Staatsanwalt: Opfer hätte tot sein können
Brutaler Fußtritt ins Gesicht

Neujahrstag 2015 am sogenannten "Woodstock-Hügel". Nach einer Rauferei mit zwei Eishockey-Fans lag ein damals 24-Jähriger am Boden. Die Menge johlte. In dem Durcheinander bekam der Student einen Tritt gegen den Kopf verpasst. "Wie wenn eine Melone auf dem Boden zerplatzt" soll es sich angehört haben. Der Fußtritt hatte gravierende Folgen.

24-Jähriger war bewusstlos


Das Opfer war eine Zeit lang bewusstlos. Zahlreiche Brüche an Gesichtsknochen, Hämatome und Augenverletzungen mussten im Uniklinikum Regensburg versorgt werden. Staatsanwaltschafts-Gruppenleiter Peter Frischholz sagte, dass es nur glücklicher Zufall gewesen sei, dass der Vorfall nicht mit dem Tod des Weideners geendet hatte.

Die beiden Schläger, ein 20-jähriger Student und ein 21-jähriger Informatiker, wurden nach mehreren Verhandlungstagen von Jugendrichter Otmar Schmid frei gesprochen. Es war bekannt geworden, dass sich ein Anderer in "Whats-App"-Nachrichten dazu bekannt hatte, derjenige gewesen zu sein, der dem Opfer den verhängnisvollen Tritt versetzt hatte.

Am Donnerstag stand dieser vor dem Schöffengericht. Anfangs gestand er, dass er auf den Wehrlosen eingetreten hatte. Jedoch habe er nur gegen den Leib, nicht gegen den Kopf getreten. Dies müsse ein Anderer gewesen sein.

Amtsgerichtsdirektor Gerhard Heindl und Staatsanwalt Frischholz redeten dem 26-Jährigen eindringlich ins Gewissen. Die "WhatsApp"-Nachrichten seien eindeutig. Darin hatte er sich mit einem "Elfmeter" gebrüstet, den er dem Opfer ins Gesicht gesetzt habe. Bei einem Geständnis könne eine bewährungsfähige Strafe herauskommen, stellten die Juristen in Aussicht. Ohne volles Geständnis sähe die Lage anders aus. Wenn sich dann, nach Einvernahme der Zeugen, aber herausstelle, dass doch alles wie in der Anklage verlaufen sei, gehe es dreieinhalb bis vier Jahre ins Gefängnis.

Daraufhin rang sich der Ledige, nach ausführlicher Rücksprache mit seinem Verteidiger Johannes Zintl, doch zu einem vollen Geständnis durch: "Ja, es war ein kräftiger Fußtritt ins Gesicht." Und: "Ich weiß nicht, was mich geritten hat." Er habe lange mit sich gekämpft, ob er zur Polizei gehen und gestehen sollte, als die beiden Anderen vor Gericht standen.

Einer der beiden hatte sogar zwei Wochen in U-Haft verbringen müssen. In dem damaligen Prozess hatten zahlreiche junge Leute ausgesagt, nichts mehr zu wissen oder nichts gesehen zu haben. Die im Chat bekannt gewordene Tatsache, dass der jetzige Angeklagte der wahre Täter gewesen war, hatten sie bei der Polizei und vor Gericht verschwiegen. Gegen mehrere der 20 bis 25 Jahre alten Männer gab es deshalb Verfahren wegen Strafvereitelung.

Die, gegen die solche noch anhängig sind, konnten sich nun auf ein Aussageverweigerungsrecht berufen. Gut ein Dutzend mussten jedoch jetzt aussagen. Sie berichteten unisono, dass der Angeklagte sich in der "Whats-App"-Gruppe "Kneipenszene" eines "Elfmeters" gerühmt hatte. Auch persönlich habe der Monteur einigen seiner Kameraden die Tat gestanden. Man habe nichts verraten, weil man gehofft hatte, dass er sich selbst stellen werde.

Stark alkoholisiert


Heindl und die beiden Schöffinnen verurteilten den Angeklagten schließlich, gemäß Frischholz' Antrag zu zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. Als Auflage muss der 26-Jährige 3000 Euro an zwei gemeinnützige Organisationen zahlen. Rechtsanwalt Zintl hätte, angesichts der hohen Alkoholisierung seines Mandanten zum Tatzeitpunkt und angesichts der gezeigten Reue, 20 Monate für ausreichend gehalten.

Ich weiß nicht, was mich geritten hat.Der 26-Jährige Angeklagte vor Gericht
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