Stimme, Gesicht und Forum für Flüchtlinge
Dolmetscher der Kulturen

Jeder von uns hat einen eigenen Blick, die meisten eine manchmal festgefahrene Meinung zu den Menschen, die hier Zuflucht suchen. Einige Schüler der Dolmetscherklasse der Europaberufsschule, die Claudia Sörgel (rechts) mit betreut, schreiben in einer Serie, wie sie die Welt, wie sie Deutschland erleben, was sie entdecken, erwarten und hoffen. Bild: Götz

"Der neue Tag" will Flüchtlingen, die die Dolmetscher-Klasse der Europa-Berufsschule besuchen, ein Forum geben. In einer Serie beschreiben einige von ihnen, wie sie unsere Welt sehen.

Deutsch zu lernen, um den Abschluss als staatlich anerkannter Dolmetscher zu erwerben, ist für sie eine schwierige Sache, aber auch eine große Chance. Schließlich gibt es derzeit in ganz Bayern nur ganz wenige - angeblich sechs - staatlich anerkannte Dolmetscher für Deutsch-Arabisch. Der Bedarf ist weit größer.

Vor der Ausbildung


Wie berichtet, hat Schulleiter Josef Weilhammer von der Europaberufsschule die Initiative ergriffen und im Frühjahr eine Vorklasse für diese Ausbildung aus dem Boden gestampft. Syrer, Iraner und Tunesier bereiten sich hier mit Interessenten aus weiteren Ländern der arabischen Welt auf den Ausbildungsstart im Herbst vor.

Die Anforderungen sind hoch, das Vorwissen aber auch, wie beispielsweise Sayed Razieh Seddighi beim "Weidener Filmgespräch" unter Beweis stellte. Die Iranerin dolmetschte zwischen ihrem Vater und dem Publikum zum Teil sogar synchron.

Für die Schüler geht es nicht nur darum, die Sprache auf hohem Niveau zu beherrschen, sondern auch fit zu sein in Wirtschaft, Jura und anderen Gebieten bis hin zur Medizin. Schließlich sollen sie fähig sein, Operationsberichte ebenso zu übersetzen wie Aussagen vor Gericht.

Weilhammer nennt sie "Dolmetscher der Kulturen". Deshalb stehen auf dem Stundenplan neben dem, Sprachunterricht Landeskunde, Wirtschaftsterminologie und die Vermittlung von Wissen über Institutionen im Bereich Bildung, Soziales, Gesundheit und Arbeit

In fruchtbarer Erde Wurzeln schlagenMein Name ist Sobhi Mahmoud, mein Geburts- und Heimatland ist Syrien. Ich bin 40 Jahre alt, seit 12 Jahren verheiratet und habe vier Kinder. Von Beruf bin ich Englischlehrer mit viel Berufserfahrung, weil ich in unterschiedlichen Ländern tätig war. Nun lebe ich mit meiner Familie seit 8 Monaten in einem kleinen Dorf, das Wildenreuth heißt.

Im Großen und Ganzen habe ich viele Hobbys speziell im Bereich Sport. Ich mag Fußballspielen und Reiten. Weiterhin lese ich sehr gerne überwiegend wissenschaftliche und geschichtliche Bücher. Manchmal lese ich über Politik, teilweise auch in der Zeitung.

Über die Gründe, mein Herkunftsland zu verlassen und nach Deutschland zu fliehen, darf ich Folgendes berichten: In der Tat kann niemand weltweit die Katastrophe in Syrien ignorieren. Syrien ist bald nicht mehr als ein Name auf der Weltkarte. Einen funktionierenden Staat mit einer Grundversorgung und Lebensperspektiven gibt es nicht mehr. Überall kann man dort die Stimme der Zerstörung hören und den Geruch des Todes riechen.

Kinder in diesem Land haben aufgehört, mit Puppen zu spielen oder in die Schule zu gehen, es interessiert sie nur noch, eine Stunde ohne Blut und Tod zu erleben. Sie kennen in Syrien keine Sicherheit und keinen Frieden, sondern nur Ermordung, Chaos und Instabilität. Daher musste ich für meine Familie die dringende Entscheidung treffen, dieser unerträglichen Situation zu entfliehen.

Obwohl ich etliche Möglichkeiten hatte, in andere Länder zu flüchten, habe ich Deutschland als fruchtbare Erde für meine Familie gewählt, um hier neue Wurzeln zu schlagen.

Ohne Übertreibung kann ich behaupten, dass Deutschland mein Kindheitstraum war. Ich wollte vor einigen Jahren schon mein Studium in Deutschland abschließen, aber damals hatte ich leider keine Gelegenheit dazu.

Deutschland ist ein sicheres Land, wo meine Kinder glücklich und in Frieden aufwachsen können. Deutschland bietet für aufgeschlossene Menschen eine Perspektive, einen guten Beruf zu lernen oder zu erhalten. Deutschland war eines der wenigen Länder, das syrische Flüchtlinge sehr herzlich und freundlich willkommen geheißen hat und sie als Bürger und nicht als Gäste behandelt hat.

Zurzeit mache ich eine Ausbildung als Dolmetscher für Deutsch-Arabisch und Englisch an der Fremdsprachenschule in Weiden. Ich bin sehr froh und glücklich, als Teilnehmer ausgewählt worden zu sein. Ich glaube wirklich an die Weisheit in diesem Land. Wissen ist Macht. Um meinen Wissenshorizont zu erweitern, möchte ich die deutsche Sprache meistern. Meine Ausbildung fördert meinen Wunsch, zukünftig eine passende Stelle zu bekommen, und erleichtert meine Integration in die deutsche Gesellschaft.

Außerdem kann ich so auch dabei behilflich sein, andere Flüchtlinge in den verschiedenen Lebensbereichen zu beraten und zu unterstützen. Immer wieder versuche ich zu dolmetschen, wenn es um Medikamenteneinnahme geht oder darum, behördliche Schreiben zu verstehen.

Nie werde ich die lieben und netten Lehrer vergessen, die die Schüler in unserer Dolmetscherklasse unterstützen und ermutigen sowie den Schulleiter der Europa-Berufsschule Weiden.

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