Überraschende Kampfabstimmung - Gebhardt verliert, bleibt aber vorerst trotzdem Chef
Aufstand bei der Tafel

Josef Gebhardt verteidigte seine Personalführung. "Es ist die Aufgabe des Vorsitzenden, die Lebensmittel gerecht zu verteilen. Ich stehe für Geradlinigkeit." Rechts Gegenkandidatin Waltraud Ebneth. Bilder: rdo (2)

In der Jahreshauptversammlung der Tafel gab es am Freitag überraschend eine Gegenkandidatin für Vorsitzenden Josef Gebhardt. Waldtraud Ebneth erhielt die Mehrheit der Stimmen, trat aber nach fünf Minuten Amtszeit zurück.

Ebneth, Angestellte im Einzelhandel, hatte sich im Café Mitte spontan zur Wahl gestellt. Von den 46 Stimmberechtigten hatten viele erst kurz vor der Jahreshauptversammlung ihre Mitgliedschaft erklärt. Am Ende gingen 26 Stimmen an Ebneth, 19 an Gebhardt - bei einer Enthaltung. Freudestrahlend nahm Ebneth unter dem Beifall ihrer Wähler die Wahl an. Allerdings zogen daraufhin alle Kandidaten für die restliche Vorstandschaft ihre Kandidatur zurück. Und andere fanden sich nicht.

Wahlleiter Bernhard Saurenbach, Vorsitzender der nordbayerischen Tafeln, stellte fest, dass der Verein so nicht geführt werden könne. Nach fünf Minuten Amtszeit trat Ebneth zurück. Saurenbach setzte die alte Vorstandschaft bis zu einer neuen, zeitnahen Wahl kommissarisch ein.

Stadtrat Gerhard Bolleininger betonte, dass der Vorsitz große Verantwortung mit sich bringe. Das sei kein Job nach Feierabend. Der Vorsitzende ist auch Geschäftsführer, der mit seinem Vermögen haftet - bei einem Jahresergebnis von einer Viertelmillion Euro keine leichte Sache. Dazu sei es auch nötig, unangenehme Entscheidungen zu treffen. Auf seine "konsequente Vereinsführung" führt Gebhardt die Wahlniederlage zurück. Die Steigerung der Abholeranzahl habe erhebliche Belastungen für alle mit sich gebracht. Dazu kam, dass sich der Verein von etwa zehn Personen wegen nicht erlaubter Lebensmittelmitnahme getrennt habe.

Bezugsberechtigte Mitarbeiter hatten früher das Recht, drei Mal die Woche Lebensmittelkörbe mitzunehmen. Das sei auf zwei Mal beschränkt worden, was einige Betroffene als ungerecht ansahen. Auf ihre Veranlassung ging die außenstehende Waltraud Ebneth ins Rennen. Laut Saurenbach darf bei der Amberger Tafel überhaupt kein Helfer etwas mitnehmen. Lebensmittel seien für Bedürftige. Daher gebe es auch keinen solchen "Aufstand".

Der Verein zählt 186 Mitglieder. Schatzmeister Gerhard Landgraf freute sich, dass trotz der Anschaffung eines zweiten Fahrzeuges nur eine geringfügige Unterdeckung bestehe. Das Ergebnis sollte ein Ansporn sein, 2016 ebenfalls so gut zu wirtschaften. Derweil wächst die Zahl der Abholberechtigten. Laut Gebhardt standen 2015 1525 Erwachsene und 825 Kinder in der Kartei. Das entspricht 34 378 Körben. Zu Einwohnern mit geringem Lohn und Niedrigrenten kommen zunehmend Asylsuchende. Die Lebensmittel werden knapp. "Unsere Lebensmittel, besonders Obst und Gemüse, aber auch Brot, sind manchmal schon 45 Minuten vor Ausgabeende weg." Der Unkostenbeitrag wurde gestaffelt: Jetzt kostet ein Korb für 1 bis 2 Personen 2 Euro, für 3 bis 4 Personen 2,50 und ab 5 Personen 3 Euro.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.