Stadt will Neunkirchener Kreuzung entschärfen
Reif für die Gummi-Insel

Seit zweieinhalb Jahren ist die "Vorfahrt geändert". Zu Karambolagen kommt es auf der Kreuzung Hofacker-/Kirchäcker-/Latscher Straße in Neunkirchen dennoch weiterhin. Nun soll eine Mittelinsel aus Hartgummi Abhilfe schaffen. Die Verwaltung befürwortet den SPD-Vorschlag. Bild: Götz

Die Stadt gibt Gummi. Genauer: Hartgummi. Ein "Mini-Kreisel" aus diesem Material soll helfen, die unfallträchtige Kreuzung in Neunkirchen zu entschärfen.

Seit zweieinhalb Jahren mahnen "Vorfahrt geändert"-Schilder zu erhöhter Vorsicht. Trotzdem kracht es immer wieder am nördlichen Ortseingang von Neunkirchen. Der Knotenpunkt Hofacker-/Kirchäcker-/Latscher Straße ist noch nicht mal ansatzweise Weidens meistbefahrene Kreuzung. Aber - angeblich - eine der unfallträchtigsten. Und daher auch eine der meistdiskutierten - zuletzt auch bei unserer Verkehraktion. Auf SPD-Antrag unternimmt die Stadt jetzt einen weiteren Versuch, den Brennpunkt zu entschärfen. Mit einem "Gummikreisel". Am Donnerstag, 22. September, befasst sich damit der Hauptverwaltungsausschuss (Beginn 14.30 Uhr im Neuen Rathaus).

"Kreisel"? Tatsächlich handelt es sich um eine "kleine überfahrbare Mittelinsel aus Hartgummi (Durchmesser 3 Meter)", wie es im Vorlagebericht heißt. Kostenpunkt: 4000 Euro. Eine ähnliche Lösung hat sich an der Kreuzung Berliner Straße/Krumme Äcker bewährt. Nach den dortigen Erfahrungen könnte die Mittelinsel laut Stadtverwaltung "dazu beitragen, den Knotenpunkt besser zu erkennen, den Verkehrsfluss zu reduzieren und insoweit die Verkehrssicherheit zu erhöhen".

"Kein Unfallschwerpunkt"


Aber muss das überhaupt sein? Seit der Umstellung auf "Rechts vor links" im März 2014 habe die Polizei auf der Kreuzung gerade mal fünf Unfälle gezählt, heißt es im Bericht der Verwaltung. Vier Autofahrer hätten dabei, aus der Latscher Straße kommend, den Verkehr aus Richtung Brandweiher übersehen. Der wäre allerdings auch nach der alten Regelung bevorrechtigt gewesen. Fazit Verwaltung: "Von einem Unfallschwerpunkt kann nach den geltenden Regelungen noch nicht gesprochen werden."

Hier widersprechen NT-Leser. Von neun Karambolagen, die sie beobachtet habe, berichtete uns Familie Gebert in einer Zuschrift - "was nicht heißen soll, dass dies alle sind". Nach den Erfahrungen der Anwohner rufen die Beteiligten nach Unfällen bei weitem nicht immer die Polizei. Die ließ vor kurzem dennoch wissen, dass sie die Kreuzung ganz genau im Blick habe.

In einem weiteren Brief an den NT äußert sich Wolfgang Roy zur angedachten "Minikreisel"-Lösung. Die Neunkirchener Kreuzung lasse sich mit der in den Krummen Äckern nicht vergleichen, meint er: Letztere "ist von allen Seiten gut einsehbar". Dagegen liege der Neunkirchener Knotenpunkt hinter einer Kuppe, sei für Autofahrer aus Richtung Latsch "erst 10 bis 15 Meter vor der Kreuzung als solche erkennbar". Dem Fahrer werde durch die "verkehrte Lage im Gelände" vorgegaukelt, die Latscher- gehe nahtlos in die Kirchäckerstraße über.

Roy: Kreuzung anheben


Der Bauingenieur erinnert daran, dass er 2002 - vor der Fertigstellung der Kirchäcker Straße - vorgeschlagen hatte, die Querneigung der "Brandweiherstraße" (Hofackerstraße) zu ändern. Die Stadt sei darauf nicht eingegangen, das verantwortliche Planungsbüro drohte Roy gar mit Klage. 14 Jahre später hat sich die Meinung des Neunkircheners nicht geändert: "Nur eine komplette Anhebung der Kreuzung, so dass sie auch für die von Latsch Kommenden als Kreuzung zu erkennen ist, schafft Abhilfe." Dass die Stadt dies damals unterlassen hat, sei "ein katastrophaler Fehler, was die zahlreichen Unfälle beweisen".

Wobei Karl Frank, Anwohner der Latscher Straße, eine andere Unfallursache ausmacht als die im Verwaltungsbericht geschilderte: "Durch die Änderung der Vorfahrt kam es bereits zu mehreren Unfällen und häufig auch zu Gefährdungen, weil die Fahrer von bzw. nach Brandweiher immer noch die alte Regelung im Kopf haben und sich auf der Vorfahrtstraße wähnen, weil die Straße gerade verläuft". Sein Lösungsvorschlag wäre - im Vergleich zu dem der Verwaltung und erst recht der von Roy geforderten Baumaßnahme - die wohl kostengünstigste: "große gelbe Blinklichter an den vorhandenen Verkehrszeichen" (Vorfahrt geändert).

Weitere KreuzungEine weitere Neunkirchener Kreuzung steht am 22. September auf der Tagesordnung des Hauptverwaltungsausschusses: Die Grünen regen eine "abknickende Vorfahrt" am Punkt Bürgermeister-Bärnklau-/Wiesendorfer Straße an. Die meisten Verkehrsteilnehmer passierten ihn jedoch "geradlinig", Fahrzeuge, die über die Bärnklau- in die Wiesendorfer Straße einbiegen, seien in der Minderheit, erklärt dazu die Verwaltung im Vorlagebericht. Die bisherige Regelung spiegle also die Verkehrsströme wieder. Nicht nur laut Straßenverkehrsordnung könne keine "abknickende Vorfahrt" eingerichtet werden: Für die notwendigen baulichen Maßnahmen fehle schlichtweg das Geld. (rg)
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