Verfressen und preisgekrönt
Nicole Stich begeistert mit Food-Blog in New York

Wenn Nicole Stich (42) zurückblickt, sieht sie viele Windungen in ihrem Lebenslauf. Nach dem Abitur studierte sie Jura, schmiss nach dem 1. Staatsexamen hin und arbeitete in einer Werbeagentur. Heute schreibt sie Kochbücher. Aber nur, wenn sie nicht gerade isst oder darüber bloggt. Bild: Oliver Seidel
 
Beim Formen der Koulourakia sind der Fantasie des Kochs keine Grenzen gesetzt. Hier ähneln sie einem Spitzel und werden deshalb auch Kordelkekse genannt. Bild: Nicole Stich

"Ich bin ziemlich verfressen", sagt die gebürtige Weidenerin Nicole Stich. Preisgekrönt verfressen, wohlgemerkt. Denn 2006 zählte das amerikanische "Time"-Magazin die Webseite der Food-Bloggerin zu den 50 coolsten weltweit. Davon zehrt die ehemalige Elly-Abiturientin noch heute. Ein Gespräch, das mächtig Appetit macht.


Sie schreiben Kochbücher und einen Food-Blog, fotografieren Essen und bezeichnen sich selbst als verfressen. Entschuldigen Sie bitte, aber die Frage drängt sich einfach auf: Wie viel wiegen Sie?


Nicole Stich (lacht): Ich habe mich mindestens seit einem halben Jahr nicht mehr gewogen. Das schwankt bei mir immer so zwischen 50 und 53 Kilo. Ich bremse mich, sobald meine Lieblingsjeans zu eng sitzt.

Aktuell bloggen Sie auf Ihrer Webseite ein Rezept für Fliederbeerenmarmelade und warnen, die Beeren nicht ungekocht zu essen, weil sie giftig sind. Was kommt bei Ihnen an Weihnachten auf den Tisch?

Stich: Da sprechen Sie einen wunden Punkt an. Wir, also mein Mann und ich, haben uns noch nicht entschieden. Mein Metzger nimmt schon seit Wochen keine Gans-Bestellung mehr an. Aber ich bin eh kein langfristiger Planer, dafür aber eine ausdauernde Köchin.

Das heißt?

Stich: Bei uns gibt es nicht zu einer bestimmten Uhrzeit Kerzenschein und Festessen. Wir werden über den ganzen 24. Dezember verteilt gemeinsam kochen - und essen. Vielleicht machen wir gefüllte Pasta selbst. Und die Gans gibt es, wenn wir meine Eltern besuchen.

Also Würstln mit Kartoffelsalat, das beliebteste Essen der Deutschen an Heiligabend, ist Ihnen zu profan?

Stich: Nein, das ist top. Das gab's bei meiner Oma in Pfreimd immer. Und meine Oma und ihre leidenschaftliche Art zu kochen und zu backen waren es auch, die mich sehr geprägt haben. Noch heute höre ich beim Teigkneten ihre Stimme: "Das musst im G'fühl haben mit den Mengen."

Haben Sie doch auch oder?

Stich: Dazu sage ich nur so viel: Über Jahre habe ich versucht, Omas Apfelmaultaschen nachzubacken, die näher dran waren an Apfelstrudel mit Kartoffelteig. Letztes Wochenende hat's endlich geschmeckt wie früher bei ihr. Ich hab's gleich Opa erzählt. Nach dem Telefonat saß ich am Küchentisch meiner Wohnung in Haidhausen und hab' glücklich vor mich hingemampft.

Ganz allein?

Stich: Klar. Ich allein mit einem Teller, das reicht mir. Ich liebe Essen, ich denke ständig über Essen nach, Essen ist einfach etwas Wunderbares. Ehrlich. Das geht so weit, dass ich Essen für ein Foto liebevoll anrichte - und mich ärgere, sobald ich hinter dem Stativ stehe, weil es kalt wird.

Eine riesige Leidenschaft fürs Essen: Lautet so Ihr Erfolgsrezept?

Stich: Heute sicher. Nur kannte ich dieses Erfolgsrezept lange nicht: Zuerst studierte ich Jura in Regensburg. Aber das hat mich nicht glücklich gemacht. Dann arbeitete ich zehn Jahre in einer Werbeagentur in München, bis ich schließlich 2005 mit www.deliciousdays.com angefangen habe. Das passierte ganz ohne Ziel, machte mich aber zum ersten Mal zu 100 Prozent glücklich.

Und es passierte auf Englisch. Warum?

Stich: Auf Deutsch wäre dieser Austausch gar nicht möglich gewesen. Vor zehn Jahren gab es übers Essen fast nur englische Blogs. Erst im Nachhinein hat sich die Sprachwahl als tolle Entscheidung herausgestellt. Ich erreiche ein größeres Publikum.

Wie etwa Journalisten des amerikanischen "Time"-Magazins?

Stich: Ja genau. Unglaublich, oder? Da sitzt jemand in New York und findet das toll.

Wie haben Sie erfahren, dass Ihre Webseite zu den 50 coolsten überhaupt zählt?

Stich: Via E-Mail bei einer Hochzeit in Wien. Daraufhin bin ich sofort ins Hotelzimmer und online: Aber meine Seite war nicht mehr erreichbar. Da habe ich erst verstanden, was diese Auszeichnung für eine Wirkung hat.

Das war 2006. Können Sie heute noch davon zehren?

Stich: Medien lieben solche Schubladen, das ist wie bei einem Schauspieler, der vor 30 Jahren einen Oscar erhalten hat. Das strahlt aus. Auch heute noch werde ich darauf angesprochen.

Unter anderem von Verlagen?

Stich: Ja, tatsächlich. Ich war immer in der glücklichen Lage, dass die Verlage auf mich zugekommen sind.

So entstanden vier Kochbücher. Können Sie davon leben?

Stich: Von Kochbüchern zu leben, ist einfach für Menschen wie Jamie Oliver. Aber in der Regel ist das, was Verlage zahlen, nicht so großzügig. Allerdings bin ich in der glücklichen Lage, auch zu fotografieren. In der Kombination kann ich gut davon leben.

Ihr aktuelles Buch heißt "Reisehunger: Die besten Rezepte zwischen USA und Singapur". Braucht es zum Nachkochen Experimentierfreude?

Stich: Klar. Etwas auszuprobieren macht Spaß. Ich esse fast alles. Mittlerweile sogar Anchovis oder Innereien. Denn alles lässt sich gut zubereiten.

Das heißt, wenn es nicht schmeckt, liegt's am Koch?

Stich: Sagen wir mal so: Die größte Genugtuung ist für mich, wenn jemand sagt, das mag ich gar nicht, aber bei dir hat's mir geschmeckt.

Ihre Liebe zum Essen in Kombination mit Ihrer Aussage, alles lässt sich lecker zubereiten: Kommt das aus der Kindheit? Ihre Mutter muss eine fantastische Köchin sein.

Stich: Ich war ein Problem-Esser. Die Leidenschaft zum Kochen und Backen kam erst später. Meine Mutter kocht nicht gern, aber sie kann es gut. Auch mein Vater kocht übrigens mittlerweile leidenschaftlich gern. Die Begeisterung dafür aber kommt von meiner Großmutter, die leider nicht mehr lebt.

Wer bereitet bei der Auswahl an guten Köchen denn nun daheim in der Oberpfalz die Gans an den Weihnachtsfeiertagen zu?

Stich: Sie werden lachen: Wir lassen uns den Vogel wie jedes Jahr im Restaurant schmecken.

Was sagt eine Food-Blogerin und -Fotografin über ......einen Thermomix:

"Ich verstehe jeden, der ihn hat. Selbst brauche ich keinen. Das Gerät nähme mir etwas weg. Mir würde es fehlen, wenn ich mein Risotto nicht im Topf umrühren könnte."

...Essensreste:

"Gibt es bei mir nicht. Jeden Teller, der in meinen Büchern abgelichtet ist, habe ich gegessen. In unserem ganzen Haus in Haidhausen wohnen Probe-Esser. Ich versorge gern die ganze Nachbarschaft."

...Menschen, die Fotos ihres Essens online posten:

"Blitz tötet Essen. Das sieht auf dem Teller nicht mehr gut aus. In Sternerestaurants kommt es deshalb mittlerweile vor, dass Ober einem Gast anbieten, der das Sterne-Essen mit dem Handy fotografiert, ihm ein professionelles Foto davon zur Verfügung zu stellen."

...über Essensgewohnheiten:

"Alle Experten würden an mir verzweifeln. Ich esse am liebsten abends warm und viel."

Knusperstückchen oder Kordelkekse: Koulourakia mit Sesam


Koulourakia steht übersetzt ganz schlicht für "Kekse", verrät Nicole Stich in ihrem neuesten Buch "Reisehunger". In Griechenland gebe es sie in unendlichen Variationen. Mal werden die Kekse mit Cognac oder Ouzo aromatisiert, mal mit Orangensaft. Sie sind von der Konsistenz her perfekt, um sie in den Kaffee zu tunken. Und sie eignen sich als Mitbringsel zu Weihnachten.

So geht's:
Für 24 bis 26 Stück braucht es ...

...für den Teig: 250 g Mehl, 1 Msp. Backpulver, 1/4 TL Meersalz, 100 g Zucker, 25 g Vanillezucker, 1/4 TL Zimtpulver, 125 g Butter, 1 Ei (M), 1 EL Cognac (ersatzweise Ouzo, Rum oder Orangensaft).

...zum Bestreichen und Bestreuen: 1 Eigelb (M), 1 EL Milch, 2 EL weiße Sesamsamen (nach Belieben).

...außerdem: Mehl zum Arbeiten.

Zubereitungszeit: 25 Minuten; Backzeit: 22 Minuten, Pro Stück (bei 26) etwa 95 kcal.

1. Backofen auf 180 Grad vorheizen, ein Backblech mit Backpapier auslegen. Mehl, Backpulver, Salz, Zucker, Vanillezucker und Zimt in einer Schüssel vermischen. Die Butter in Würfel schneiden, dazugeben (ist sie ganz hart, besser 5 Min. warten) und mit den Fingern in die trockenen Zutaten reiben, bis die erkennbaren Butterstückchen maximal Erbsengröße haben.

2. Das Ei und den Cognac verrühren und über die Zutaten in der Schüssel geben. Mit den Händen zügig zu einem geschmeidigen Teig verkneten. Ist der noch klebrig, esslöffelweise mehr Mehl einarbeiten.

3. Nach und nach walnussgroße Stücke von dem Teig abnehmen (wer identisch große Kekse schätzt, dem leistet hier ein Eiskugelportionierer mit 4 cm Durchmesser gute Dienste) und auf der leicht bemehlten Arbeitsfläche zu 15 bis 16 cm langen Rollen formen. Die beiden Enden jeder Teigrolle zusammennehmen und in sich verdrehen, so dass kleine Kordeln entstehen, und mit etwas Abstand auf das Blech legen.

4. Zum Bestreichen das Eigelb mit der Milch verrühren und die Teigkordeln dünn damit einpinseln, dann nach Belieben noch mit dem Sesam bestreuen. Im Ofen (Mitte) goldbraun backen. Das dauert 18 bis 22 Minuten.

5. Das Blech aus dem Ofen nehmen, die Kekse vorsichtig auf ein Kuchengitter setzen und vollständig auskühlen lassen. Luftdicht verschlossen in einer Dose halten sie sich mehrere Wochen.
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