Unerhörte Checkliste
Milchbauern sauer auf Lidl

Mit ihren kritischen Fragebögen standen die Vertreter der Bauern bei Lidl vor der Tür. Von rechts: Bauernverband-Kreisobmann Josef Fütterer, Manfred Venzl, Chef der Milcherzeugergemeinschaft, und BBV-Geschäftsführer Hans Winter. Bild: Kunz

Der Weg zu Lidl lohnt sich nicht immer. Bauern wollen der Filialleiterin einen Fragebogen überreichen. Doch sie blitzen ab.

Der Discounter hatte die Milchbauern seinerseits über die Molkereien mit einem Fragenkatalog zur Nachhaltigkeit konfrontiert. Kreisobmann Josef Fütterer, Manfred Venzl, der Chef der Milcherzeugergemeinschaft, und Bauernverband-Geschäftsführer Hans Winter drehten den Spieß jetzt um.

Sie finden es unerhört, was Lidl wissen will. Im Kühlregal koste der Liter Milch im Moment gerade einmal 46 Cent. Gleichzeitig habe die Discounter-Kette Molkereien darüber informiert, dass Milchbauern künftig eine Vielzahl zusätzlicher Anforderungen erfüllen müssten. Der Fragebogen geht den Bauern entschieden zu weit. Darin würden viele Details abgefragt. Zum Beispiel, ob sich der Milchviehhalter mit der Fütterung von Kühen auskenne, ob er nach den gesetzlichen Standards wirtschafte oder ob er seinen Kühen verschimmeltes Futter zum Fressen vorwerfe. Über die Klauenpflege der Kühe müsse der Bauer Nachweise führen. Die Berufsvertreter sprachen von einer Zumutung. Da würden Dinge abgefragt, die schon immer Usus seien in der Landwirtschaft. Natürlich wirtschafte jeder Milchbauern nach gesetzlichen Standards. Anders würde die Landwirtschaft gar nicht funktionieren. "Bei dieser Checkliste frage ich mich, welches Bild Lidl eigentlich von den Milchbauern hat. Der Discounter sollte angemessene Preise für Milch von bayerischen Kühen zahlen", schimpfte Fütterer vor dem Lidl-Markt in der Leimbergerstraße. "Ohne Nachhaltigkeit definieren zu können, werden unseren Milcherzeugern zusätzliche Anforderungen, Dokumentationen und Kontrollen abverlangt." Dies, ohne auch nur einen Cent mehr Geld zu bekommen.

"Welche Reinigungsmittel?"


Nun wollten Fütterer und seine Berufskollegen Lidl einen ähnlichen Fragebogen präsentieren. Mit Fragen wie: "Haben Ihre Mitarbeiter während der Arbeitszeit freien Zugang zu Tageslicht?", "Achtet Ihr Unternehmen darauf, dass der Erzeuger auch in Tiefpreisphasen mindestens einen kostendeckenden Preis erzielen kann?" oder "Welche Reinigungsmittel werden wie häufig im Einkaufsmarkt verwendet?"

Die drei Fragesteller mussten jedoch unverrichteter Dinge abziehen. Vielleicht ergibt sich später ein Gespräch. Immerhin ist die Geschäftsstelle des Bauernverbandes nur 100 Meter Luftlinie von Lidl entfernt.
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