Tipps rund ums Thema Zecken
Gefahr lauert im Gebüsch

Das Zeckenlabor im Weidener Synlab testet die Spinnen-Tiere auf bis zu fünf Erreger, darunter Borrelien und FSME. "Wenn man Sicherheitsfanatiker ist, kann man die Zecke auch noch auf Babesien, Rickettsien und Ehrlichien testen lassen", sagt Ärztlicher Leiter Dr. Hans-Wolfgang Schultis. Bild: Götz
 
"Ist die Krankheit einmal ausgebrochen, ist sie nicht mehr behandelbar." Zitat: Dr. Angerer, Experte bei der Zecken-Telefonsprechstunde, über FSME

Das gefährlichste Tier Deutschlands ist kein wildes, schnelles, intelligentes Raubtier. Es ist die Zecke. Sie überträgt gefährliche Krankheiten, vor allem FSME und Borreliose. Unsere Zeitung bietet eine Telefon-Sprechstunde von Experten aus der Region an.

Endlich wieder wärmer. Endlich wieder Weiher, Wald und Wiesen. Die frühlingshafte Natur der Oberpfalz ist jedoch Brutstätte für Zecken. Die kleinen Spinnentiere brauchen Blut, um zu überleben. Auf der Suche nach ihren Wirten lauern sie im Gebüsch, um sich an vorbei streifenden Lebewesen festzuhalten. Bei einem Zeckenstich können sich Krankheitserreger übertragen, allen voran Borreliose und FSME. Die Krankheiten sind schwer zu diagnostizieren, aufwendig zu therapieren, die Folgen können grausam sein. In einer Telefon-Sprechstunde beantworten Fachleute die Fragen unserer Leser rund um das Thema Zecken.

Bluttests sind unzureichend


Borreliose ist eine Infektionskrankheit, hervorgerufen durch spiralförmige Bakterien, die Borrelien. Einige Tage bis Wochen nach dem Zeckenstich tritt oft - aber nicht immer - eine Wanderröte auf. Es ist der charakteristische rote Fleck, der sich um die Einstichstelle ausbreitet. "Das ist die Krux an der Krankheit, dass die Symptome sehr vielgestaltig und unspezifisch sein können, und deshalb die Diagnose schwierig ist, wenn keine Wanderröte vorliegt", sagt der Leiter des Gesundheitsamtes Amberg-Sulzbach, Dr. Roland Brey.

Auch die Ergebnisse von Bluttests sind wenig aussagekräftig. Ute Fischer von der Patientenorganisation "Borreliose- und FSME-Bund Deutschland" geht noch weiter: "Die Tests sind vollkommen unzuverlässig." Diese Einschätzung bestätigt auch Dr. Michael Angerer, Chefarzt der Neurologischen Klinik in Weiden, einer unserer Experten bei der Telefon-Sprechstunde: "Das kann ich voll unterstreichen." Auch ein positiver Bluttest weise nicht nach, ob die Borrelien im Körper wirklich aktiv sind. Von Nachtschweiß, schmerzhaften Schwellungen der Gelenke, Kopfschmerzen berichten Betroffene. Durch die schwere Diagnostik brauchen sie Monate bis Jahre, bis sie die richtige Behandlung bekommen, erklärt Fischer.

Einen etwas kostspieligeren Anhaltspunkt zur Diagnose bietet der Laborverbund Synlab an. Der Standort in Weiden beherbergt als einziges der 120 Labore der Unternehmensgruppe ein Zeckenlabor. Dort kann jeder Zecken einsenden, die dann in wenigen Stunden auf bis zu fünf Erreger geprüft werden. Bis aus Flensburg werden die Spinnentiere in die Oberpfalz geschickt - bis zu 100 am Tag. Dr. Kurt Beyser vom Zeckenlabor schätzt, dass etwa 25 Prozent der getesteten Tiere Borreliose-Erreger in sich tragen. Das Testverfahren ist aufwendig und nicht ganz billig: Tests auf Borrelien kosten 29,90 Euro pro Zecke, auf FSME 45 Euro. Die Krankenkasse übernimmt keine Kosten. Dass der Mensch beim Stich einer positiv getesteten Zecke wirklich an Borreliose erkrankt ist, ist ebenfalls nicht sicher.

Während bei einer Borreliose-Erkrankung die Diagnose schwierig ist, ist die FSME -Erkrankung äußerst schwer zu behandeln. "Ist die Krankheit einmal ausgebrochen, ist sie nicht mehr behandelbar", erklärt Dr. Angerer. Danach könnte man nur noch die Symptome bekämpfen. Oftmals hat der Patient jedoch Glück und die FSME-Erkrankung heilt folgenlos aus.

Oberpfalz ist Risikogebiet


Die Oberpfalz und weite Teile Süddeutschlands sind nach Angaben des Robert-Koch-Instituts definierte FSME-Risikogebiete. Obwohl FSME die Abkürzung für Frühsommer-Meningoenzephalitis ist, tritt sie nicht nur im Frühjahr auf, sondern solange Zecken unterwegs sind. Nach einer Infektion kann es zu Hirnhaut-, Gehirn- oder auch Rückenmarksentzündungen kommen. Bei ein bis zwei Prozent der Erkrankten kommt es laut Statistik zum Tod. "Wir haben viele Fälle in der Region, die sehr schwer verlaufen sind, bis hin zu Todesfällen", bestätigt Dr. Brey. Das Gesundheitsamt Amberg-Sulzbach registriert seit 2001 vier Todesfälle aufgrund von FSME im Einzugsbereich.

"Je jünger die Patienten sind, desto gutmütiger verläuft die Krankheit", erklärt Dr. Angerer. Männer ab 50 Jahren erkranken häufiger und schwerer an FSME-Erkrankungen. Dabei kann im Gegensatz zur Borreliose diese Virenkrankheit durch eine Impfung häufig verhindert werden.

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Weitere Informationen im Internet:

www.onetz.de/themen/zecken

VorsorgeAbsuchen: Das Absuchen nach dem Aufenthalt in der Natur ist nach Meinung Dr. Angerers das Wichtigste. Einmal Körperkontakt aufgenommen, bevorzugt die Zecke feuchtwarme Gegenden wie Kniekehlen oder der Lenden- und Achselbereich.

Zecke entfernen: Je länger die Zecke im Körper verbleibt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung. "Wird die Zecke nach ein paar Minuten entfernt, ist die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung gering", informiert der Arzt.

Impfung gegen FSME: Für einen ausreichenden Schutz für die aktuelle Saison sind je nach Impfstoff zwei bis drei Impfungen innerhalb weniger Wochen erforderlich. Auch eine Auffrischung ist alle drei bis fünf Jahre wichtig.

Repellents: Auf dem Markt existieren Abwehrmittel, so genannte Repellents, die einen für Zecken abstoßenden Geruch ausstoßen. "Das kann nicht schaden, ist aber auch kein sicheres Mittel", urteilt Angerer darüber. (blu)


Ist die Krankheit einmal ausgebrochen, ist sie nicht mehr behandelbar.Dr. Angerer, Experte bei der Zecken-Telefonsprechstunde, über FSME


TelefonaktionIn einer Telefonaktion am Mittwoch, 8. Juni (17 - 19 Uhr) , beantworten drei Fachärzte aus Amberg und Weiden alle Fragen rund um das Thema Zecken: Dr. Michael Angerer , Chefarzt der Neurologischen Klinik in Weiden; Dr. Frank Huber , Chefarzt der Klinik für Neurologie und der Stroke Unit am Klinikum St. Marien in Amberg und Dr. Thorsten Heider , Oberarzt in der Klinik für Neurologie im St. Marien. Die Rufnummern werden rechtzeitig veröffentlicht. (blu)
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