarif (Einlass bis 8 Uhr) für 2,80 Euro an. Dabei darf nur der Sportbereich genutzt werden. Tagsüber sind an der Vils 1,5-Stunden-Tickets für fünf Euro lösbar: "Zum Schwimmen ausreichend."

Die Rabattstaffeln wurden "überarbeitet". Ein Gast der Weidener Thermenwelt (WTW), der 20 Prozent sparen will, muss eine Geldwertkarte für 400 Euro kaufen (früher 200). In Amberg gibt es die 20 Prozent bei 200 Euro Einzahlung.

Eine vierköpfige Familie mit zwei Kindern zwischen 6 und 15 Jahren legt in Amberg 24 Euro hin, in Weiden 29 Euro. Kinder sind in Weiden bis zwei Jahre frei, in Amberg bis fünf. "Nicht familienfreundlich oder gar sozial", meinen die Antragsteller.

Stöckls Nichte ist Studentin und 23. Sie muss Erwachsenen-Eintritt zahlen. Denn: Der Studententarif gilt nur bis zum 18. Lebensjahr. "Welcher Student ist jünger als 18?" In Amberg gilt der Studententarif bis 25 Jahre.

Die Volkshochschule bietet Montagfrüh Fitnesskurse in der WTW an (Gebühr 50 Euro). Dazu kommen die Eintrittspreise der Thermenwelt von 5,50 Euro pro Zwei-Stunden-Ticket. Früher gab es einen Gruppentarifrabatt von zehn Prozent, der gilt jetzt erst ab vier Stunden. Zudem müssen die Teilnehmer das Bad nach 45 Minuten Kurs wieder verlassen, weil die Therme am Montagvormittag eigentlich geschlossen ist. "Man könnte theoretisch bleiben, aber keinerlei anderen Einrichtungen nutzen, da diese verschlossen sind." Aquafitness kostet in Weiden 50 Euro plus 55 Euro Eintritt (elf Mal). In Amberg zahlen die Teilnehmer 68 Euro für acht Kurseinheiten und damit einen Euro weniger pro Termin.

Claudia und Michael Stöckl "sehen sich gezwungen, auf andere Bäder auszuweichen". Ganz so einfach ist das nicht. Das Hallenbad in Weiherhammer (Eintritt zwei/ermäßigt einen Euro) hat an Wochenenden zu. Der Landkreis unterhält Hallenbäder in Neustadt, Eschenbach und Vohenstrauß (2,50 für 90 Minuten/ermäßigt 2). Diese haben generell sonntags und feiertags geschlossen.

Das Aktivbad in Kümmersbruck verlangt 3,50 für zwei Stunden, Kinder zahlen zwei Euro. Das Hallenbad in Hahnbach kostet zwei Euro (1,5 Stunden/ermäßigt 1,30). In Auerbach zahlen Schwimmer für das Zwei-Stunden-Ticket zwei Euro (Kinder einen Euro).

Weidens Stadtwerke-Chef Johann Riedl überlässt die Diskussion gern der Politik. Er gibt aber zu bedenken, dass ein Bad bezahlbar sein müsse. Die Therme ist ohnehin ein Draufzahlgeschäft, aber ein Luxus, den sich "ein Oberzentrum Weiden leisten muss". Riedl hält wenig davon, das 25 Jahre alte Erlebnisbad herunterkommen zu lassen. "Wir müssen schauen, unsere Attraktivität beizubehalten." Ein externes Gutachten hat eine hohe Akzeptanz in der Region festgestellt. Das soll so bleiben. In der Vergangenheit wurden jährlich 800 000 Euro investiert, in moderne Technik und neue Attraktionen. Für die nächsten drei Jahre planen die Stadtwerke ein Investitionsprogramm von über fünf Millionen Euro. Ab Dezember ist zudem eine Ausweitung der Öffnung auf täglich von "10 bis 10" geplant.

Arbeitsgruppe optimiert


Ambergs Stadtwerke-Pressesprecherin Karoline Gajeck-Scheuck verweist bei der Gestaltung der Preispolitik auf eine interne Arbeitsgruppe. Unter dem Dach der Stadtwerke setzen sich Mitarbeiter mehrerer Unternehmensbereiche zusammen, um Lösungen zu finden und um die aus der Geschäftsfeld bedingten Defizite der Stadtwerke Amberg Bäder und Park GmbH - so der offizielle Name - möglichst nicht weiter anwachsen zu lassen.

Arbeitsgruppe prüft Tarife


Hierzu wurden beispielsweise bereits Vorschläge im Bereich der Einsparung von Wasser und Energie erarbeitet und auch organisatorische Maßnahmen zur Optimierung des Personaleinsatzes erfolgreich umgesetzt. Die Arbeitsgruppe überprüfte die bisherige bestehende Tarifstruktur genau, überarbeitete sie und änderte sie im April 2015.

Der ihrer Meinung nach "sehr hohe Standard" in den Bädern, verbunden mit diversen Dienstleistungen sei in Amberg keine Selbstverständlichkeit, sondern das Ergebnis regelmäßiger, sehr hoher Aufwendungen in Neuinvestitionen und den Unterhalt. "Allein in den Jahren 2007 bis 2015 wurden rund 20 Millionen Euro investiert. Allein im Geschäftsjahr 2015 betrugen die Investitions- und Unterhaltskosten 2,5 Millionen Euro", sagte Gajeck-Scheuck.

Der Beitrag der Stadtwerke Amberg mit ihrem Gesellschafter Stadt Amberg zur Lebensqualität lasse sich darüber hinaus auch an der Übernahme des jährlichen Defizits aus dem Bäderbetrieb durch den Stadtwerke Amberg Konzern im Bereich von 2,5 bis 3 Millionen Euro ablesen. Im Zeitraum der Jahre 2007 bis 2015 betrug das Defizit rund 23 Millionen Euro.
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