Tod eines Neunjährigen in Vohenstrauß - Prozessbeginn im Oktober
Gericht zieht Mord in Betracht

(Foto: dpa)

Etwa 50 Zeugen, 9 Verhandlungstage: Am 11. Oktober beginnt der Prozess gegen den 34-jährigen Oliver H. Ihm wird vorgeworfen, im August 2014 in Vohenstrauß seinen damals neunjährigen Nachbarsjungen Maximilian umgebracht zu haben.

Vohenstrauß/Weiden. Die Anklage lautet auf Misshandlung von Schutzbefohlenen, gefährliche Körperverletzung und Totschlag. Das Landgericht hat aber einen Hinweis erteilt, dass aus seiner Sicht auch eine Verurteilung wegen Mordes in Betracht kommt.

Der Bub wohnte mit seiner Mutter neben dem Angeklagten und dessen Sohn (damals 7) in einem Mehrfamilienhaus in Vohenstrauß. Beide waren alleinerziehend und befreundet. Während einer zweimonatigen Kur im Juni und Juli 2014 betreute der Angeklagte das Nachbarskind. Schon in dieser Zeit soll der Neunjährige unter den laut Anklage rigorosen und unbarmherzigen Erziehungsmethoden des Angeklagten gelitten haben.

Die Tat ereignete sich nach Rückkehr der Mutter am Abend des 4. August 2014. Der Neunjährige war zur Strafe im Bad des Angeklagten eingesperrt. Zur Kontrolle soll ein Glas auf die Klinke gestellt worden sein. Als das Kind das Badezimmer verlassen wollte, soll der 34-Jährige aus Wut heftig auf den Buben eingeschlagen haben, auch gegen den Kopf. In Folge dieser Schläge kam es nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft zu Einblutungen am Hinterkopf, der linken Schläfe und des Mundbodens. Maximilian starb in der Nacht an den Folgen einer Hirnblutung.

Kurz zuvor eingezogen


Das Gericht hat neun Verhandlungstage bis 28. Oktober terminiert. Als Pflichtverteidiger ist der Weidener Anwalt Tobias Konze bestellt worden, allerdings bemüht sich der Angeklagte wohl um einen anderen Wahlverteidiger. Gleich am zweiten Verhandlungstag, 12. Oktober, wird die Mutter des toten Buben als Zeugin gehört. Die Oberbayerin (36) tritt auch als Nebenklägerin auf, vertreten durch Anwalt Werner Buckenleib. Sie lebte zum Tatzeitpunkt erst drei Monate in Vohenstrauß, den Angeklagten kannte sie schon länger. Beide waren in zwei der sechs neu geschaffene Appartements für Alleinerziehende der Evangelischen Kirche eingezogen.

Insgesamt sind rund 50 Zeugen geladen: Verwandte, Freunde, Erzieher, Lehrer, Psychiater, Rechtsmediziner, Ärzte, Polizisten und Kriminalbeamte. Die Weidener Kripo hatte den Fall erst ins Rollen gebracht. Zunächst war von einer natürlichen Todesursache die Rede. Die Verletzungen des Jungen waren mit "autoaggressivem Verhalten" erklärt worden. Die Beamten blieben misstrauisch.

Weitere Mordanklage


Die Staatsanwaltschaft Weiden hat außerdem Anklage gegen den 35-jährigen Kenan D. aus Pressath erhoben. Die Anklage lautet auf versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung und Sachbeschädigung. Mordmerkmal sind niedrige Beweggründe. Dem Türken wird vorgeworfen, seine Frau, von der er getrennt lebte, mit einer Axt angegriffen zu haben. Die 32-Jährige und ihr neuer Freund saßen dabei zunächst in einem BMW. Als eine Scheibe zu Bruch ging, lief die Frau weg. Der Angeschuldigte setzte ihr nach und hieb ihr mit der Axt in den Oberschenkel. Die Tat ereignete sich am Ostermontag, 28. März 2016. Verteidiger sind Rouven Colbatz (Weiden) und Helmut von Kietzell (Regensburg). Das Opfer ist Nebenklägerin, vertreten von Dr. Lutz Rittmann. Das Landgericht prüft derzeit die Eröffnung des Hauptverfahrens.

Schwester aufgelauert


In zwei weiteren Fällen ist demnächst mit der Anklage zu rechnen: Ein 31-jähriger Neustädter hatte im April seinen Vater mit einem Axtstiel attackiert. Gravierend war zudem der Angriff eines 46-Jährigen auf seine Schwester im Klinikum Weiden. Der Mann hatte der Krankenschwester (49) an einem Abend im April aufgelauert und sie gewürgt, bis Kollegen dazwischen gingen.
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