Tödlicher Unfall wegen SMS
Urteil in Weiden: Bewährung und Fahrverbot für 23-Jährigen

Symbolbild: dpa

Für den Richter steht fest: Ein 23-Jähriger hat gerade eine SMS geschrieben, als er mit seinem Wagen auf einen Traktor prallte. Dessen Fahrer starb. Dennoch muss der junge Weidener nicht ins Gefängnis.

Elf Sekunden Unaufmerksamkeit führten zum Tod eines Menschen: Mit 21 Monaten auf Bewährung, drei Monaten Fahrverbot und 2000 Euro büßt der 23-jährige Weidener dafür, dass wegen seiner massiven Fahrlässigkeit ein 47-Jähriger aus Rückersrieth (Gemeinde Moosbach) sterben musste.

Der Landwirt war am 10. Oktober 2015 mit seinem Traktor auf der Staatsstraße 2166 von Vohenstrauß in Richtung Weiden gefahren. Das Fahrzeug war gut beleuchtet, die Straße "extrem übersichtlich", berichtete am Freitag der sachbearbeitende Polizist aus Vohenstrauß dem Schöffengericht. Man hätte das Gefährt "700 bis 800 Meter" vorher sehen müssen. Aber der junge Mann prallte mit seinem Mercedes- SUV fast ungebremst auf die großen Hinterreifen des Bulldogs. Dessen Fahrer wurde durch den Aufprall aus dem Sitz geschleudert und blieb schwer verletzt auf der Straße liegen. Tags darauf verstarb er an seinen Thorax- und Schädel-Hirn-Verletzungen im Klinikum Regensburg.

Nachrichten im Minutentakt


Ein Weidener Kriminalhauptkommissar, der das Smartphone des 23-Jährigen ausgewertet hatte, sagte am Freitag zum zweiten Mal aus. Der Beamte hat nach der ersten Verhandlung nochmals nachgeforscht und berichtete nun, dass der Handyhersteller eine Datei mit Daten von Aktivitäten führe. Diese habe aufgezeigt, dass zum Zeitpunkt des Unfalls und vorher beinahe im Minutentakt damit Nachrichten in verschiedene soziale Medien gepostet - Whatsapp, Spotify, Facebook - und SMS geschrieben worden seien. Just zum Unfallzeitpunkt sei eine SMS an eine Mitarbeiterin im Café des Angeklagten gegangen. Staatsanwältin Franziska Paintner kreidete dem Angeklagten besonders seine Verschleierungsversuche und das "Nachtat-Verhalten" an. Er hatte behauptet, das Smartphone sei damals bei seinem Bruder gewesen. "Aber wer sollte denn auf dem Handy den ganzen Tag Nachrichten schreiben und dann genau ab dem Unfallzeitpunkt eine Stunde Pause machen?", fragte Franziska Paintner.

Drei Tage später, als das Handy von der Polizei sicher gestellt war, hatte der Besitzer behauptet, die SIM-Karte verloren zu haben, und versucht, das Handy sperren lassen. Die Staatsanwältin erkannte darin die Absicht, die Auswertung zu verhindern. Auch seine Behauptung, kurz eingeschlafen zu sein, wertete die Anklagevertreterin als "reine Schutzbehauptung". Sie plädierte auf zwei Jahre und zehn Monate Freiheitsstrafe.

Rechtsanwalt Werner Buckenleib forderte Freispruch, da seinem Mandanten der Vorwurf der Außerachtlassung seiner Sorgfaltspflicht nicht nachgewiesen sei. In dem Schockzustand, in dem er sich damals befunden habe, sei der Angeklagte gar nicht in der Lage gewesen, eine Schutzbehauptung aufzustellen. Der 23-Jährige kämpfe noch immer mit den Folgen der Tat, bedürfe psychologischer Unterstützung und werde täglich bei der Fahrt zu seiner Arbeit an den Unfall erinnert.

"Das war kein Einschlafen"


"Sie wissen es selbst am besten: Es war kein Einschlafen, sondern Sie bedienten das Handy", stellte Amtsgerichtsdirektor Gerhard Heindl in seiner Urteilsbegründung fest. Er kreidete dem jungen Mann seine Verdunklungshandlungen an und dass er schon drei Mal im Verkehr aufgefallen ist - einmal davon wegen Handybenutzung beim Fahren. Auch zeige der Verurteilte "null Einsicht" für sein massives Verschulden.

Trotzdem müsse man Bewährung geben, da es "immer noch um Fahrlässigkeit" gehe, so Heindl. Der junge Mann lebe sozial und beruflich eingeordnet. Die 2000 Euro Bewährungsauflage muss er in 200-Euro-Raten an die Weidener Tafel zahlen.
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Leser Onetz aus Weiden in der Oberpfalz | 03.12.2016 | 17:37  
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