Syrischer Priester schildert die Situation seiner Gemeinde in Damaskus
Für Christen doppelt schwer

"Wir hoffen auf Frieden." Der syrische Priester Abuna Mayas - im Bild mit Übersetzerin Barbara Then - berichtet von der Lage der Christen in seinem Land. Bild: hfz

Abuna Mayas, Priester der griechisch-katholisch-melkitischen Kirche Syriens, sprach über die dramatische Lage der Christen in seinem seit fünf Jahren vom Krieg heimgesuchten Land.

Peter Schönberger, Vorsitzender der Katholischen Erwachsenenbildung, begrüßte über 40 Zuhörer im Pfarrsaal St. Josef sowie Dr. Reinhold Then, Bibelreferent der Diözese. Dessen Frau Barbara übersetzte die Ausführungen des fließend italienisch sprechenden Priesters. Im Verein "Christen helfen Christen" kümmert sich das Ehepaar um christliche Flüchtlinge im Raum Regensburg und Landshut. Seit Januar bietet Mayas, der in Rom studiert hat und von der Diözese Regensburg mit einer halben Stelle angestellt wurde, den syrischen Flüchtlingen Gottesdienste im byzantinischen Ritus in arabischer Sprache.

Abuna Mayas zeigte anhand aktueller Fotos den Zustand seiner Heimatstadt Damaskus, vor allem des südlichen Stadtteils Darayya, wo er seelsorgerisch tätig war. Darayya, deutsch "Kloster der Erscheinung", ist der Ort, an dem einst Saulus seine Jesusvision hatte. Die Präsenz der frühen Christengemeinde in Damaskus vor Paulus belegt die rasante Ausbreitung der "Leute des neuen Wegs", die erstmals im syrischen Antiochia Christen genannt wurden.

"In den letzten 50 Jahren war der Dialog zwischen Christen und Muslimen in Syrien sehr intensiv", betonte Mayas, doch nach fünf Kriegsjahren sei die Situation "sehr schwierig, sehr schlimm". Der Krieg werde "gegen die Menschen, gegen die Familien" geführt. Die aktuellen Aufnahmen zeigten das Leben in den christlichen Pfarreien in Damaskus, zerstörte Gotteshäuser in den Städten Maalula, Homs und Aleppo. Während das von Assad beherrschte Damaskus weitgehend unzerstört blieb, sind die Vororte und syrischen Städte stark verwüstet. So wohne heute kein einziger Christ mehr in Darayya.

Die Menschen in Syrien, Muslime wie Christen, seien des Krieges und des Terrors müde und versuchten das Alltagsleben notdürftig aufrechtzuerhalten. Diesen Eindruck vermittelten Bilder vom kirchlichen Osterfest 2016 in Damaskus. Besonders beeindruckend war das Bild einer zerstörten Kirche ohne Dach, in der gerade eine Hochzeitsfeier stattfand.

Während vor dem Krieg unter den 24 Millionen Einwohnern Syriens noch acht Millionen Christen waren, seien heute nur noch etwa eineinhalb Millionen verblieben. Viele hätten das Land verlassen. Etwa 450 000 syrische Christen seien in den Libanon geflohen, andere nach Europa oder Amerika.

Die Diskussion war geprägt von dramatischen Bildern aus Aleppo. Werden Christen in Syrien im Alltagsleben benachteiligt? "In der ganzen arabischen Welt werden Christen benachteiligt." Von wem wurden die Kirchen zerstört, von Rebellen oder Regierungstruppen? "Von beiden." Wie ist die Rolle von Saudi-Arabien in diesem Krieg? "Es ist ein Krieg zwischen Sunniten und Schiiten, es ist nicht unser Krieg." Saudi-Arabien habe bis heute keine Flüchtlinge aus dem Irak oder Syrien aufgenommen.

Ärger in Unterkünften


Wie ergeht es den syrisch-christlichen Flüchtlingen in Deutschland? "Die Mehrheit der muslimischen Flüchtlinge diktiert in den Übergangsheimen der christlichen Minderheit das Alltagsleben", sagte der Priester. "Sie schreiben ihnen aufgrund ihrer Religion vor, was sie zu tun und zu lassen haben." Die Heimaufsicht sei oft in muslimischer Hand, eine Intervention deshalb vergeblich. Hier sei die Präsenz christlicher Hilfskräfte nötig.
In der ganzen arabischen Welt werden Christen benachteiligt.Abuna Mayas, Priester der griechisch-katholisch-melkitischen Kirche Syriens
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