"Tag der Heimat" in Reger-Halle mit aktuellen Themen
Feier für ein großes Gefühl

 

Einfach nur ein sehnsuchtsvoller Blick zurück? Von wegen. Der "Tag der Heimat" präsentierte sich diesmal hochaktuell.

(hcz) "Heimat ist ein Gefühl" lautete heuer das Motto. Oberbürgermeister Kurt Seggewiß ergänzte als Schirmherr und Festredner am Samstag: ein Gefühl, "das jeder braucht". Das sahen offenbar auch die Besucher so. Dutzende Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft und Behörden waren gekommen. Und natürlich gut 300 Mitglieder der dem Dachverband Heimatring angehörenden 71 Vereine. Sie zeigten beim Festabend ihre Verbundenheit: mit der Oberpfalz, der Stadt, dem Land.

Heimatring-Vorsitzender Günther Magerl erinnerte eingangs daran, dass es sieben Jahrzehnte her ist, dass 14 Millionen Deutsche aus ihrer Heimat vertrieben wurden oder fliehen mussten. "Die Erinnerung schmerzt noch. Aber der Blick zurück ist nicht mehr mit der Hoffnung auf Rückkehr verbunden." Die Gesellschaft dürfe, ja, solle sich erinnern, um gerade in der heutigen Zeit sensibel mit den Themen Flucht und Vertreibung umzugehen. Man wisse aus Erfahrung, dass es Zeit brauche, Flüchtlinge einzugliedern und Einheimische an eine sich verändernde Gesellschaft zu gewöhnen. "Besonders, wenn Einheimische und Ankömmlinge gänzlich anderen Kulturen angehörten."

Ablehnung erlebt


Magerl betonte, dass auch die deutschen Vertriebenen oft auf Kälte und Ablehnung gestoßen waren. Obwohl sie Deutsche waren. Sie seien ihrer Heimat beraubt worden, weil sie nicht dorthin zurückkehren durften. Dasselbe drohe den Flüchtlingen und Vertriebenen unserer Tage.

Seggewiß blickte zurück auf die Nachkriegsjahre. Ende 1945 seien in Bayern zwei Millionen Vertriebene aufgenommen gewesen. In Weiden seien 8624 registriert gewesen. Im Vergleich dazu: 544 Flüchtlinge zähle man derzeit in der Max-Reger-Stadt. Woanders neue Wurzeln zu schlagen, verlange alles ab, stellte das Stadtoberhaupt fest. Sich integrieren zu wollen und Aufnahme zu gewähren, ebenso. Lob hatte Seggewiß für alle Vereine parat, die bei der Integration mithalfen. Der Heimatring und seine angeschlossenen Vereine seien "Garant dafür, dass die Integration geschafft werden kann".

Mit Märschen, Polkas, Trompeten- und Tuba-Soli begleitete die Stadt- und Jugendblaskapelle unter Leitung von Hubert Rupprecht die Veranstaltung. Heimatring-Vize Norbert Uschald führte durch ein interessantes und abwechslungsreiches Programm. Lothar Fischer von der Landsmannschaft Schlesien trug die Gedichte "Heimweh" und "Rätsel Heimat" von Gertrud Elisabeth Caro vor. Die 1902 im Riesengebirge geborene und 1992 in Weiden verstorbene Dichterin war Mitglied der schlesischen Ortsgruppe. Ihre Gedichte sind geprägt von der Sehnsucht nach ihrer verlorenen Heimat.

Worte zum Wald


Betrachtungen zum Thema "Der Deutschen Wald" stellte Kreisobmann Dr. Rainer Wagner von der Sudetendeutschen Landsmannschaft an. Stimmungsvoll unterlegt mit bedächtiger Musik, beleuchtete er mit Worten großer Dichterfürsten das Verhältnis der Deutschen zu ihrem Wald. Das Weidener Akkordeonorchester unter Leitung von Karin Dittrich brachte die Polkas "Schornsteinfeger" und "Oberkrainerglück" sowie den 6/8-Marsch "Treue Musikanten" zu Gehör.

"Der Streit um die Sau", vorgetragen vom Vorsitzenden der Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen, Norbert Uschald, erinnerte an den Gerechtigkeitssinn des "Alten Fritz". Mit zwei selbst komponierten und getexteten Liedern der "Seebauer Moidln" waren die "Nordoberpfälzer Musikfreunde" vertreten. Lore Leitmeier vom "Altoberpfälzer Freundeskreis" hatte das Gedicht "Hoimat" von Erika Kerler in Oberpfälzer Mundart umgesetzt. "CHORisma", eine 20-köpfige Gesangstruppe unter der Leitung von Larissa Burgardt, begeisterte mit deutschen Liedern, etwa mit Max Regers "Gruß", aber auch mit der mexikanischen Volksweise "Cielito Lindo".

Die Volkstänze "Das Kastl" und "Kutschn" zeigte die Erwachsenentanzgruppe der "Altbairischen" mit Wilhelm Binner, bevor es mit der Gesangs- und Tanzgruppe "Kalinka" rund ging: sehnsüchtig das Lied von der "Taiga". Auch "Kasatschok" und sogar Michael Holms "Tränen lügen nicht" erklangen. Den Gustl-Lang-Saal hatte die Siedlergemeinschaft Rehbühl attraktiv dekoriert.

Die Erinnerung schmerzt noch. Aber der Blick zurück ist nicht mehr mit der Hoffnung auf Rückkehr verbunden.Günther Magerl
Weitere Beiträge zu den Themen: Integration (144)Tag der Heimat (10)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.