Studenten diskutieren beim 2. Dentalkongress an der OTH Weiden mit Zahnärzten und Zahntechnikern
Die Dritten aus dem Drucker

Noch ist manches Zukunftsvision, das OTH-Professor Dr.-Ing. Michael Wehmöller (links) zusammen mit seinen Masterstudenten beim 2. OTH-Dentalkongress den eingeladenen Zahnärzten und Zahntechnikern vorstellte. Bild: sbü

Wenn Zahnärzte und Zahntechniker mit Wissenschaftlern der Medizintechnik diskutieren, trifft die Theorie auf die Praxis. Patienten können dem einen oder auch dem anderen Recht geben. Der Dentalkongress ließ alle zu Wort kommen.

Die OTH in Weiden entwickelt sich zunehmend als Diskussionsplattform für moderne Zahnmedizin. Was vor einem Jahr mit dem ersten Dentalkongress begonnen hatte, fand jetzt in größerem Rahmen seine Fortsetzung. Zahnärzte und Zahntechniker trafen sich mit Masterstudenten aus der Medizintechnik unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Michael Wehmöller und diskutierten über den Einsatz modernster Technologien in der Zahnarztpraxis.

Über fast allen Themen, die zunächst von den Masterstudenten vorgetragen wurden stand die Frage: Wird die Zahnarztpraxis in Zukunft zum Rundumversorger für den Patienten? Dies würde bedeuten, dass der Zahntechniker als Beruf allmählich ausstirbt. Er wird ersetzt vom Zahnarzt oder einem Mitarbeiter der Zahnarztpraxis, der eine CAD-/CAM-Anlage bedient. Für den Patienten soll es viele Vorteile bringen. Kurze Zahnarztbesuche nach dem Motto "alles auf einmal", kein Tragen von so genannten Provisorien mehr und vor allem individuellere Implantate als gegenwärtig.

Zahnärzte skeptisch


Was für viele noch als weit entfernte Zukunftsvision gilt, wird von der Medizintechnik-Industrie bereits weitgehend als einsatzfähig angeboten. "Chairside-System" wird es in der Fachsprache genannt und Medizintechnik-Master-Student Sebastian Käs stellte es vor. Er beschrieb dies als Methode "Zahnersatz ohne Labor, am Zahnarztstuhl herzustellen".

Sie beinhaltet Datenerfassung, das Erstellen digitaler Modelle, Fräsen und Anpassen des Zahnersatzes im Rahmen nur eines Zahnarztbesuchs. Als "wirtschaftlich und kostengünstig" werde dieses Verfahren von den Anbietern gepriesen. Auch die Präzision sei sehr hoch. Noch sei der Einsatz allerdings auf drei Brückenglieder beschränkt. Die Investitionskosten des Zahnarztes lägen bei 80 000 Euro. In Weiden seien bereits zwei Zahnarztpraxen damit ausgestattet.

Zahnärzte und Laborvertreter äußerten sich beim Dentalkongress fast einhellig sehr skeptisch zum "Chairside-System". Keinesfalls würden derzeit die damit hergestellten Kronen und Implantate die Qualität einer "handwerklichen Arbeit des Zahntechnikers erreichen". Laut Prof. Wehmöller gilt eine ähnliche Aussage auch für die Technologie: "3D-Druck in der Dentaltechnik". Dieser werde sich "unausweichlich etablieren", sagte Master-Student Fabian Riedl, der dieses Verfahren vorstellte.

Auch weitere Bausteine moderner Dentaltechnologie wurden im Rahmen des Kongresses vorgestellt. So unter anderem die "abdruckfreie Abformung mit dem Intraoralscanner" bei der mit mehreren Kameras Kiefer und Zahnhöhle "fehlerfrei" vermessen und elektronisch an das Dentallabor übermittelt würden. Aktuell würden bereits 10 Prozent der Zahnärzte dieses System nutzen. Man könne deshalb bereits heute fragen: "Wann kommt die abdruckfreie Praxis?" Im Zahnlabor könne dann dafür die digitale Dentaltechnik mit CAD- und CAM-Fertigung eingesetzt werden können. Geforscht werden würde auch am "anatomischen Sofort-Implantat", bei dem nicht mehr der Kiefer an das Implantat, sondern umgekehrt angepasst werde.

Digitales Röntgen


Diskutiert wurden am Dentalkongress auch weitere Themen, die sich im Zuge der Nutzung digitaler Dentaltechniken stellen. Dazu zählen digitale Röntgensysteme und die digitale Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, um Fehlstellungen zu beseitigen. Schließlich ging es auch um den Datenschutz in der Zahnarztpraxis und in der elektronischen Patientenakte.
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