Technologietransfer konkret

Die Hochschule will praxisorientiert forschen, die Betriebe sind auf Erkenntnisse und Entwicklungen aus der Wissenschaft angewiesen. Gelungener Technologie-Transfer am Beispiel der Zusammenarbeit von OTH Amberg-Weiden und der Gerresheimer Regensburg GmbH.

Zur Jahrhundertwende nahm die Zusammenarbeit ihren Anfang: Vertreter der damaligen Wilden AG in Regensburg, unter der Leitung von Diplom-Ingenieur Hans Wilden, trafen sich mit Professor Dr. Franz Magerl von der Fachhochschule Amberg-Weiden und entwickelten die Idee eines gemeinsamen Forschungsprojekts mit Namen "Virtuelles Unternehmen".

Was später selbstverständlich wurde, war zunächst nur eine Zukunftsvision. Die Frage hieß: Wie können unterschiedliche Unternehmen und Hochschulpartner für eine begrenzte Projektdauer miteinander kooperieren und als Systemanbieter für die Automobilindustrie auftreten?

Virtuelle Entwicklung

Die Diskussion mündete später im Jahre 2005 in ein konkretes Kooperationsprojekt mit einem Etat von jährlich 250 000 Euro. "Virtuelle Produktentwicklung ("Computer Aided Engineering)" nannte sich ein neu aufgebauter Wissenschaftsbereich. Hochschule und Unternehmen profitierten beide, denn die Hochschule verfügte jetzt über zusätzliche Forschungsgelder und die Wilden AG, ab 2007 in die Gerresheimer Regensburg GmbH übergegangen, konnte anhand eines F&E-Projektes modernste Entwicklungsmethoden und-verfahren (zum Beispiel die sogenannte "Moldflow Simulation", die "Finite Elemente Simulation" oder Mehrkörpersimulationen) testen und später in die Produktentwicklung einfließen lassen.

Für jährlich mindestens einen Absolventen der Hochschule wurde ein zusätzlicher Forschungsarbeitsplatz eingerichtet. Die Reihe der Namen dieser wissenschaftlichen Mitarbeiter sei zwischenzeitlich sehr lang geworden, berichtet Dekan Professor Franz Magerl von der Fakultät Wirtschaftsingenieurwesen in Weiden. Sie alle hatten auch die Option des späteren Berufseinstiegs bei Gerresheimer. Sehr viele der damaligen Absolventen sind heute noch dort beschäftigt.

Doch die Zusammenarbeit mit der Wilden AG und später Gerresheimer Regensburg GmbH hat noch zahlreiche weitere Elemente. Schon im Jahre 2001 wurden Professor Dr. Franz Magerl mit der "Rapid Prototyping-Anlage" der erste "3D-Drucker" von der Wilden AG zur Verfügung gestellt.

"Aus heutiger Sicht ist dies ein Museumsstück, das noch immer bei uns steht - neben der aktuellsten Anlage dieses Namens", erzählt Professor Magerl schmunzelnd. Ähnlich innovativ wie dieser Drucker war auch der von Gerresheimer dem Hochschulbereich Medizintechnik bereitgestellte Mikro-CT. Damit gelang für den Produktentwicklungsbereich frühzeitig der Einstieg in die Computertomographie. 2013 wurde diese Technologie dann bei Gerresheimer im Unternehmen übernommen.

Doch die Liste der Felder der Zusammenarbeit zwischen OTH und Gerresheimer ist noch wesentlich länger. So gibt es neben einer Stiftungsprofessur auch ein gemeinsames Forschungsprojekt zur partikel- und keimarmen Fertigung von Medizintechnikprodukten/Pharmaprodukten in einem sogenannten Reinraum (Klasse 7). Professor Burkhard Stolz, der dieses Projekt betreut, war früher Mitarbeiter bei Gerresheimer. "Wir arbeiten gegenüber herkömmlichen Anlagen mit der neuesten Technik", freut er sich über dieses Großlabor. Herkömmliche Anlagen würden energieaufwendig viel Frischluft zuführen. Die neue Reinraumtechnik erfordere nur noch 10 bis 20 Prozent Frischluftaufbereitung. Die Luftströmung sei dabei so ausgelegt, dass sie "gezielt im Fertigungsumfeld die Reinraumklasse auch unter Produktionsbedingungen gewährleisten kann".

Internationalisierung

Die Zusammenarbeit zwischen Gerresheimer und der OTH hat auch eine zusätzliche internationale Dimension auf dem Gebiet der Medizintechnik gefunden. In Shanghai 2015 fand unter Einbeziehung der chinesischen Partneruniversität ein Workshop mit 65 potenziellen Kunden von Gerresheimer, darunter 24 chinesische Unternehmen, statt. Behandelt wurden Themen der Entwicklung, Zulassung und Produktion von Medizinprodukten auf dem chinesischen Markt.

Voll des Lobes äußerte sich deshalb auch der Geschäftsführer der Gerresheimer Regensburg AG Manfred Baumann über die Zusammenarbeit mit der OTH Amberg-Weiden als er sagte: "Wir profitieren beide seit Jahren in hohem Maße voneinander."
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