Stromtrassen gefährden Wälder
200 Hektar Wald im Feuer

 
Professor Dr. Dr. Axel Göttlein. Bild: Dobmeier

Mit dem Holzpreis ist die Forstbetriebsgemeinschaft einigermaßen zufrieden. Mit der geplanten Stromtrasse nicht. Die Mitglieder sehen ihre Wälder gefährdet.

"Wo sind die Umweltverbände, wenn es um die Stromtrassen geht? Die Forstbetriebsgemeinschaft Neustadt-Süd hat dazu eine Stellungnahme abgegeben, die ins Raumordnungsverfahren eingearbeitet wird", stellte Vorsitzender Bernhard Irlbacher in der Jahreshauptversammlung fest. Immerhin müssten über 200 Hektar Wald und Ökosystem für die Realisierung der Leitungen in der Region geopfert werden.

Irlbacher erinnerte daran, dass normalerweise ein Fünftel der Mitglieder anwesend sein muss, damit die Versammlung beschlussfähig ist. Dies sei im Februar in Luhe nicht der Fall gewesen. Deshalb sei nun innerhalb von vier Wochen eine neue Versammlung einberufen worden. Wenn diese Frist eingehalten werde, gelte die Versammlung als beschlussfähig, unabhängig von der Anzahl der anwesenden Mitglieder.

Der Vorsitzende verkündete zudem eine Neuerung: Ein Geschäftsjahr erstreckt sich künftig von 1. Oktober bis 30. September. 752 ordentliche FBG-Mitglieder verfügen derzeit über 6099 Hektar Waldfläche. Als Aufgabenbereiche nannte Irlbacher unter anderem den Ostbayernring, Gebietsversammlungen, Rahmenvereinbarungen für den Holzhandel und die Waldjugendspiele.

Über gute Preise für Holz im ersten Quartal 2015 berichtete Geschäftsführer Michael Bock. Der Sturm "Nicklas" führte am 31. März zu sogenanntem Kalamitätsholz und einem moderaten Preisrückgang. Da es häufig zum Wurf einzelner Bäume gekommen sei, seien für die Abholung künftig effektivere Zusammenschlüsse nötig. Eine Weidener Firma habe die Hackschnitzelabnahme eingestellt, so dass für andere Interessenten wieder ausreichend Hackschnitzel zur Verfügung stünden.

Über 1,4 Millionen Umsatz


Rechnungsführer Tobias Schmauß berichtete von einem positiven Jahresergebnis und einer Umsatzbilanz von über 1,4 Millionen Euro. Spannend bleibt, in welche Richtung der Holzpreis zukünftig tendiert. Die KWF-Tagung findet vom 9. bis 12. Juni in Roding statt. Forstoberrat Moritz Neumann riet zu Revierbegehungen, um die Kommunikation zwischen Jagdgenossen und Reviergebern im Falle von Verbissschäden zu verbessern. Stadtrat Josef Gebhardt bestätigte der FBG eine ausgezeichnete Arbeit und bezeichnete es als wichtig, zu den geplanten Stromtrassen Position zu beziehen.

Den ausscheidenden Obmännern galt der Dank für ihre langjährige Arbeit: Alois Lukas senior, Josef Fichtl und Hans Bauer (alle seit 1983), Josef Rothballer (seit 1988), Hans Wittmann und Hans Müller (beide seit 1993) sowie Hubert Pausch (seit 1998).

Die Neuwahlen brachten folgendes Ergebnis: Vorsitzender bleibt Bernhard Irlbacher, 1. Stellvertreter Reinhard Brunner, 2. Stellvertreter Axel Rast; Schatzmeister Tobias Schmauß; Protokollführer Jürgen Pschierer. (Hintergrund)

Der Waldboden als NährstoffspeicherDer Begriff Nachhaltigkeit entstammt der Waldwirtschaft. Um das Nachwachsen des Rohstoffes Holz zu gewährleisten, müssen die Wälder nachhaltig bewirtschaftet werden. Mit der Entnahme von Holz, Rinde und Nadeln entzieht der Mensch jedoch Nährstoffe.

"Unsere Waldböden - Potenzial und Gefährdung" - über dieses Thema referierte Prof. Dr. Dr. Axel Göttlein bei der Forstbetriebsgemeinschaft Neustadt/WN-Süd. Der Leiter des Fachgebietes Waldernährung und Wasserhaushalt an der TU München im Wissenschaftszentrum Weihenstephan beschäftigt sich mit allen Aspekten des Stoffhaushaltes von Waldökosystemen. Er wies auch auf den monetären Wert der Nährstoffe hin. Der Kronenentzug bringe minimalen Ertrag und maximalen Nährstoffverlust. Aus Sicht unserer Enkel sollte der Nährstoffentzug natürlich so gering wie möglich gehalten werden.

Laubbäume hätten einen höheren Nährstoffwert als Nadelgehölze. Auf besseren Böden wie in der Oberpfalz seien "heimische Exoten" wie Elsbeere, Birne, Kirsche und Sperling eine interessante Option. Mit etwas höherem forstwirtschaftlichen Aufwand erhalte der Waldbesitzer durch die Anpflanzung von Obstbäumen als Mischholz in relativ kurzer Zeit wertvolle Stämme. "Klasse statt Masse bringt Geld in die Kasse."

Seit 2005 würden Nährelemente wie Kalium und Phosphor global an den Märkten gehandelt. "Die Preise spielen verrückt", sagte Göttlein. Er riet, auf nährstoffarmen Standorten moderat zu kalken und zu düngen, um den Umbau in Richtung Mischwald zu unterstützen. Doch auch danach sollte die Biomasse nur zurückhaltend genutzt werden. (rdo)

Rettungspunkte werden beschildert

Weiden. (rdo) Bei der Waldarbeit verunglücken in Bayern jedes Jahr rund 5000 Menschen. Insbesondere der Umgang mit Motorsäge oder Seilwinde birgt eine hohe Gefahr von Unfällen, die zu schweren Verletzungen oder gar zum Tod führen kann. Doch nicht nur Waldarbeiter, auch Erholungssuchende und Freizeitsportler können Hilfe im Wald benötigen. Um eine schnelle und sichere Rettung zu gewährleisten, entwickelte die Bayerische Forstverwaltung gemeinsam mit den Bayerischen Staatsforsten das flächendeckende System der "Rettungskette Forst" mit Rettungstreffpunkten.

Benedikt Wicht vom Amt für Landwirtschaft und Forsten informierte bei der Versammlung der Waldbauernvereinigung Neustadt-Süd über die derzeit laufende Installation der Schilder im Wald, die für die Rettungskräfte im Notfall per Ziffernangabe den genauen Treffpunkt markieren.

Im Ernstfall sollte der nächstliegende Rettungspunkt gesucht und dann dessen Bezeichnung an die ILS (Ruf 112) weitergegeben werden. Zusätzlich informieren die Smartphone-App "Hilfe im Wald" über die Rettungspunkte oder das Internet unter www.rettungskette-forst.de
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