Stadtteil Neunkirchen wird ärmer
Ausgekocht: Beide Gasthöfe schließen im Herbst

Georg und Gerlinde Forster führen ihren Gasthof Forster in Neunkirchen bereits in dritter Generation. Sie wollen nun ihr großes Anwesen in der Ortsmitte (unter anderem mit 15 Fremdenzimmern) verkaufen und sich im Spätherbst zu einer der Töchter zurückziehen. Bilder: Götz (2)
 
Schon Ende August will Reinhilde Rothaug ihren Kummerthof schließen.

Schade, wirklich schade. In Neunkirchen schließen beide Gasthöfe, und das auch noch nahezu zeitgleich. Spätestens Ende September wollen die Familien Rothaug (Kummerthof) und Forster (Gasthof Forster) zum letzten Mal auskochen.

Beide Gasthäuser blicken auf eine lange Tradition zurück. Sie wurzeln noch in einer Zeit, als "die Evangelischen" (im Forster) und "die Katholischen" ganz unter sich bleiben wollten. Diese Grenzen sind längst verwischt. Im Kummerthof diskutierten die Genossen, beim Forster die CSUler. Doch auch dies ist inzwischen vorbei: Beim Donnerstagsstammtisch im Forster sind die Anhänger sämtlicher Couleur dabei und gerngesehen.

Dafür treffen sich drüben im Kummerthof die Pizza-Fans am Mittwoch. Am Donnerstag werden dort die deftigen Ripperl serviert. Dass in beiden Häusern gut gekocht wird, ist nicht nur in Weiden bekannt. So kommt sogar der Großteil der Gäste im Kummerthof aus dem westlichen Landkreis, darunter auch viele US-Amerikaner. Gut (und preiswert) sind die Mittagstische am Donnerstag und Sonntag im Gasthof Forster. Beide Familien schieben die Entscheidung der Betriebsübergabe schon lange vor sich her. Beiden fehlt der Nachwuchs.

"Es lohnt sich nicht, durchzuhalten", sagt Reinhilde Rothaug. Sohn Benjamin Rothaug ist Soldat, Gebirgsjäger. Tochter Stefanie ist in Erbendorf verheiratet, arbeitet "drunten in der Stadt", erzählt "Hilde" Rothaug, die selbst aus Eslarn stammt. Ihr Vater, Josef Linsmeier, erwarb vor 30 Jahren den Kummerthof. Seitdem steht "Hilde" in der Küche, kocht, putzt, kauft ein, "schmeißt" den Laden.

"Es geht nimmer"


Die Arbeit hat gesundheitliche Spuren hinterlassen. Ihre kaputten Bandscheiben schmerzen - immer mehr. Die Operation lässt sich nicht auf den St.-Nimmerleins-Tag rauszögern. "Es geht einfach nimmer", sagt die Chefin, die vor wenigen Tagen ihren 60. Geburtstag feierte. "Was will ich mit dem großen Haus?" Ihr Mann Norbert, der schon im Sommer 2009 einen Herzinfarkt erlitt, ist als Fernfahrer unterwegs. "Wenn er zurückkommt, ist er fertig."

"Da stellt sich für uns die Frage, warum wir uns das ewig antun sollen." Zudem stehen in der Küche (Einbau von Fettabscheidern) größere Investitionen an. Auch deshalb suchen sie keinen Pächter, sondern einen Käufer, der das teilunterkellerte Anwesen mit 393 Quadratmetern Wohnfläche und 1170 Quadratmeter großem Grundstück für Wohnungen und Büros nutzt. Mit Hilfe eines Immobilienmaklers hat Reinhilde Rothaug den Wert ihrer Immobilie (Baujahr 1910, teilweise sanierungsbedürftig) taxiert. Und: "Ja, es gibt Interessenten."

In dritter Generation


Über befreundete Immobilienexperten aus Nürnberg bietet die Familie Forster ihren traditionsreichen Gasthof an: 471 Quadratmeter Wohnfläche (Gaststube, 15 Zimmer) und 1550 Quadratmeter Grund in der Ortsmitte von Neunkirchen. Georg Forster betreibt mit seiner Frau Gerlinde den Gasthof in dritter Generation. Auch ihnen fehlen die Nachfolger. 2003 hatten sie nochmals kräftig investiert, den Betrieb an Tochter Stefanie und dem Schwiegersohn übertragen, die es dann doch wieder an den Chiemsee zurückzog. Tochter Michaela lebt im Raum Neumarkt.

Gerlinde Forster feiert in wenigen Tagen ihren 64. Geburtstag, ihr Mann wird im Juni 72. Beide sind gesundheitlich stark eingeschränkt. "Wir wollen noch ein bisschen was vom Leben haben", meint Georg Forster. der ein künstliches Hüftgelenk hat und zwei Bypass-Operationen überstand. Er plant, mit seiner Frau, die massive Kniebeschwerden plagen, in der Nähe der Tochter am Chiemsee zu leben. "Wir gehen weg aus Neunkirchen. Wir haben hier auch keine Verwandten mehr."

Und was wird aus den Stammgästen? "Uns allen bleibt ja noch fast ein halbes Jahr Zeit. Da wird sich für jeden etwas finden", meint Georg Forster. Übrigens: Das Tennisheim ist derzeit ohne Wirt.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.