Tierheim: "Sehr viele Fundhunde aus dem Raum Eschenbach-Grafenwöhr"
Ziemlich haarige Geschichten

Weil der Rottweiler "Baxter" im Bereich Hütten entdeckt wurde, vermutete Tierschutzvereins-Vorsitzende Mariele Junak zunächst, Amerikaner hätten ihn ausgesetzt. Doch inzwischen hat sich herausgestellt, er gehörte einem Deutschen - zumindest mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit. Bild: Schönberger

Ende September landete ein Chihuahua im Tierheim Weiden. Seine Besitzerin, eine US-Amerikanerin, war in Urlaub geflogen, obwohl der Hund zwei Tage vorher verschwunden war. Als sie zurückkehrte, hatte Tierheimleiterin Jutta Böhm bereits einen neuen Platz für das Tier gefunden. Ihr Eindruck: "Die Frau war sichtlich erleichtert."

In diesem Fall hatte sich der kleine Hund von sich aus abgesetzt, noch bevor das Frauchen zum Urlaub in die Heimat startete. Als die Besitzerin zurückkehrte, war die 14-Tage-Frist vorbei, die das Tierheim vor einer Neuvermittlung abwartet. "Ich hatte einen super Platz für den kleinen Hund gefunden", sagt Jutta Böhm. Doch die Besitzerin sei über diese Lösung letztlich erfreut gewesen und nicht entrüstet.

"Nachweis ist schwierig"


Es gibt aber auch Fälle, in denen US-Amerikaner ihre Hunde einfach in die Freiheit entlassen, wenn sie in die Heimat zurückbeordert werden. Oder besser gesagt: Fälle, in denen das zumindest vermutet wird. Denn: "Der Nachweis ist schwierig", sagt Mariele Junak, Vorsitzende des Tierschutzvereins Weiden. Vermutet wurde es beispielsweise bei dem Hundepärchen der Rasse Schar Pei, das im Mai im Bereich Parkstein-Hütten herumstreunte und schließlich auf Initiative von drei Frauen und weiteren Tierliebhabern eingefangen wurde. "Es gibt sehr viele Fundhunde aus dem Raum Eschenbach-Grafenwöhr, bei denen wir mutmaßen, dass sie von Amerikanern stammen." Von den 70 Neuzugängen, die das Weidener Tierheim pro Jahr verzeichnet, "dürften das etwa 20 bis 30 Prozent sein", schätzt Junak.

Sie möchte keinesfalls "alle Amerikaner über einen Kamm scheren. Es gibt auch viele Tierliebhaber, die ihre Vierbeiner bestens versorgen und denen der Transport in die USA nicht zu teuer ist." Die Fälle, die im Weidener Tierheim landeten, seien allerdings oft tragisch. "Wir hatten mal einen US-Welpen, etwa 4 bis 5 Monate alt, der hatte einen Riesenbluterguss und überhaupt keine Muskulatur in den Hinterläufen." Warum? Der Tierarzt vermutete laut Junak, der Welpe sei die ganze Zeit in eine kleine Box eingesperrt gewesen, so dass er sich kaum bewegen konnte. "Da wird man schon ziemlich wütend."

Nach den Erfahrungen von Mariele Junak und ihrer Tierheim-Mitarbeiter haben die amerikanischen Mitbürger eine Vorliebe für große Rassehunde. "Die sind in der Regel nicht erzogen, kennen keinen Grundgehorsam und machen deshalb viel Arbeit, wenn sie ins Heim kommen." Das gilt auch für den Rottweiler "Baxter", der seit einiger Zeit in der Weidener Einrichtung lebt. Er wurde im Bereich Hütten aufgefunden, weshalb Junak vermutete, er sei von Amerikanern ausgesetzt worden. Doch dem ist nicht so: Er gehörte offenbar einem Deutschen, der nach NT-Informationen aktuell in der JVA einsitzt.

Junak erinnert sich auch noch an zwei Fälle, die sich vor ein bis zwei Jahren ereigneten. Damals wurden zwei hochträchtige Hündinnen im Heim abgegeben, die von Amerikanern stammten. "In einem Fall hatte die Mutter Fieber, und die Welpen mussten per Hand aufgezogen werden. Das war sehr aufwendig." Manche Tiere würden auch von Amerikaner zu Amerikaner weitergereicht, wenn die versetzt würden. "Da hat ein neun Monate alter Welpe womöglich schon den dritten Besitzer."

"Es gibt keine Auffälligkeiten mit Hunden von Amerikanern", erklärt dagegen Hans-Jürgen Schön, Leiter der Operativen Ergänzungsdienste (OED) und damit auch der Hundeführergruppe der Weidener Polizei. Womöglich werde die Polizei aber nicht in jedem Fall eingeschaltet. Von etwa zehn Fällen pro Jahr, in denen es "wirklich um Tierschutz geht", berichtet Dr. Barbara Bäumler, die Leiterin des Weidener Veterinäramts (siehe Kasten unten).

Über Zaun ausgebüxt


Werner Stopfer, als stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Eschenbach für den Raum Grafenwöhr, Pressath, Eschenbach und Kirchenthumbach zuständig, in dem viele US-Bürger leben, erhält immer wieder mal Beschwerden über US-Hundehalter. "Zuletzt sind einem Amerikaner in Grafenwöhr mehrfach seine beiden großen Hunde ausgebüxt. Spaziergänger haben sich beschwert, auch weil kleine Kinder da erschrocken sind." Die Polizei habe die Stadt darauf hingewiesen, und der Amerikaner habe mittlerweile einen Zwinger für seine Hunde gebaut. Dass ein Vierbeiner ausgesetzt wurde, sei in seiner Inspektion aber noch nicht gemeldet worden. "Die Hunde landen vermutlich gleich im Tierheim."

Fälle aus der Praxis: Ohne Hütte im Regen, amputierte Krallen und StimmbänderEtwa zehn Fälle pro Jahr, "in denen es wirklich um Tierschutz und Amerikaner geht", registriert Dr. Barbara Bäumler, Leiterin des Veterinäramts Weiden. Aktuell gibt es da einen kleinen weißen Hund, der in einem Garten im Baugebiet Krumme Äcker angepflockt war und hier bei Regen jämmerlich fror. "Die US-Bürger haben einfach ganz andere Vorstellungen von Tierhaltung", weiß Dr. Bäumler.

Sie könne die Hundehalter jetzt nur anschreiben und ihnen die deutschen Gesetze erläutern. "Das heißt: Es ist eine Schutzhütte vorgeschrieben und nur eine lange Leine erlaubt. Wenn die Halter normal bei uns gemeldet sind, kann ich den Bescheid zustellen. Bei einem Nato-Status dagegen ist an sie nur schwer ranzukommen."

Der zweite aktuelle Fall: Ein Schäferhund, der häufig über den Zaun springt und durch seine Größe Passanten in Angst versetzt. Auch hier versucht die Expertin die Hundehalter zu entsprechenden Maßnahmen zu bewegen. "Ich appelliere an die Vernunft und fordere dazu auf, den Zaun zu erhöhen. In der Regel reagieren die Amerikaner vernünftig und machen das wie die meisten Deutschen auch."

Was erschreckend klingt: "Bei Amerikanern gibt es immer mal wieder Katzen mit amputierten Krallen und Hunde mit amputierten Stimmbändern. Das ist in Deutschland verboten." Warum das gemacht wird? Katzen könnten so die Möbel nicht verkratzen, und ein Hund, der nicht bellt, verärgert keine Nachbarn. Das seien sicher Extremfälle, räumt Bäumler ein. "Es gibt natürlich sehr viele Amerikaner, die ihre Tiere wirklich gut halten." Doch zum Teil hätten US-Bürger ein anderes Verständnis von Tierschutz als Deutsche. "Der Amerikaner lässt die Stimmbänder seines Hundes entfernen, weil ihn das Bellen selbst nervt. Der Deutsche wartet, bis er wegen dem Bellen fast aus der Wohnung fliegt. Letztlich ist beides ein Problem."

Bei Amerikanern habe sie dafür noch nie "Animal-Boarding" erlebt - also 30 Katzen, 3 Hunde und 2 Kaninchen unter einem Dach - oder das Füttern von wilden Tieren. Ihr persönlich sei bisher auch kein Fall gemeldet worden, dass US-Bürger einen Hund ausgesetzt hätten. "Dafür hatte ich heuer schon zwei Fälle von Deutschen, die ihre Tiere ausgesetzt haben." In einem Fall wurde eine Katze mit vier Jungen vor dem Tierheim abgelegt. Im anderen Fall vermutet Dr. Bäumler ganz stark, dass der Rottweiler "Baxter" von einem Deutschen freigelassen wurde, gegen den bei ihr eine Anzeige wegen Verdachts der illegalen Hundezucht eingegangen war. "Der Nachweis ist schwierig. Aber der Mann hat jetzt ohnehin keine Hunde mehr, weil er in der JVA einsitzt." (ps)

"Große Mehrheit ist sehr tierlieb"

Weiden. (ps) "Der ganz große Teil der US-Soldaten, US-Zivilangestellten und deren Familien liebt seine Haustiere, ist sehr tierfreundlich und verantwortungsvoll gegenüber den Tieren." Das betont Franz Zeilmann, Pressesprecher der US-Armee Garnison Bavaria auf NT-Nachfrage. Immerhin leben nach seinen Angaben 25 000 US-Bürger in Grafenwöhr, Vilseck und Umgebung.

Der Umgang mit Haustieren werde innerhalb des US-Standortes mit einer speziellen Verordnung für Haustierbesitzer ("Pet Ownership Responsibilities") geregelt. Auch notwendige Impfungen, der regelmäßige Auslauf sowie das Verbot, Tiere auf Balkonen oder engem Raum zu halten, seien darin festgeschrieben. In Deutschland nicht erlaubte Kampfhunde seien beim US-Militär ebenfalls verboten. Zudem gelte eine allgemeine Anleinpflicht, außer in dafür gekennzeichneten Flächen, wie zum Beispiel dem Hundepark innerhalb der Kaserne.

Bei Problemen mit Haustieren oder bei Tierschutzangelegenheiten wird laut Zeilmann die US-Militärpolizei hinzugezogen. Bei Verstößen gegen die Aufsichtspflicht mit Haustieren, könnten interne Maßnahmen eingeleitet werden, wie beispielsweise ein erster Brief mit dem Hinweis auf die unterlassene Aufsichtspflicht. Ebenso könnten bis zu 40 Stunden gemeinnützige Arbeit innerhalb der US-Militärgemeinde angeordnet werden oder sogar der Auszug aus der vom Militär gestellten Wohnung. Möglich seien ebenso rechtliche Schritte nach deutschem Recht.

Wenn im Zuständigkeitsbereich der US-Armee ein herrenloser Hund gefunden werde, werde dieser in die US-Tierklinik innerhalb des US-Standortes gebracht. Dort würden Halter und die Herkunft des Tieres ermittelt. Wenn die Hunde aus den USA stammen, seien diese mit Erkennungschips zu versehen. Haustiere müssten außerdem grundsätzlich gemeldet werden. Könne die Herkunft des Tieres trotzdem nicht ermittelt werden, werde das Tier ins nächste Tierheim gebracht. Falls ein US-Soldat sein Tier ausgesetzt habe und ihm dieses nachgewiesen werden könne, werde dies strafrechtlich verfolgt.

"Das Amputieren von Katzenkrallen oder Stimmbändern von Hunden ist in verschiedenen Ländern und auch in manchen Bundesstaaten der USA erlaubt", räumt Zeilmann ein. "Es wird aber von unseren US-Tierärzten in den Militärstandorten Grafenwöhr und Vilseck nicht angewandt."
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