Unterwegs mit dem Naturschutzwächter bei Amberg
Auch die Natur hat Rushhour

Werner Scharf (links) und Andreas Werthner sind gerne im Naturschutzgebiet Ammerbachtal unterwegs, um dort nach dem Rechten zu sehen. Bild: Hartl
 
Absolut vorbildlich verhält sich diese Familie, obwohl ihre Vierbeiner in diesem Bereich des Naherholungsgebietes sogar frei laufen dürften.
 
Nicht korrekt verhält sich die Frau rechts im Bild, die mit ihrem Hund zum Felsen geht. Sie durchquert die Wiese, was bis 30. September verboten ist, außerdem darf ihr Vierbeiner in diesem Bereich nicht frei laufen.
 
Idylle pur, aber auch Interessenskonflikte: Das Naturschutzgebiet Ammerbachtal nutzen Spaziergänger und Jogger genauso wie Hundehalter und Naturschützer. Bilder: Petra Hartl (9)
 
Die zwei Seiten von Fuchsstein: seltene Pflanzen und der Müll einer Wohlstandsgesellschaft.

Der kleine Junge radelt voraus, die Eltern schieben den Kinderwagen hinterher. Vier Hunde hat die Familie dabei. Als einer sein Geschäft verrichtet, verstaut dessen Frauchen die Hinterlassenschaften in einem mitgebrachten Beutel. "Vorbildlich, absolut vorbildlich", lobt Werner Scharf. Er kennt es aber auch anders.

Werner Scharf ist oft unterwegs in Fuchsstein. Er und sein Kollege Andreas Werthner erfüllen dort einen Auftrag: Sie sind Naturschutzwächter. Und für die gibt es jede Menge zu tun. In diesem stadtnahen Naherholungsgebiet müssen viele Interessen unter einen Hut gebracht werden: die von Spaziergängern und Joggern, Nordic Walkern und Radfahrern, Hundebesitzern und Naturschützern und die der Luftsportgruppe mit ihrem Areal in Erbpacht.

Freude überwiegt


"Es macht Spaß", sagt Werner Scharf. Andreas Werthner nickt. Er verrichtet den Dienst da draußen erst seit April. "Auch wenn es manchmal Ärger gibt, die Freude überwiegt doch", erklärt Scharf, während er mit seinem Kollegen sowie Florian Haas von der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Amberg und Bernhard Frank vom Team Grün des Baureferats gemütlich auf den Schotterwegen im ehemaligen Standortübungsplatz der Bundeswehr marschiert. Meistens gehen Scharf und Werthner im Wechsel, die Absprache ist unkompliziert. Manchmal sind sie aber auch zu zweit unterwegs. Vor allem dann, wenn viel los ist, also viele Leute draußen im Naherholungsgebiet sind. "Das ist natürlich sehr wetterabhängig", erklärt Scharf.

"Die Leute gehen ins Landschaftsschutzgebiet, um sich zu erholen", erklärt Bernhard Frank. Doch nicht alle verhalten sich korrekt. Das größte Ärgernis: Feuer schüren, Grillen und Zelten. All das ist verboten, doch nicht jeder hält sich dran. "Es sind einige wenige, die ein Feuer schüren", weiß Scharf. Wie brandgefährlich dies sein kann, schildert Haas: "Da ist das Feuer einen halben Meter hoch, der Wald ist gerade mal 50 Meter weg." Ein Pärchen mit zwei Hunden überholt die kleine Gruppe. Die Frau hat einen Hund an der Leine, der andere läuft frei. Er darf das, schließlich schnüffelt er nur im Gras unmittelbar neben dem geschotterten Weg. "Alles korrekt", urteilt der Naturschutzwächter. Zudem habe das Paar seine Hunde gut im Griff. Als der frei laufende Vierbeiner ein bisschen bei den Menschen schnüffeln will, genügt ein leiser Pfiff seines Herrchens, um ihn davon abzuhalten.

"Sehr gut erzogen", lobt Scharf und erzählt eine Geschichte, die er vergangenes Jahr draußen erlebt hat. Während seiner Tour sah er mehrere Rehe, wenige Meter weiter einen das Wild jagenden Hund und dessen Besitzer, der mit hochrotem Kopf seinem Vierbeiner hinterher joggte. "Platz", schrie Scharf aus Leibeskräften. Der verdutzte Vierbeiner setzte sich sofort, sein zerknirschtes Herrchen versprach, dass das nicht mehr vorkomme. "Viele sind einsichtig, wenn wir ihnen das sagen, aber manche stellen sich quer", sagt Werthner. Die Frage, wo das stehe, höre er oft.

Momentan steht es noch nirgends, außer auf den Flyern, die die beiden Männer dabei haben und den Erholungssuchenden aushändigen. Doch das soll sich bald ändern. Laut Haas werden Schilder mit den Naturpark- und Landschaftspflege-Richtlinien aufgestellt. Im Zuge dieser Maßnahme werden auch Dog-Stations mit Beuteln für den Hundekot an den Zufahrten angebracht.

Auf der Wiese gegrillt


Entlang der Wiesen marschieren die Männer in Richtung Kreuzstein, einem beliebten Aussichtspunkt im Landschaftsschutzgebiet Ammerbachtal. Bernhard Frank schwärmt vom wertvollen Magerrasen, Florian Haas deutet auf Erdbienen, die sich am sandigen Wegesrand ihre Nester gebaut haben. Grillen, das sei ein großes Problem in Fuchsstein, erklären Scharf und Werthner. Erst kürzlich erwischten sie einen Papa mit Kleinkind, der den Grill angeschürt hatte, mitten auf der Wiese. Die Würstchen lagen auf dem Rost, waren fast durch. Die beiden Männer wiesen den Vater an, die Würstchen alsbald zu verzehren und das Grillen zu beenden und alles, was sie mitgebracht hatten, auch wieder mit nach Hause zu nehmen. Werner Scharf geht hoch zum Kreuzstein. Zeit, den Panoramablick zu genießen, hat er nicht. Sein Blick fällt auf den Müll, Hinterlassenschaften einer Wohlstandsgesellschaft. Zum Beispiel die Verpackung eines Hamburgers. "Heute ist es relativ harmlos", sagt er. "Da schaut's oft viel schlimmer aus." Verbranntes Gras zeugt davon, dass hier nicht nur Fast Food verputzt wurde. Werther traf kürzlich Leute an, die nicht nur ein Lagerfeuer entzündet hatten, sondern auch noch Wasserpfeife rauchten. Die beiden Mitarbeiter der Naturschutzwacht Bayern schütteln jetzt noch darüber den Kopf.

Um Ausreden nie verlegen


Werden die Natursünder ertappt, sind sie um Ausreden fast nie verlegen. "Das habe ich nicht gesehen", sagen beispielsweise Autofahrer, die trotz der Verbotsschilder und an den Sperrpfosten vorbei ins Gelände fahren. Oder auch beliebt: "Das Navi hat mich dahin gelotst." Vom Kreuzstein aus erspähen die Mitarbeiter der Naturwacht Bayern eine Frau, die quer über eine Wiese marschiert. Hinter ihr hüpft ein kleines Hündchen durchs hohe Gras. "Das ist nicht erlaubt", sagt Scharf. Denn zwischen 1. März und 30. September dürfen die landwirtschaftlichen Flächen nicht betreten werden.

Eine Familie fährt mit dem Auto auf dem Schotterweg vor, parkt den Wagen parallel zum Gelände der Segelflieger. Erst wird der Kinderwagen ausgeladen, dann ein kleines Fahrrad. Mit zwei Kindern und vier Hunden, die alle angeleint sind, geht das Paar spazieren. Der große Junge düst voraus, übt Radfahren. Die Hunde schnüffeln im Gras. Als einer sein Geschäft verrichtet, greift die Frau zu einem Plastiktütchen und klaubt seine Hinterlassenschaften auf. Ein Spaziergänger mit einem freilaufenden Australian Shepard kommt der Familie entgegen. Als er die anderen Vierbeiner sieht, leint er seinen sofort an. "Absolut vorbildlich", beurteilt Scharf das Verhalten der Erholungssuchenden. Die junge Familie ist so oft es geht draußen in Fuchsstein. "Das hängt natürlich vom Wetter ab", erklärt die Frau.

Die Männer marschieren in Richtung der früheren Rammertshofer Mühle. Auch hier zeugt verkohltes Holz von einem kürzlich geschürten Lagerfeuer. Bierkästen, zerdepperte Schnapsflaschen, Sixpacks: All das ist keine Seltenheit. "Erst kürzlich habe ich hier junge Leute erwischt, wie sie ein Feuer geschürt hatten." Auch wenn Scharf und Werthner den einen oder anderen Müll mitnehmen und dann korrekt entsorgen, ist es nicht ihre Aufgabe. Entdecken sie Unrat im großen Stil, verständigen sie per SMS die Stadt. Diese beauftragt dann ein Entsorgungsunternehmen. "Die Kosten dafür trägt schließlich die Bevölkerung", sagt Scharf und appelliert an die Vernunft der Bürger.

Eine Runde durch das Naherholungsgebiet sind ungefähr fünf Kilometer. Pro Tour kommen schon mal acht bis zehn Kilometer zusammen. "Mache ich die große Runde, bin ich so zweieinhalb Stunden unterwegs", erklärt Werthner. Sowohl er als auch Scharf haben stets ein Handy dabei - für alle Fälle. Treffen sie Leute an, die sich nicht an die Vorschriften halten, sprechen die beiden Männer sie an.

Manchmal sind die beiden gemeinsam unterwegs, vor allem an Tagen und Abenden, wenn viel los ist in Fuchsstein. Zum Beispiel, wenn junge Leute ihr bestandenes Abitur feiern. Oder an Vatertag. Florian Haas erinnert sich: "Da kommen welche mit Bollerwagen und zwei Kästen Bier." Problematisch werde es, wenn die Menschen angetrunken sind.

Plausch mit Stammgästen


Es gibt aber auch schöne Momente für die Naturschutzwächter. Beispielsweise, wenn sie regelmäßige Spaziergänger treffen. "Ach, auch wieder da?!", sagen diese häufig. "Mit denen plaudert man schon mal ein bisschen", erzählt Werthner. Die Männer kennen die Rushhour im Naherholungsgebiet. Die ersten Erholungssuchenden seien schon in aller Herrgottsfrüh draußen, so ab 6.30 Uhr, andere gehen vor der Arbeit mit dem Hund schnell Gassi. Und gegen 16.30 Uhr, wenn viele Feierabend haben, ist ebenfalls wieder mehr los.

Die Absprache zwischen den beiden Naturschutzwächtern funktioniert unproblematisch: Sie klären untereinander, wer wann geht. "Wenn ich vormittags oder mittags im Gelände draußen bin, dann geht der Kollege halt abends - oder umgekehrt", sagt Scharf. "Mit der Zeit kriegt man ein Gefühl dafür, wann was los ist", erklärt er. Die vier Männer marschieren in Richtung des Ausgangspunktes. Auf dem Hochplateau halten sie inne, lassen den Blick weit übers Land schweifen - Fuchsstein ist ein herrliches Fleckchen Erde.

Heute ist es relativ harmlos. Da schaut's oft viel schlimmer aus.Werner Scharf über den Müll, der liegenbleibt


Bei der großen Runde bin ich so zweieinhalb Stunden unterwegs.Andreas Werthner über seine Naturschutz-Touren


Die Leute gehen ins Landschaftsschutzgebiet, um sich zu erholen.Bernhard Frank über die Beliebtheit von Fuchsstein


Das Feuer ist einen halben Meter hoch, 50 Meter davon entfernt ist der Wald.Florian Haas über illegales Feuerschüren in Fuchsstein


Zwei Männer im Dienste der Naturschutzwacht BayernSeit sieben Jahren ist Werner Scharf als Naturschutzwächter in Fuchsstein unterwegs. Das Areal des ehemaligen Standortübungsplatzes kennt er wie seine Westentasche - kein Wunder, schließlich war Scharf Berufssoldat und immer auch draußen in Fuchsstein. "Ich war da bei jedem Wetter, bei jeder Tages- und Nachtzeit, bei jeder Jahreszeit", erklärt er. Auf die Aufgabe, für die Naturschutzwacht Bayern dort unterwegs zu sein, hatte ihn der damalige Förster aufmerksam gemacht.

Über seinen Sohn, der die Stellen-Ausschreibung gelesen hatte, kam Andreas Werthner dazu. Seit April verrichtet er diesen Dienst. "Ich bin gerne in der Natur unterwegs", erklärt er. Auch er kennt das Naturschutzgebiet Ammerbachtal, schließlich ist er dort häufig privat mit seiner Frau unterwegs. Manchmal begleitet sie ihn hinaus nach Fuchsstein. Während Andreas Werthner seine dienstliche Runde dreht, geht sie walken. "Dann treffen wir uns wieder und fahren heim." An ihren Jacken haben Scharf und Werthner Aufnäher mit dem Emblem der Naturschutzwacht Bayern. Ausweisen können sie sich natürlich auch.

Wie die beiden Männer erklären, sind sie befugt, Personalien von Personen aufzunehmen, die sich nicht regelkonform im Naherholungsgebiet verhalten. Mitunter müssen sie sich auch unverhohlene Drohungen anhören, zum Beispiel diese: "Pass bloß auf, wir erwischen dich." Andere behaupten, ihre Personalien würde die beiden Herren nix angehen. Aber auch dann wissen sich Scharf und Werthner zu helfen: Sie verständigen notfalls die Polizei. (san)


Rund ums LandschaftsschutzgebietDas Landschaftsschutzgebiet Ammerbachtal hat eine Größe von 183,2 Hektar und erstreckt sich zum großen Teil auf dem Gelände des ehemaligen Standortübungsplatzes Fuchsstein der Bundeswehr.

Verhaltensregeln

Zelten, Grillen und Feuermachen sind verboten.

Hunde sind außerhalb der Freilaufflächen und des Freilaufplatzes bei der Einfahrt bei Speckmannshof an der Leine zu führen.

Die landwirtschaftlich genutzten Flächen dürfen zwischen 1. März und 30. September nicht betreten werden.

Die Abfälle sowie die Hundekotbeutel sind in den Mülleimern zu entsorgen.

Das Gelände darf nicht mit motorisierten Fahrzeugen befahren werden.

Parkmöglichkeiten

Wer mit dem Auto zum Naherholungsgebiet fährt, kann entweder bei Atzlricht sein Fahrzeug abstellen oder an der Einfahrt bei Speckmannshof. An letztgenannter Stelle soll ein Wanderer-Parkplatz eingerichtet werden. Entstehen werden 29 Stellplätze, die Zufahrt wird asphaltiert.

Infopavillon

Kurz bevor die zu asphaltierende Straße zu den Parkplätzen an der Einfahrt Speckmannshof aufhört, wird ein Infopavillon installiert. Dort erfahren die Erholungssuchenden alles Wissenswerte über das Landschaftsschutzgebiet Ammerbachtal. "Da besteht auch die Möglichkeit, sich bei schlechtem Wetter mal unterstellen zu können", erklärt Florian Haas von der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Amberg.

Dog-Station

Dog-Stations, die es im Stadtgebiet gibt, werden demnächst auch an verschiedenen Stellen im Landschaftsschutzgebiet Ammerbachtal installiert. Dort können kostenlos Hundekotbeutel entnommen und die Abfälle dann wieder entsorgt werden. (san)
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