Verkehrsaktion von "Der neue Tag" und Onetz
Brennpunkte auf Weidens Straßen

Von wegen "Stop": Oft hielten Autofahrer an der Ecke Peuerl-/Mooslohstraße eben nicht an, klagen Radler. Bild: rg

Die Autofahrer wettern über Staus rund um den Kolpingplatz und fehlende grüne Wellen. Radfahrer und Fußgänger fürchten in der Mooslohstraße und im Edeldorfer Weg schon mal um ihr Leben. Und auch sonst läuft einiges verkehrt im Weidener Verkehr.

Was genau? Sie, liebe Leser, haben es uns fleißig berichtet: keine Radspuren in der Seltmann-Straße, eine vermeintlich unbrauchbare Vorfahrtsregelung in Neunkirchen, Straßenrennen zwischen Rot-Kreuz- und Kolpingplatz, und, und, und. Seit dem Aufruf vor etwa drei Wochen erhielten wir immer wieder Zuschriften, die Brennpunkte auflisten. Rund 50 haben wir ausgewertet. Für die Stadt nahmen dazu Dezernent Hermann Hubmann und der Leiter der Verkehrsbehörde, Andreas Bauer, Stellung. Sie versichern: "Hinweise und Anregungen sind uns jederzeit willkommen. Wir nehmen sie absolut ernst und prüfen Lösungen."

Eine der häufigsten Fragen: Warum gibt es so wenig Kreisverkehre? Lange Zeit sei die Politik nicht von ihnen überzeugt gewesen, antwortet Hubmann. Und nun fehle oftmals das Geld dafür: Die Umwandlung einer Kreuzung in einen Kreisverkehr koste "400 000 bis 500 000 Euro". Und warum funktionieren die "grünen Wellen" auf der Süd-Ost-Tangente und in der Innenstadt nicht, wie eine Reihe anderer Leser moniert? Hubmann: "Sie funktionieren. Aber eben immer nur in eine Richtung." Anders sei dies nicht zu lösen.

Hier läuft's verkehrt im Verkehr



Parksteiner Straße (1), Mooslohstraße (2)


Problem: Eltern in der Parksteiner Straße haben Angst um ihre Kinder. "Auf einer Länge von fast zwei Kilometern" gibt es keine Möglichkeit einer sicheren Überquerung", schreiben sie. Autofahrer "rasen mit bis zu 80 Sachen durch", der Weg zur Bushaltestelle beim Verbrauchermarkt sei gefährlich. Eine ähnliche Situation stellt Claudia Kaiser in der Mooslohstraße fest (Höhe Getränkemarkt). "Für Kinder lebensgefährlich", meint auch Armin Burger.

Lösung: Die Leser fordern Fußgängerüberwege, möglichst mit Drückampel. Für die Mooslohstraße hätten das die Stadträte schon öfter diskutiert, weiß Dezernent Hermann Hubmann. "Aber für die Autofahrer wäre die Ampel nur kurzfristig erkennbar." Die Passanten würden in falscher Sicherheit gewogen. Für die Parksteiner Straße wollen die Experten der Stadt den Bedarf ermitteln.

Moosloh-/Peuerlstraße (3)


Problem: "Als Radfahrer wird man hier oft übersehen", klagt Monika Stark. Viele Autofahrer missachteten das Stopp-Schild, wenn sie auf der Mooslohstraße stadtauswärts unterwegs sind. In umgekehrter Richtung dürften Wagen gar nicht fahren: An der Einmündung Moosloh-/Peuerlstraße stadteinwärts gilt ein Linksabbiegeverbot. Wie Berthold Gutermuth beobachtet hat, halten sich viele nicht daran.

Lösung: Die Stadt will sich bei der Polizei für verstärkte Kontrollen stark machen. Seit langem bekannt sind die Probleme an der Stopp-Stelle. "Sie ist weit vorgezogen", bestätigt Andreas Bauer. Leserin Monika Stark regt eine auffälligere Kennzeichnung des Radwegs an, eventuell auch mit Blinklicht. Dies könnte laut Hubmann eine Möglichkeit sein.

Christian-Seltmann-Straße (4)


Problem: Fehlende Radwege. Ein Leser wünscht sich insbesondere einen Fahrradstreifen in der Unterführung.

Lösung: "In Arbeit". Der Stadtrat hat den Radstreifen bereits grünes Licht signalisiert.

Adolf-Kolping-Platz (5)


Problem: Werner Müller nerven die ständigen Staus "von der Prinz-Ludwig- bis zur Frauenrichter Straße". "Was ist aus der zweiten Spur stadteinwärts zum Kolpingplatz geworden?", fragt er.

Lösung: Die zweite Spur soll als Teil des städtischen Verkehrskonzept noch kommen. Müller plädiert zudem für eine funktionierende grüne Welle. Wegen Autos, die kurz vor dem Kolpingplatz aus dem Gewerbegebiet Mitte in die Nikolaistraße einfahren, sei dies schwer zu realisieren, betont Hubmann. Aber da wären wir auch schon beim nächsten Brennpunkt ...

Nikolaistraße (6)


Problem 1: Mancher Autofahrer, so hat Wolfgang Lindner beobachtet, nutze einen Schleichweg durchs Gewerbegebiet Mitte: Er biege bereits am Rot-Kreuz-Platz rechts ab, um kurz vor dem Kolpingplatz in die Nikolaistraße einzuscheren. Folge: "Der Stau nimmt unnötig zu."

Lösung: Diese Einfahrt von der Straße "Zur Drehscheibe" sei unnötig, meint Leserin Elfriede Dürschl. Auch Lindner fordert ein Rechtsabbiegeverbot bei Autohaus Lell/Schrauben Mutzbauer. Allerdings seien ja nicht nur Trickser unterwegs, wenden die Experten der Stadt ein: Anlieger hätten ein berechtigtes Interesse, möglichst reibungslos in die Nikolaistraße zu gelangen. Im Rathaus sei bereits diskutiert worden, die Einfahrt durch einen Wendehammer zu ersetzen - ohne Ergebnis.


Problem 2: Zwischen Rot-Kreuz-Platz und Nikolaistraße würden schon mal Straßenrennen gefahren, weiß Anwohnerin Martina Purucker. "Immer wieder kommt es zu Unfällen."

Lösung: Einen Kreisverkehr an der Stelle Gabelsberger Straße/Zur Centralwerkstätte/Dr.-Martin-Luther-/Nikolaistraße schlägt die Leserin vor. Hubmann verweist auf Kosten von bis zu 500 000 Euro. Und der Nutzen sei fraglich: Vor und nach dem Kreisverkehr könnte ja weiterhin gerast werden.

Einmündung Moosloh-/Dr.-Kilian-Straße (7)


Problem: Ein Autofahrer stoppt beim Abbiegen auf die Nordtangente, der Hintermann schaut gerade nach links - und schon kracht's. Beim Rechtsabbiegen aus der Mooslohstraße ereignen sich desöfteren Auffahrunfälle.

Lösung: Vorschlag von Chris Bierler: ein Streifen für Rechtsabbieger. Die Stelle sei allerdings "mit normaler Aufmerksamkeit zu bewältigen", findet Hubmann.

Autobahnabfahrt/Nordtangente (8)


Problem: Rechtsabbieger aus Richtung Regensburg müssen die Vorfahrt achten - tun's aber bei weitem nicht immer. Andreas Klama: "Wie oft wäre mir da fast jemand reingerauscht."

Lösung: "Unserer Meinung nach fehlt hier eine Einfädelspur - oder zumindest ein Hinweisschild, dass sich am Fahrbahnende keine befindet", schreiben Andrea und Bernhard Walta. Zuständig wäre hier die Autobahndirektion. Hubmann vermutet, dass für eine Einfädelspur aus Naturschutzgründen kein Platz war.

Neustädter Straße (9)


Problem: "Die Fahrradwege sind größtenteils nicht nutzbar", moniert Katja Deppisch. "Sobald man schneller als 15 km/h fährt, wird man von Wegschäden durchgeschüttelt."

Lösung: Eine Sanierung. Doch die wäre teuer. Hubmann: "Der Stadtrat müsste die Mittel bereitstellen."


Bahn frei - Angemerkt von Ralph GammanickDas Thema betrifft uns alle, tagtäglich. Jeder hat seine persönliche Route durch die Stadt. Und bei jedem staut sich schon mal der Ärger: Beim Radeln über eine Buckelpiste, die sich Radweg schimpft, beim lahmen Stop-and-Go mit dem Auto durch die Nikolai- und die Bahnhofstraße oder beim fußläufigen Überqueren der Mooslohstraße, der ein sicherer Überweg fehlt. Sie, liebe Leser, wissen am besten, wo's verkehrt läuft im Verkehr. Deshalb haben wir Sie danach gefragt. Danke, dass Sie uns so zahlreich geantwortet haben.

Über die Brennpunkte und die Einschätzungen von Experten werden wir nun in mehreren Folgen berichten - über die ersten neun Gefahrenstellen lesen Sie auf dieser Seite. "In den Wind geschrieben" sind sie nicht. Anregungen wie eine Fußgängerampel in der Parksteiner Straße wollen die Fachleute im Rathaus prüfen. Sie betonen aber auch: "Die perfekte Lösung gibt es nicht." Denn dazu kommen sich im Verkehr allzu oft grundverschiedene Interessen in die Quere: Was der Autofahrer für optimal hält, kann für den Radler schon mal lebensgefährlich sein. Wir alle sind betroffen - doch uns allen kann man's einfach nicht recht machen.


Schreiben Sie unsBrennt Ihnen noch ein Brennpunkt unter den Nägeln, den wir näher beleuchten sollen? Gerne nehmen wir weitere Mitteilungen über Gefahrenstellen im Weidener Verkehr entgegen. Schreiben Sie eine Mail an redws@derneuetag.de mit dem Betreff "Verkehrsaktion".


Alle Artikel zur NT-Verkehrsaktion in Weiden unter www.onetz.de/themen/verkehrsaktion.html
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