Übergewicht steht im Fokus bei der 8. Gesundheitsveranstaltung des Fördervereins für ...
Schwer beschäftigt mit Übergewicht

Sie traten bei der 8. Gesundheitsveranstaltung des Fördervereins für Schwerkranke im Kampf gegen zu viel Pfunde an: (von links) die Moderatoren Dr. Nikolaus Globisch und Dr. med. Susanne Kreutzer, OB Kurt Seggewiß, Dr. Thomas H. Egginger, Fördervereinsvorsitzende Waltraud Koller-Girke, Diplom-Ökotrophologin Angelika Meindl und Chefarzt Professor Dr. Karl-Heinz Dietl. Bild: Bühner

Wenn Menschen über eine Sache gut informiert sind, kann man normalerweise davon ausgehen, dass sich die meisten auch richtig verhalten. Für die Ernährung gilt dies offensichtlich nicht, wie die Vorträge beim Förderverein für Schwerkranke verdeutlichten.

"Die Lebenserwartung von stark Übergewichtigen ist geringer als die vieler Krebspatienten", stellte Chefarzt Professor Dr. Karl-Heinz Dietl bei der 8. Gesundheitsveranstaltung des Fördervereins für Schwerkranke der Kliniken Nordoberpfalz AG fest. Doch im Gegensatz zu Krebspatienten hätten Dicke keine Angst vor dem Sterben. Warum das so ist, wie das Ernährungsverhalten umgestellt werden kann und welche Behandlungsmöglichkeiten es bei starkem Übergewicht gibt, erfuhren die Zuhörer bei drei Vorträgen.

Als Ernährungsmediziner stellte Ärztlicher Direktor Dr. Thomas H. Egginger zunächst eine Statistik vor, nach der Deutschland unter allen europäischen Ländern die dickste Bevölkerung hat. Über 80 Prozent der Männer über 60 und der Frauen über 70 seien hier übergewichtig. Übergewicht beginne ab einem Body-Maß-Index von mehr als 25 Punkten.

Mit Übergewicht seien genau die Erkrankungen verbunden, die zu den häufigsten in der Gesellschaft zählten, führte Dr. Egginger aus. Lebensbedrohlich kann das "metabolischen Syndrom" sein, wenn gleichzeitig hohes Übergewicht, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes mellitus zusammenkommen. Doch "unser Wissen steht in keinem Zusammenhang mit dem Verhalten", bemerkte Dr. Egginger fast resignierend. Dieses Verhalten erkläre sich durch Außensteuerung, wie kulturelle Esstraditionen, Innensteuerung wie Körpergefühle und Hunger - auch genetische Veranlagung - und durch fehlende kognitive Kontrolle. Zahlreiche Empfehlungen hatte der Mediziner für die Zuhörer: Ernährungswissen erweitern, kontrolliertes Essverhalten mit Esstagebuch, Sport sowie Verstärkertechniken mit gesetzten Zwischenzielen. Allerdings sollte die Ernährungsumstellung langsam erfolgen, um nachhaltig zu wirken.

Krankenkassen zahlen


Ähnliche Empfehlungen formulierte auch Diplom-Ökotrophologin Angelika Meindl. Sie stellte Gruppen- und Einzelprogramme vor. Zertifizierte Gruppenprogramme enthielten kompetente Betreuung, Bewegungssteigerung führe zu Ernährungs- und Lebensstiländerung ("eine Tüte Haribo entspricht 78 Stück Würfelzucker") wirke nachhaltig. Zum individuellen Weg zählten Ernährungsberatung und -therapie durch eine zertifizierte Fachkraft sowie die Entwicklung von Ernährungsstrategien. Der Jo-Jo-Effekt müsse verhindert werden. Krankenkassen könnten Ernährungstherapien für ein Jahr finanzieren, Betriebe diese im Rahmen eines betrieblichen Gesundheitsmanagements fortführen.

Professor Dietl nannte in seinem Vortag zunächst für das Jahr 2020 die Summe von 22 Milliarden Euro. So hoch seien die Kosten zur Behandlung von Übergewicht im Gesundheitssystem. Was eine "Adipositastherapie und -chirurgie" leisten kann, erläuterte er auch. Wünschenswert könnten operative Eingriffe bereits ab einem BMI von 35 sein. "Ein Sumo-Ringer wird nicht älter als 35 Jahre", stellte er fest. Nicht so einfach sei zu fordern: "Dicke müssen weniger essen." Denn manches Essverhalten sei genetisch bedingt. Moderne chirurgische Methoden seien der "Sleeve ("aus dem Magen wird ein Schlauch gemacht") oder der "Magenbypass" ("Kleiner Vor-Magen wird vom Magen getrennt"). Dabei könne auch eine direkte Verbindung zum Darm eingerichtet werden.

Spazieren ist kein Sport


Untersuchungen würden zeigen, "die Überlebensrate von operierten Adipösen verdoppelt sich gegenüber den Nicht-Operierten". Viele Hürden wie erfolglose Diätversuche, Ausschluss konservativer Therapie, sechsmonatige Ernährungsprotokolle, Begleitung durch Ernährungstherapeut und anderes stünden jedoch vor einer solchen Operation. Auch Bewegungstherapie ("Spazierengehen ist kein Sport") zähle dazu. Nach der Operation folgten zwingende Verhaltensveränderungen zur Vermeidung des Jo-Jo-Effekts, Dokumentationsauflagen, Selbsthilfegruppen und viel Sport. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen sei in der Oberpfalz "zurückhaltend" mit der Zustimmung zu diesen Eingriffen.
Die Überlebensrate von operierten Adipösen verdoppelt sich gegenüber den Nicht-Operierten.Professor Dr. Karl-Heinz Dietl über die Ergebnisse von Untersuchungen
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