Tagesstätte für psychisch Kranke feiert Jubiläum
Eine "Oase" voller Freunde

Mit selbstgebastelten Wichteln überraschten die Tagesstättensprecher Gabi Plischke und Georg Ram (Vierte und Dritter von rechts) die Verantwortlichen der "Oase" (von links): Teamleitung Ursula Hösl, Geschäftsführer Peter Weiß, STZ-Leiterin Gabriele Englmann sowie (von rechts) Bereichsleitung Bettina Frost und Martin Weiß, Vorsitzender der Geschäftsführung. Die Musikgruppe der "Oase" steuerte die passenden Töne zur Feier bei. Bild: gsb

Vor 20 Jahren war die Einrichtung "eine Revolution. Damals gab es für psychisch-kranke Menschen keine Teilhabe", erinnert Bezirkstagspräsident Franz Löffler. Das hat sich gewaltig geändert. Nicht zuletzt dank der Tagesstätte "Oase".

Sie hat dazu beigetragen, dass die Betroffenen wieder in die Mitte der Gesellschaft zurückkehren konnten. Das betonten mehrere Festredner bei der Feierstunde am Montag. Einige - wie Bürgermeister Lothar Höher - zogen auch die Parallele zum Stadtteil Stockerhut, in dessen "Café Mitte" die Feier stattfand. Denn dieses Stadtviertel, das früher als schwierig gegolten habe, befinde sich heute wieder "mitten in der Gesellschaft. Ein gelungenes Beispiel für soziale Integration."

"Baustein für Inklusion"


Als "wichtigen Baustein für Inklusion" wertete auch Alexander Grundler, Behindertenbeauftragter der Stadt Weiden, die "Oase". Denn die Einrichtung - Träger ist das "Sozialteam" - hebe täglich Potenziale von psychisch-kranken Menschen und bringe sie in die Gesellschaft zurück. Doch nicht nur das: "Die 'Oase' ist ein Ort, wo man Freundschaft erleben kann, weil viele hier meine Freunde geworden sind." Das versicherte Tagesstättensprecher Georg Ram. Er und Gabi Plischke, sie ist Tagesstättensprecherin, hatten zum 20-jährigen Bestehen eigens Lobgedichte auf die Einrichtung verfasst, wofür sie viel Applaus erhielten.

Bei der Eröffnung am 4. November 1996 sei die "Oase" eine der ersten Tagesstätten in der Oberpfalz gewesen, erinnerte Gabriele Englmann, Leiterin des Soziotherapeutischen Zentrums Nordoberpfalz und damit auch der "Oase". Konstant hohe Besucherzahlen von durchschnittlich 30 Nutzern pro Tag hätten schließlich eine Erweiterung nötig gemacht. Seit 2014 gibt es nun eine Außenstelle in Vohenstrauß, in der ebenfalls ein niedrigschwelliges Angebot für psychisch Kranke bereitgehalten werde.

Dank an Dettenhöfer


Als "Mutter der Tagesstätte" bezeichnete Peter Weiß die Landtagsabgeordnete Petra Dettenhöfer. "Ohne ihr Engagement vor 20 Jahren im Bezirkstag könnten wir heute hier nicht feiern", sagte der Geschäftsführer von "Sozialteam". Als Bezirksrätin habe Dettenhöfer damals das Anliegen von Angehörigen, für ihre psychisch-kranken Verwandten eine passende Unterstützung zu finden, an ihn herangetragen. Er und sein Bruder Martin setzten diese Idee mit der Tagesstätte "Oase" um. Hier werde auch ein Stück Präventionsarbeit geleistet. Denn der eine oder andere Besucher würde ohne dieses Hilfsangebot womöglich schwer chronifiziert und das Versorgungssystem dadurch finanziell stark belasten. Als "Geburtstagswunsch" richtete er die Bitte an Bezirkstagspräsident Löffler, für die Tagesstätten mit Außenstellen eine Erhöhung des Sachkostenzuschusses zu erwägen.

Löffler dankte den Gebrüdern Weiß für ihre Leistung. "Mit ihrem heimatnahen und personenzentrierten Angebot bringen Sie die Hilfe zu den Menschen." Und zwar aus Leidenschaft, nicht in erster Linie aus finanziellen Gründen, gab sich Löffler überzeugt. "Das 'Sozialteam' ist innovativ und zukunftsweisend."

"Fast wie ein Wischer" seien die 20 Jahre vergangen, meinte Petra Dettenhöfer rückblickend. "Das war einer meiner ersten Anträge im Bezirk. Ich bin dankbar, dass Sie das Projekt in die Hand genommen und weiterentwickelt haben", dankte auch sie Peter und Martin Weiß. "Die Menschen fühlen sich hier angenommen. Es ist wie eine kleine Familie, denke ich." Als "segensreiche Einrichtung in der Stadt", lobte Bürgermeister Höher die "Oase" und übermittelte die Grüße von Oberbürgermeister Kurt Seggewiß. Die Tagesstätte sei auch deshalb so wichtig, weil es zu wenig Fachärzte in der Region gebe.

Sorge um neues Gesetz


Einen Festvortrag zum Thema "Sozialpsychiatrisches Arbeiten im Sozialraum - Herausforderung der Zukunft" hielt Davor Stubican vom "Parität"-Landesverband Bayern. Dabei äußerte er - ebenso wie zuvor Peter Weiß - die Befürchtung, das geplante Bundesteilhabegesetz könnte die Lebensbedingungen psychisch-kranker Menschen eventuell verschlechtern.
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