Stadt lädt zu erstem Neubürgertag
Willkommen in Weiden

Nach Weiden zieht es viele Menschen. Allein für Oktober verzeichnet das Meldeamt gut 250 Personen neu im Register. Für sie plant die Stadt einen Neubürgertag. (Foto: gsb)

Auf Schrumpfkurs? Von wegen. Zuletzt hat der Einwohnerstand Weidens die 45 000er-Marke überschritten. Nun will die Stadt den Neubürgern bei einem Willkommenstag die Hand zur Begrüßung reichen. Dahinter steckt mehr als eine freundliche Geste.

Die tschechische Familie ist ein gutes Beispiel. Der Vater - eine der qualifizierten Fachkräfte, die Firmen der Region immer händeringender suchen - fand Anfang des Jahren eine Stelle nahe Weiden. Damit waren aber längst nicht alle Fragen geklärt. Schließlich wollte der Mann mit seiner Frau und den beiden Kindern in der Stadt leben.

Antworten bekam er schließlich beim Welcome-Center, angesiedelt bei der Arbeitsagentur. Es unterstützt Arbeitnehmer aus der EU, insbesondere aus Tschechien, aber auch Deutsche, die hier Fuß fassen wollen. Die Familie erhielt Hilfe bei der Wohnungs- und Schulplatzsuche, beim Ummelden des Autos oder auch bei ganz einfachen Fragen des Alltags - die Mutter musste sich erst einmal schlau machen, welche Schulhefte in Deutschland die richtigen sind. Seit August sind die vier nun offiziell Weidener, eingetragen im Melderegister. Und sie sind angekommen. "Alles geht gut", bilanziert Dr. Marta Potužníková vom Center.

Die Einrichtung ist Teil einer verbesserten Willkommenskultur in Weiden. Damit will es die Stadt aber nicht bewenden lassen. Zusätzlich plant sie für Donnerstag, 1. Dezember, erstmals einen Neubürgertag. Geladen ist nicht nur die tschechische Familie, sondern alle, die sich zwischen August und November neu in Weiden gemeldet haben. Und das sind viele. Im August ließen 166 Personen ihren Hauptwohnsitz hier registrieren, im September 199, im Oktober gar 251. Die Zahlen spiegeln längst nicht nur die Ankunft von Flüchtlingen wider. Unter den Neu-Weidenern im Oktober sind 16 Syrer und ebenso viele Iraker. Dem gegenüber stehen mehr als 130 Meldungen deutscher Staatsbürger, der Rest stammt zum überwiegenden Teil aus dem EU-Ausland.

Ausklang bei Glühwein


Der Neubürgertag richtet sich an sie alle, egal woher sie kommen. Los geht's um 15 Uhr im Neuen Rathaus: Oberbürgermeister Kurt Seggewiß heißt die Teilnehmer willkommen, bevor Stadtarchivarin Petra Vorsatz die Geschichte Weidens vorstellt. Daneben präsentieren sich der Integrationsbeirat und das Welcome-Center, das Kooperationspartner des Empfangs ist. Außerdem gibt es zahlreiche nützliche Informationen, Vertreter vieler weiterer Stellen stehen zum Kennenlernen bereit. Und Präsente erhalten die Neuen auch: unter anderem Gutscheine fürs Stadtmuseum, die Regionalbibliothek, den Stadtbus. Zum Ausklang geht es schließlich auf den Christkindlmarkt.

Dem Oberbürgermeister die Hand schütteln, einen Glühwein trinken - es soll ein persönliches Willkommen werden, wie es in Großstädten so kaum möglich wäre. "Es ist wichtig zu zeigen, dass es etwas anderes ist, in Weiden anzukommen als zum Beispiel in München", sagt Roswitha Ruidisch. Die Zukunftscoachin der Stadt organisiert den Tag. Dabei geht es durchaus um einen doppelten Nutzen.

Ziel sei natürlich, einen freundlichen ersten Eindruck zu machen. Aber der Aufwand soll letztlich auch auf andere Weise der Allgemeinheit dienen. Ruidisch sieht darin einen Baustein, benötigte Arbeitskräfte an die Region zu binden. "Wir befinden uns in einem Wettbewerb um Fachkräfte", sagt sie. "Da ist es wichtig, die Menschen, die zu uns kommen, willkommen zu heißen. Denn wenn ich mich wohlfühle, bleibe ich vor Ort und arbeite hier."

Ob das Kalkül aufgeht, muss sich freilich erst noch zeigen. Vorerst trommelt Ruidisch für viele Anmeldungen zum Neubürgertag. Ein Formular haben die neu gemeldeten Weidener schon bekommen, alternativ können sie sich möglichst bald auch per Mail anmelden: willkommen@weiden.de

"Schöner Fleck"


In den Formularen fragt Ruidisch übrigens auch nach den Gründen, warum die Menschen sich (wieder) in Weiden gemeldet haben. Zumindest eine Rückmeldung lässt darauf schließen, dass es bei manchen gar nicht viel Werbung für die Stadt braucht. Einer schrieb jedenfalls zurück, Weiden sei "meine Heimat und Geburtsort, einer der schönsten Flecken in Deutschland, mit freundlichen, netten Leuten und nicht zuletzt einem realistischen Lebenskostengefüge".

Es ist wichtig, die Menschen, die zu uns kommen, willkommen zu heißen. Denn wenn ich mich wohlfühle, bleibe ich vor Ort und arbeite hier.Roswitha Ruidisch
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