Stadt und Landkreis zahlen künftig Tafel-Miete
Vorsitzender klagt über Hass-Mails, Drohungen und verkratzte Autos

Josef Gebhardt. Bild: Hartl

Josef Gebhardt will reden. Zu sehr wühlen den SPD-Stadtrat die Geschehnisse um die Suche nach einer neuen Bleibe für die Tafel auf, deren Vorsitzender er auch ist. "Ich weiß auch, was du sagen willst, was dir auf dem Herzen brennt. Die Anschuldigungen, die dir entgegenschlagen, sind teils unsäglich. Danke, dass du auf Kurs geblieben bist", sagt Sitzungsleiter OB Kurt Seggewiß am Montag im Stadtrat. Reden lassen aber will er Gebhard nicht: "Du bist der Vereinsvorsitzende."

Na und?, entgegnet dieser: "Der Vorsitzende des Schwimmvereins durfte auch sprechen, wenn es um Belange seines Vereins ging." Stimmt. Die nächsten 15 Minuten also gehören Gebhardt. Und er nutzt sie, um einiges klarzustellen.

"Ich habe mich in den vergangenen Wochen und Monaten durchs Dorf getrieben gefühlt." Der Tafel-Vorsitzende spricht von Hass-Mails, von Drohungen heftigster Art, von zerkratzten Autos. Er klagt über eine Verrohung der Sprache, zählt Unwörter des Jahres wie Überfremdung oder Gutmensch auf. "Sie stammen von führenden Gesellschaftsmitgliedern", stellt er fest und gibt zu bedenken, dass verrohte Sprache ("da hauen wir in der Diskussion mal mächtig drauf") zum Handeln führen kann. Seine Forderung lautet daher, das eigene Sprachverhalten zu reflektieren, auch um die soziale Marktwirtschaft zu wahren.

Verunglimpfung im Ehrenamt verurteilt auch Stephan Gollwitzer hart. Allerdings hat der CSU-Stadtrat mittlerweile auch einen Schnellhefter voll mit Briefen und Mails von Bürgern: "Viele haben nichts gegen die Tafel. Aber viele haben ganz banale Fragen wie: Was ist eine Wärmestube? Wer vertritt diese Bürger, die einfache Fragen haben?" Neben der CSU erklärt sich hier auch OB Kurt Seggewiß sowie die Tafelverantwortlichen zu Ansprechpartnern. Vorausgesetzt es bleiben noch Fragen offen, nach dem Gebhardt folgende Punkte erläutert hat:

  • Nein, die Stadtkasse werde nicht zugunsten von Arbeitsscheuen und Ausländern ausgebeutet. Neben- und Baukosten bestreite die Tafel für das neue Domizil an der Fichtestraße selbst. Die Miete sei geringfügig höher als bislang. Dafür übernehme künftig der Landkreis ein Drittel der Kosten (siehe Kostenaufstellung).


  • Nein, der Nahversorger Edeka an der Fichtestraße schließe nicht wegen der Tafel. Trotzdem ist eine Nahversorgung gerade für Senioren grundsätzlich wichtig. "Ich verspreche, an dem Thema dran zu bleiben."


  • Nein, im Gebiet um die Fichtestraße wohnen "nicht nur finanzstarke Bürger. Die zweitgrößte Abholergruppe der Tafel kommt von dort".


  • Nein, es wird dort nicht unsicherer. Auch nicht, wenn im Herbst 2017 die Wärmestube eröffnet. "Ich selbst stehe hier für Ordnung."


  • Ja, es braucht die Tafel, einen Verein, der im Spannungsfeld des Zeitgeschehens steht. "Denn wir tun etwas für den sozialen Frieden der Stadt." Noch immer würden 18 Millionen Tonnen Lebensmittel in Deutschland vernichtet. Die Tafel sorge dafür, diese Überproduktion ohne Ansehen der Person an bedürftige Menschen zu vermitteln.


Gebhardt schließt, die Zuhörer im Sitzungssaal applaudieren. Viele, die ehrenamtlich bei der Tafel arbeiten, sind gekommen. Vor ihren Augen heben alle Stadträte die Hand, um das zusätzliche Geld für die Anmietung der neuen Räume zu gewähren.

Tafel-Miete: Ja zu neuer freiwilliger LeistungMietkosten für die Tafel galt es schon immer zu begleichen. Auch am Stockerhutweg. Nur schlug sich das bislang nicht im städtischen Haushalt nieder, erklärt Stadtkämmerin Cornelia Taubmann. Denn es kamen Spender und die städtischen Stiftungen für die Miete auf. Das Problem: "In beiden Fällen sind die Spendenzuflüsse nicht mehr so da." Spender machen sich rar, Stiftungen erwirtschaften wegen des Zinstiefs keine Erträge.

Die Folge bekommt der städtische Haushalt zu spüren. "Wir bekommen eine neue freiwillige Leistung", sagt Taubmann. Allerdings trägt nicht allein die Stadt die Mietkosten. "Es gab Gespräche mit dem Landrat." Denn ein Drittel der Abholer kommen aus dem Landkreis, steuern auch Tafeln in Mantel, Floß und Vohenstrauß an. Von den 3300 Euro Mietkosten wird die Miete abgezogen, die für die Mitterteicher Niederlassung anfällt (-325 Euro). Den Restbetrag schultern zu einem Drittel der Landkreis, zu zwei Drittel die Stadt. "Eine Beschlussfassung hierzu im Kreisausschuss ist noch nötig", sagt Taubmann. Und: Die Entwicklung der Abholerzahlen werde jährlich geprüft. (mte)
2 Kommentare
36
Hans - Peter Kastner aus Brand | 13.10.2016 | 11:26  
44
C. Schmitz aus Regensburg | 13.10.2016 | 12:03  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.