SpVgg SV: Vereinsgeschichte ans Stadtarchiv übergeben
Als die Massen ans Wasserwerk strömten

Petra Vorsatz freute sich über den historischen Schatz, den ihr Kurt Haas, Johannes Herrmann und Rainer Nachtigall (von links) übergaben. Bild: Götz
 
Alfred Herrmann. Bild: privat

SpVgg Weiden gegen die SpVgg Fürth in der Regionalliga Süd: 10 500 Zuschauer im Stadion am Wasserwerk - Rekord! Was heutzutage bei Bayernliga-Duellen utopisch erscheint, war 1965 Alltag. Nicht nur Freunde des runden Leders können ab sofort in der glorreichen Vergangenheit des fußballerischen Aushängeschilds der Stadt schmökern. Vorsitzender Kurt Haas und Schriftführer Rainer Nachtigall übergaben am Donnerstag Protokollbände ans Stadtarchiv, die neben der Gründungsniederschrift von 1924 auch sämtliche Vorstands- und Ausschusssitzungen bis 1950 umfassen.

"Viele Vereinsarchive verkommen oftmals, wenn sie von privater Hand geführt werden, und laufen mit zunehmendem Staubansatz Gefahr, weggeschmissen zu werden. Deswegen übergeben wir unser Archiv in die professionelle Obhut von Stadtarchivarin Petra Vorsatz und ihrem Team", sagte Haas. Bei der Neugründung der SpVgg SV 2010 habe er die Materialien von Vorgänger Michael Fritsch erhalten, auch wenn beim Auszug aus den Geschäftsräumen in der Mehrzweckhalle bereits wertvolle Erinnerungen weggeschmissen worden sein dürften. "Diese Jubiläums-Festschriften und Sammelhefte, beispielsweise aus der Oberliga Süd, gewähren einen fundierten Einblick in die kolorierte Geschichte unseres Clubs."

Meister der Schönschrift


Und da zudem der Zufall die gute Absicht der Vereinsverantwortlichen küsste, gingen 20 zusätzliche, höchst penibel dokumentierte Jahre Weidener Fußballgeschichte in städtische Hände über. Alfred Herrmann (gestorben 2014) hielt zwischen 1955 und 1975 jedes Spiel der SpVgg Weiden detailliert fest. "Mit viel Akribie und einer Kalligraphie, die ihm in der Schule die Note 1 mit Stern einbrachte, dokumentierte er Paarung, Aufstellung und Torschützen samt Zeitungsbericht aus dem Neuen Tag", erläuterte Herrmanns Sohn Johannes bei der Übergabe im Stadtarchiv.

Nach dem Tod seiner Eltern durchstöberte er mit seinem Onkel den Speicher des Elternhauses und stieß auf die mit viel Geduld und Liebe zum Detail verfassten sechs Bücher voller Spielnotizen. Auch wenn Johannes Herrmann wenig Erinnerungen an seine Kindheit geblieben sind, hat er noch heute ein Bild seines fußballbesessenen Vaters vor Augen: "Er saß auf seinem Fahrrad, blickte über den Zaun auf das Spielfeld und fieberte lautstark mit der SpVgg mit." Alfred Herrmann hätte sicher niemals daran gedacht, dass seine Aufzeichnungen einmal im Weidener Stadtarchiv landen, war Johannes Herrmann überzeugt.

"Zusammen mit den Protokoll-Bänden der SpVgg und Herrmanns Überlieferungen beheimatet das Archiv einen einzigartigen Schatz, der es würdig ist, aufbewahrt zu werden", zeigte sich Schriftführer Nachtigall beeindruckt. Petra Vorsatz vom Amt für Kultur, Stadtgeschichte und Tourismus vermutete gar, dass Alfred Herrmanns zweiter Vorname "Spielvereinigung" gelautet habe. Beim Blick auf die Bilder des ausverkauften Wasserwerk-Stadions merkte SpVgg-Vorsitzender Haas wehmütig an: "Von einer derartigen Kulisse mit 5000 bis 10 000 Zuschauern können wir heutzutage nur träumen. Die Konkurrenz ist einfach zu groß." Immerhin haben Haas und alle treuen Anhänger der SpVgg nun eine Anlaufstelle, damit die Erinnerung an ein übervolles Weidener Stadion nicht verblasst.
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