Unwetterfront über der Oberpfalz: Abgedeckte Hausdächer, Stromausfall und umgefallene Bäume [Update]
Erstes Herbstunwetter hinterlässt deutliche Spuren in der Region

Dieses Hausdach wurde in Neudorf bei Luhe auf einer Breite von vier Metern komplett abgehoben und landete auf einer Garage. (Bild: Feuerwehr Oberwildenau)
 
Das beschädigte Haus in Neudorf am Tag. Die Wohnräume im ersten Stock wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Küche konnte nur noch durch eine Folie gegen Wettereinflüsse geschützt werden. (Bild: bey)
 
Dieser umgekippte Baum lag am Dienstagabend auf der kleinen Brücke am Ortseingang von Pirkmühle. Matthias Fischer hat es uns bei Facebook zukommen lassen. (Bild: Matthias Fischer)

Umgestürzte Bäume, Verspätungen im Bahnverkehr, Stromausfall und abgedeckte Hausdächer: Die Unwetterfront, die am Dienstagabend auch über die Oberpfalz zog, hat deutliche Spuren hinterlassen.

[Letzte Aktualisierung 15.39 Uhr] Als das Unwetter gegen 21 Uhr den Westen der Oberpfalz erreichte, verzeichnete die Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Regensburg erste Notrufe aus dem Bereich Neumarkt. Bis Mitternacht gingen etwa 100 Mitteilungen über umgestürzte Bäume bei den integrierten Leitstellen beziehungsweise der Polizei ein. In der Oberpfalz bezifferte die Polizei die Sturmschäden insgesamt auf einen "mittleren bis hohen sechsstelligen Bereich". Menschen kamen ersten Angaben zufolge nicht zu Schaden.

Dach abgerissen

Im Bereich Nordoberpfalz war Neudorf bei Luhe-Wildenau (Kreis Neustadt/WN) am heftigsten betroffen. Dort bescherte der Herbststurm den Einsatzkräften von Feuerwehr und THW eine arbeitsreiche Nacht. Mehrere umgestürzte Bäume mussten von den Straßen geräumt werden. An einem freistehenden Wohnhaus riss der Sturm Teile des Daches ab.

Das Dach wurde auf einer Breite von rund vier Metern vom Wind komplett abgehoben und landete auf der angrenzenden Garage. Dabei entstand hoher Sachschaden. Die Einsatzkräfte leuchteten die Einsatzstelle aus und dichteten das Dach mit Planen provisorisch gegen den Regen ab. Die Feuerwehren aus Neudorf, Luhe, Oberwildenau, Hirschau und das THW Weiden waren mehrere Stunden im Einsatz.

Kleiner Erdrutsch

Bei Kornthan bei Wiesau (Kreis Tirschenreuth) mussten Helfer eine Straße reinigen, nachdem der Regen einen kleineren Erdrutsch verursacht hatte. Bei Ursensollen musste ein Baum von der Autobahn 6 entfernt werden und auch zwischen den Anschlussstellen Amberg Süd und Amberg West waren einige kleinere Bäume umgestürzt. Auf einer Länge von etwa zwei Kilometer Länge waren Äste auf die Fahrbahn geweht worden.

Ein Besen reichte zum Reinigen der Autobahn nicht mehr aus. Über die Autobahnmeisterei musste eine Kehrmaschine angefordert werden. Ebenfalls auf der A 6, auf Höhe der Anschlussstelle Illschwang wurde der Pkw einer jungen Frau von einer Windböe gegen die Mittelleitplanke gedrückt. Als die Pkw-Fahrerin gegenlenkte, geriet sie nach rechts auf den Standstreifen und kam mit ihrem Fahrzeug von der Autobahn ab. Es blieb beim Blechschaden, die Fahrerin kam mit dem Schrecken davon.

Auf der Kreisstraße zwischen Amberg und Köfering waren mehrere Bäume auf die Straße gestürzt. Sie wurden von der Feuerwehr beseitigt. Auch im östlichen Zuständigkeitsbereich, zwischen Freihöls und Högling waren Bäume umgestürzt. Hierbei wurde das Auto eines 43-jährigen Ambergers durch herabstürzende Äste beschädigt.

Stromausfall in Schnaittenbach führt zu ungewöhnlichem Einsatz

In Schnaittenbach im Landkreis Amberg-Sulzbach ist in der Nacht zwei Stunden lang der Strom ausgefallen. Ausgelöst wurde der Blackout durch einen Baum, der gegen 21.30 Uhr auf eine 20-KV-Leitung in der Max-Reger-Straße (Ortsteil Haidhof) fiel und die Leitung durchtrennte. Die losen Enden lagen auf der Straße und wurden von der Feuerwehr gesichert, bis ein Reparaturtrupp des Energieversorgers eintraf.

Der Stromausfall führte laut Kreisbrandrat Fredi Weiß zu einem sehr ungewöhnlichen Einsatz der Feuerwehr: Bei einem dauerbeatmeten Patienten ging der Akku an der Beatmungsmaschine zuneige. Die Familie alarmierte über Notruf die Leitstelle, und die schickte die Feuerwehr vorbei, die per Notstromaggregat die weitere Beatmung sicherte. Außerdem wurden durch den Stromausfall mehrere Alarmanlagen ausgelöst. In jedem Fall rückte die Polizei an, um die Objekte zu überprüfen. Kurz nach 22.30 Uhr war der Spuk dann wieder vorüber. Aus der kreisfreien Stadt Amberg selbst erreichten die Polizei keine sturmbedingten „Hilferufe“.

19 Feuerwehren im Einsatz

Insgesamt waren im Landkreis Amberg-Sulzbach zwischen 21.30 Uhr und 23.30 Uhr 19 Feuerwehren in zwölf Gemeinden im Einsatz, um Sturmschäden zu beheben. Meist handelte es sich um umgestürzte Bäume, die Straßen blockierten. Bei Ursensollen betraf das sogar die Autobahn. Zudem deckte der Sturm quer durch den Landkreis mehrere Dächer an einzelnen Stellen ab. In der Nähe von Ebermannsdorf kollidierten wegen des Unwetters zwei Autos. „Insgesamt haben wir nochmal Glück gehabt“, lautet das vorläufige Fazit von Kreisbrandrat Fredi Weiß zur Sturmnacht. Im südlichen Landkreis sei es vollkommen ruhig geblieben, und wo Schäden auftraten, habe es zumindest keine Schwerverletzten gegeben.

Erster Schnee auf der Silberhütte

Auf der Silberhütte, Langlaufzentrum bei Bärnau im Landkreis Tirschenreuth, ist bereits der erste Schnee gefallen. Und auch in Weiden hat es bereits minimal und kurzzeitig Schneeregen gegeben. 14 Bahnstrecken mussten in Bayern zeitweise komplett gesperrt werden. Besonders betroffen war der Regionalverkehr zwischen Würzburg und Augsburg. Auch auf zwei S-Bahnlinien in München kam es zu Beeinträchtigungen, wie ein Bahn-Sprecher in der Nacht mitteilte.

Flüchtlingszelte mussten geräumt werden

Mehrere Polizeistationen in der Oberpfalz und in Nürnberg meldeten umgestürzte Bäume und abgerissene Stromleitungen. Nach Starkregen und heftigen Windböen mussten außerdem zwei Flüchtlingszelte in Nürnberg geräumt werden. Verletzt wurde nach ersten Angaben niemand.

Regensburg: Mehrere Pkw beschädigt

In Regensburg wurden im Bereich der Polizeiinspektion Süd acht Pkw beschädigt. Am Regensburger Weinweg knickte gegen 22 Uhr eine Eiche. Der umgestürzte Baum beschädigte sieben geparkte Autos. Die Höhe des Sachschadens stand am Mittwochvormittag noch nicht fest. Ein Pkw weiterer wurde in der Hadamarstraße in Regensburg beschädigt, hier fiel ein mobiles Verkehrszeichen auf das abgestellte Fahrzeug. Die Polizei schätzt den Schaden auf 1500 Euro.

Schnee bis auf 800 Meter Höhe

Meteorologen haben für die kommenden Tage einen Wintereinbruch vorhergesagt. Von Mittwochmorgen an könne es bis auf 800 Meter schneien, sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes in München. Bis Freitag wird oberhalb von 1500 Metern bis zu ein Meter Schnee erwartet. Die Unwetterzentrale warnte noch am Mittwochvormittag vor mäßig starkem bis starkem Unwetter in Bayern und der Oberpfalz.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.