Ungewöhnlicher Prozess am Landgericht Weiden
Fünfeinhalb Jahre für Sex mit Schlafender

Symbolbild (Foto: dpa)

Ein ungewöhnlicher Fall: Eine Frau hat einen derart festen Schlaf, dass sie nicht mitbekam, wie ihr Freund mit ihr schlief. Die 1. Strafkammer des Landgerichts ahndete dies am Montag als schweren sexuellen Missbrauch widerstandsunfähiger Personen mit fünfeinhalb Jahren Haft. Es standen sogar sechs Jahre im Raum, wie von Staatsanwalt Hans-Jürgen Schnappauf gefordert.

Damit hätte der 28-jährige Angeklagte genau dasselbe Strafmaß eingefangen wie vor exakt einer Woche seine frühere Freundin Steffi D. Er ist der Vater der ersten beiden Kinder der 21-jährigen Verkäuferin, die wegen Totschlags an ihrem dritten Babys (von einem anderen Vater) verurteilt wurde. Das Gericht gab nur deshalb einen "Rabatt" auf fünfeinhalb Jahre, weil dem 28-Jährigen in der Untersuchungshaft übel mitgespielt wurde. Mitgefangene verbrühten dem Weidener im Oktober das Gesicht mit kochendem Wasser.

Vor einer Woche stand Steffi D. vor Gericht, eine tragische Figur. Das männliche Spiegelbild war am Montag der 28-Jährige. Eine Kindheit wie im schlechten Film, zwischen Kinderheim und Zeugen-Jehovas-Elternhaus, in dem der Stiefvater die Geschwister mit Stöcken schlug, bis das Jugendamt einschritt.

Ein Liebespaar in Haft


Mit Steffi D., damals 16, gründete er seine eigene Kleinfamilie, bis auch hier nach Hinweisen auf Vernachlässigung das Jugendamt einschritt. Für den Weidener folgte eine kurze Haft wegen EC-Kartenbetrugs, Steffi D. bekam währenddessen das zweite Kind von ihm, machte aber kurz vor seiner Entlassung Schluss. Inzwischen sei man wieder verliebt, verriet der Angeklagte dem psychiatrischen Gutachter: Eine postalische "Fernbeziehung" über zwei JVAs hinweg.

Das alles kann und soll keine Entschuldigung sein für das, was in der Nacht zum 6. Dezember 2014 passiert ist. Der 28-Jährige hatte eine neue Freundin, die am Abend zu Besuch kam, man saß auf dem Bett, sie hatte keine Lust auf Intimes. Soweit unstreitig. Dann unterscheiden sich die Versionen: Sie sagt, sie sei eingeschlafen. Als sie um Mitternacht aufwachte, war sie "untenrum" nackt und bemerkte Ausfluss. Er sagt, man habe einvernehmlich Sex gehabt.

Dagegen spricht der Whatsapp-Verkehr, in dem sie nach der Tat sinngemäß fragte: Hast du im Schlaf mit mir geschlafen? Und er antwortet. "Ja. Sorry, sorry, sorry." Dass diese Textnachrichten nur zum Spaß und aus "verquerer Denkweise" (so Verteidiger Rouven Colbatz) getippt wurden, glaubte das Gericht nicht. "Er hätte doch vielmehr fragen müssen: Wie kommst du auf sowas?", sagte Vorsitzender Walter Leupold.

Für den Landgerichtspräsidenten war vollkommen klar, "wer hier lügt". Das Opfer jedenfalls nicht. Die junge Frau verließ damals nach kurzer Diskussion das Haus und rief Schwester und Freundin zu Hilfe, die sie zur Polizei schleiften. Trotz Protests: "Das glaubt mir doch keiner." Für die Geschädigte sprach auch, dass ihr Elefantenschlaf legendär ist. Man habe sie schon mit dem Wassereimer wecken müssen, sagte die Schwester.

Den Antrag des Verteidigers, die Geschädigte auf "Sexomnia" zu untersuchen, lehnte das Gericht ab. Bei dieser Form des Schlafwandels nimmt der Patient mit offenen Augen sexuelle Handlungen vor und kann sich dann nicht erinnern.

Colbatz plädierte auf Freispruch. Das "komische Bauchgefühl" der Geschädigten und Whatsapp-Nachrichten waren ihm zu dünn. Die Klinikärztin hatte in der Tatnacht nichts gefunden: keine Verletzungen, keine Blutungen, kein Sperma. Colbatz konnte sich "beim besten Willen nicht vorstellen", dass jemand nüchtern im Tiefschlaf den Beischlaf verschläft, der ja auch gewisse Zeit dauere. Wenn es zu einer Verurteilung käme, "falle ich vom Glauben ab, dann kann ich meinen Laden zusperren". Das Gericht tat's, wenn auch in der Hoffnung, Colbatz "das noch ausreden zu können". Das Urteil fiel so hoch aus, weil der Angeklagte einschlägig vorbestraft ist. Er hatte als 20-Jähriger mit einer 13-jährigen Sex.
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