Tiguan-Fahrer will 3500 Euro, aber VW bleibt hart
Weidener VW-Klage auf der Zielgeraden

Der VW-Streit vor dem Amtsgericht Weiden geht in die nächste Runde: Seit fast einem Jahr versucht ein Leasingnehmer aus dem Landkreis, für seinen "Schummel-Tiguan" einen finanziellen Ausgleich zu erstreiten. Beklagt ist ein Weidener Autohaus. Anwalt Dr. Lutz Rittmann will für seinen Mandanten 3500 Euro Minderung in Form von niedrigeren Leasingraten.

VW ruft derzeit sukzessive Fahrzeuge zurück, jeweils nach Freigabe durch das Kraftfahrtbundesamt. Die Nachbesserung der "Tiguane" steht immer noch aus. Anwalt Ulrich Schlamminger wusste nach Rücksprache mit VW, dass bei diesen Modellen ab Oktober die neue Software aufgespielt werden soll. Nur: Daran hat der Fahrer aus dem Landkreis kein Interesse mehr. Der Leasingvertrag endet nach drei Jahren im November ohnehin. Rittmann: "Was will er jetzt noch damit?"

Der "Tiguan" geht dann zu den vereinbarten Konditionen zurück an die VW Leasing GmbH. Ein Punkt, den Anwalt Schlamminger zugunsten des beklagten Autohändlers hervorhob. Der Kunde habe keinen Schaden erlitten: "Er kann das Auto ja nutzen." Darauf Rittmann: "Da möchte ich Sie sehen, wenn Sie ein blaues Auto bestellen, das dann grün ist. Und ich sage: Fährt doch!"

Der Zivilstreit zieht sich schon so lange, dass die beteiligten Juristen gewechselt haben. Richter Roland Güll hat im Zuge einer Aufgabenumverteilung Amtsrichter Josef Hartwig abgelöst. Der Fahrer wird jetzt von Kanzleichef Dr. Rittmann vertreten, weil dessen Kollege Markus Zametzer die Kanzlei verlassen hat.

Deutschlandweit fallen VW-Urteile - und jeder Anwalt hatte beim Verhandlungstermin am Montag die dabei, die für ihn vorteilhafter sind. Rittmann zitierte eine Entscheidung des Landgerichts München, wonach nach sechs Monaten die "angemessene Frist" zur Nacherfüllung verstrichen ist. Prozessgegner Schlamminger hat ein Urteil aus Celle entdeckt, in dem diese Frist großzügiger auslegt wurde, weil die Autos genutzt werden können und der Rückruf läuft.

Richter Güll bemühte sich vergeblich um eine gütliche Einigung. Diese scheiterte wohl an den Prinzipien von VW. Ein Jurist des Konzerns saß in den Zuschauerreihen und besprach sich in den Pausen mit dem örtlichen Anwalt Schlamminger. Wohin geht der Weg für Richter Güll? Der Amtsrichter sah zwar einen Sachmangel, tat sich aber schwer mit einer Schätzung des Minderungsbetrags. Es gebe keine Marktwerte. Güll kündigte seine Entscheidung für 23. September, 10 Uhr, an.
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