Theatergruppe des Augustinus-Gymnasiums: Update des Goethe-Klassikers
Faust stellt Gisela-Frage

Weiden. (otj) Ganze Schülergenerationen haben sich mit Goethes "Faust" beschäftigt - mit unterschiedlicher Begeisterung. Die Theatergruppe des Augustinus-Gymnasiums hat sich dem anspruchsvollen Stoff gewidmet und das Stück einem Update unterzogen.

"Ähnlichkeiten mit Faust nicht ausgeschlossen" versetzt den Titelhelden, Mephisto und Gretchen in die Jetzt-Zeit. Faust heißt Friedrich und arbeitet als Forscher im Labor einer Pharma-Firma, für Mephisto steht der diabolische Martin Menner aus dem gehobenen Management. Gretchen ist die ein wenig naive Gisela Blume.

Nicht zu knacken


Martin Menner drängt den verkopften, misanthropen Faust zu einer Wette: Er könne den Wissenschaftler dazu bringen, das Leben zu genießen und zu sagen: "Augenblick, verweile doch, du bist so schön." Um das zu erreichen, lässt der schnöselige Top-Manager nichts unversucht. Doch Faust ist scheinbar nicht zu knacken - bis er Gisela Blume kennenlernt, und die Fassade bröckelt.

Fatales Ende


Auch wenn der Stoff auf den ersten Augenblick weit weg vom Urfaust scheint, Goethes Original ist immer wieder zu entdecken. Die Kneipenszene mit prollig-angetrunkenen Studenten lässt "Auerbachs Keller" erkennen, statt Pudel mit Kern sitzt da ein ungeliebter Stoffhund auf der Bühne, und auch der Faust'sche Dialog mit dem Schüler wird angedeutet. Wie im Original endet Fausts Liebe zu Gisela fatal: Das Mädchen wird schwanger, ihr Bruder kommt, um sie zu rächen und wird von Friedrich erschlagen - zunächst. Denn die Interpretation will das Stück nicht mit einer Tragödie enden lassen und entscheidet sich stattdessen für ein Happy-End.

Eine Rolle, zwei Darsteller


Charmant an "Ähnlichkeiten mit Faust nicht ausgeschlossen" ist auch die Besetzung der Hauptrolle. Während im ersten Teil Friedrich als angegrauter, lebensunlustiger Forscher von Tabea Kett verkörpert wird, betritt nach der Pause der kraftvoll gefühlig spielende Alexander Kasper die Bühne. Und auch Mephisto bzw. Menner wird auf zwei Darsteller verteilt: Zunächst intrigiert Vladyslav Gorski, dann Jonas Dobmeier. Inszeniert und getextet hat die kurzweiligen Szenen Deutschlehrerin Dr. Simone Lutz, die auch Regie führte. Das Stück war zwei Mal zu sehen: die Premiere am Dienstagabend, eine weitere Aufführung tags darauf.
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