Stadtpfarrer i.R. Andreas Uschold feiert 70. Geburtstag
Endlich nur noch Seelsorger

Stadtpfarrer i. R. Andreas Uschold mit seinem "Angelo" auf dem Balkon seiner Wohnung. Den Schutzengel erhielt er zum Abschied in den Ruhestand vom Flossenbürger Pfarrer Georg Gierl, der einst Kaplan in St. Josef war. Im Hintergrund die Pfarrkirche Herz Jesu. Bild: Josef Wieder

Die dunkle Zeit der Krebserkrankung ist überwunden. Nach vier Operationen an den Stimmbändern und inzwischen zehn Nachsorge-Untersuchungen kam der erlösende Befund: "Alles bestens". Regelrecht befreit fühlt sich nun Stadtpfarrer i. R. Andreas Uschold, der am 29. November seinen 70. Geburtstag feiert.

Die schwere Krebserkrankung zwang ihn vor zweieinhalb Jahren, um seine vorzeitige Ruhestandsversetzung zu bitten, die ihm auch sofort gewährt wurde. Im Sommer 2014 verließ Monsignore Uschold - er trägt als einziger im Dekanat diesen Ehrentitel - den Pfarrhof von St. Josef und wohnt jetzt in der Gaswerkstraße, direkt gegenüber der Herz-Jesu-Kirche.

Für Gottesdienste und das Gebet gibt es jetzt feste Zeiten. Auch die Schafkopf-Runde "beim Dagner" ist am Montagabend fest gesetzt. In die Ecke gestellt hat Andreas Uschold inzwischen die Skier. "Ich bin nicht mehr gelenkig genug." Aber am Montag geht es erst mal zur Blutspende, seiner 144. "Auch das ist Christenpflicht." Mit dem langjährigen Stadtpfarrer sprach Josef Wieder.

Sie laden zum Dank-, aber auch zum Gedenkgottesdienst auf den Fahrenberg?

Der Dankgottesdienst war schon lange ausgemacht. Aber am 8. September ist mein Zwillingsbruder Johann gestorben. Er hatte Leukämie, hat lange im Uniklinikum in Regensburg gekämpft, ist von 90 auf 68 Kilo abgemagert. Er hat so viel weggesteckt, aber dann ging es nicht mehr aufwärts. Ich habe jetzt schon drei meiner Brüder verloren.

Stammen Sie aus einer großen Familie?

Wir waren neun Geschwister auf unserem Bauernhof in Engleshof. Da war immer viel los. Es gab unter den Kindern manchmal Streit, Aber dann haben wir haben uns alle gut verstanden und vertragen. Dafür hat unsere Mutter Barbara gesorgt. Die hat immer gesagt: "In der Verwandtschaft gibt's keine Feindschaft". Es war ihr größtes Glück, wenn wir zu Weihnachten alle mal wieder daheim waren. Das war auch später ihr schönstes Christkindl.

Haben Sie sich mit diesen guten Erfahrungen nie eine eigene Familie, eigene Kinder gewünscht?

Als Bub und als Jugendlicher sicher.

Gerade auch in der Phase, als Sie das Bischöfliche Knabenseminar verlassen haben?

Ja, aber das Verlassen des Knabenseminars hatte andere Gründe: Das Seminar war berufsgebunden, wollte zum Priestertum führen. Das war nicht das Problem. Schlimmer war für mich, dass man von Weihnachten bis Ostern nicht nach Hause durfte. Vier Jahre vor dem Abitur hab ich mich einfach abgemeldet. Meiner Mutter hat es fast das Herz gebrochen. Dann bin ich eben täglich die zwölf Kilometer von Engleshof nach Weiden mit dem Rad gefahren.

Und in die Freizeit?

Als Vorsitzender der Katholischen Landjugend in Michldorf - ich war der Jüngste - bin ich viel rumgekommen. Von meinen Schwestern hatte ich das Tanzen gelernt. Ich war ein leidenschaftlicher Tänzer und hatte auch ein Mädchen - in aller Freundschaft.

Hat es den Noten geschadet?

Nein, ich habe ein Einser-Abitur, habe mich auch für ein Medizin- oder Journalismus-Studium interessiert.

Und der Berufung?

Sicherlich auch nicht. Diese Zeit außerhalb des Knabenseminars erscheint mir auch heute noch sehr wichtig. Der Druck, irgendwelche Erwartungen erfüllen zu müssen, war weg. Diese Jahre haben mir eine völlig freie Entscheidung für das Priestertum ermöglicht. Und diese habe ich wirklich nie bereut. Meine Leidenschaft für die Medizin half bei den Krankenbesuchen und die für den Journalismus beim Abfassen der Predigten. Das ist mir also wieder alles zu Gute gekommen.

Sie wurden oft als Nothelfer, als Feuerwehr des Bischofs beschrieben.

Ich hatte meine Aufgaben zu erfüllen. Ich war Kaplan in Lam und musste nach St. Josef, um dort den Kaplan zu ersetzen. Es begann eine sehr schöne Zeit, auch als Stadtjugendseelsorger. Nach fünf Jahren kam ich nach Eschenbach. Dort war Stadtpfarrer Paul Gewald überraschend an Krebs gestorben. Als sein Nachfolger war ich der jüngste Stadtpfarrer in der ganzen Diözese. Und diese Verbundenheit nach Eschenbach, dort war ich 17 Jahre, hält immer noch.

Dann kam wieder Weiden.

Auf ausdrückliche Bitte von Bischof Manfred Müller habe ich mich nach St. Josef beworben. Wegen der Krebserkrankung musste ich nach 17 Jahren die Aufgabe abgeben.

Ein Blick zurück?

Ich gehe immer noch sehr gerne nach St. Josef. Die Kirche ist doch etwas ganz Besonderes. Die Pfarrei aber ist sehr vielschichtig. Wenn Probleme auftauchen, bilden sich sofort unterschiedliche Parteien. Das war vor mir so, das war bei mir so und es hat sich gezeigt, dass es auch nach mir noch so ist. Eine schwierige Aufgabe für den Pfarrer.

Jetzt wohnen Sie nur ein paar Meter außerhalb ihrer alten Pfarrei.

Ich brauch' zu Fuß etwa zehn Minuten bis in die Josefskirche und helfe dort auch mal aus. Aber fest eingebunden bin ich in Herz Jesu und St. Johannes. Die Wohnung hat mir sofort gefallen. Sie passt - für mich und meinen Hund. Ich bin hier in der Pfarrei sehr wohlwollend aufgenommen worden und verstehe mich gut mit Stadtpfarrer Gerhard Pausch. Ich kann helfen und ich helfe gern.

Man sieht Sie aber auch in anderen Pfarreien.

Wenn ich angefordert werde, komme ich. Ich bin zur Aushilfe in Weiherhammer, Kohlberg, Kaltenbrunn, Michldorf oder in Flossenbürg. Das ist interessant, spannend und anregend. Ich lerne Pfarreien und Menschen kennen. Da gibt es für mich viel Neuland zu entdecken. Jede Pfarrei hat ihre eigenen Traditionen und Besonderheiten.

Das klingt nach vielen Terminen.

Wie gesagt, ich helfe gern. Ich bin frei von der Verwaltungsarbeit, von den Bauaufgaben, die ein Pfarrer zu leisten hat. Ich kann ganz Seelsorger sein. Das ist jetzt fast der Idealzustand, wie man sich als junger Kaplan die Seelsorge vorstellt. Ich habe Zeit, auf den Menschen einzugehen. Es kommen viele Krebskranke auf mich zu. Sie wissen, ich habe das alles, diese Düsterheit, das Nichtwissen, was morgen ist, das Nicht-mehr- planen-können, selbst erlebt. Sie fühlen sich verstanden. Und ich habe die Zeit, um zu beten und die vielen Anliegen ins Gebet mitzunehmen.
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