Verlorenes Ticket kostet 20 Euro
Allee-Tiefgarage: "Abzocke" oder fairer Preis?

Was tun bei Ticketverlust? Der mittlere Knopf unter dem Monitor führt zum Ersatzticket. Wie viel es kostet, verrät die Preisliste am Automaten: 20 Euro.
 
Was tun bei Ticketverlust? Der mittlere Knopf unter dem Monitor führt zum Ersatzticket. Wie viel es kostet, verrät die Preisliste am Automaten: 20 Euro.

Ihre Jackentasche sei wohl "zu seicht" gewesen, vermutet die Landkreisbürgerin. Die Folgen gruben sich ihr um so tiefer ins Gedächtnis: Aus der Tasche verschwand das Parkticket für die Allee-Tiefgarage auf Nimmerwiedersehen - und die 80-Jährige stand völlig ratlos vor dem Automaten. Was tun? Sie fragte zwei Männer, die ihr auf dem Weg nach oben entgegenkamen. "Keiner konnte mir helfen." In der benachbarten Apotheke erhielt sie einen Tipp: Am Automaten gebe es doch die Taste "Ticketverlust". Den entdeckte die Frau dann auch tatsächlich nach genauerem Hinsehen.

Ein Happy-End stellte sich trotzdem nicht ein. Denn was folgte, war für die 80-Jährige "Abzocke pur und ganz bestimmt nicht benutzerfreundlich": 20 Euro musste sie in den Schlitz schieben, um ein Ersatzticket zu erhalten. Für einen Parkvorgang von nicht mal einer Stunde. "Ich finde den Betrag in jeder Hinsicht überzogen", wettert die Frau folglich. Freilich, Schlamperei solle ja nicht ungestraft bleiben, findet sie. Aber: "10 Euro würden mit Sicherheit auch reichen." Und was passiert eigentlich, wenn jemand keine 20 Euro im Portemonnaie hat?

Vergleichsweise moderat


Alles schon vorgekommen. Für SGW-Stadtbau-Geschäftsführer Günther Kamm, seit 2014 Herr über die vormals städtischen Parkhäuser, ist fehlendes Bargeld jedoch kein Grund für ein kostenloses Ersatzticket. "Am Automaten kann man schließlich auch mit Scheck- oder Kreditkarte zahlen", stellt er fest. Ticketverlust ist nicht gerade selten: Rund zehn Mal pro Monat müssten Parkgaragen-Nutzer das 20-Euro-Ticket lösen. Über Wucher habe sich bisher noch niemand beschwert. Warum auch? "Im Vergleich zu anderen Städten sind wir da moderat." Und auch im Vergleich zur Vergangenheit: Unter städtischer Regie kostete ein verlorenes Ticket auf der Allee noch 25 Euro. Für die Parkdecks Naabwiesen und Friedrich-Ebert-Straße gilt das noch heute. Laut Kamm sinkt der Tarif im September bei der Umstellung auf ein einheitliches System.

Den Preis von 20 Euro findet der Stadtbau-Chef fair. "Dabei handelt es sich um die Kosten eines rechnerischen Tagestickets. Bei einem Ticketverlust wissen wir schließlich nicht, ob der Nutzer eine Stunde oder 15 Tage geparkt hat." Und einen gewissen "erzieherischen Effekt" brauche es ja auch. Übrigens zudem für den Fall, dass das Ticket zerrissen oder zerknüllt und somit unbrauchbar ist. Kamm: "Kaputt ist gleich verloren." Denn für den Geschäftsführer liegt der Verdacht nahe, dass vermeintlich clevere Parker das Ticket schon mal absichtlich ramponieren, um die Tiefgarage gratis verlassen zu können.

Auf einen ganz anderen "Trick" wollte die 80-Jährige zurückgreifen, um sich aus ihrer misslichen Lage zu befreien: an der Einfahrt einfach nochmal das Knöpfchen drücken und einen neuen Parkschein lösen. Nett ausgedacht. In der Praxis allerdings scheitern solche Versuche in schöner Regelmäßigkeit. Der Grund liegt im Boden: zuverlässige Drucksensoren. Günther Kamm: "Das Parkticket wird erst scharf, wenn der Wagen mit vier Reifen die Einfahrt runterrollt."

Immer mehr NutzerDie Kurve zeigt nach oben: Mit der Auslastung der Allee-Tiefgarage zeigt sich Stadtbau-Geschäftsführer Günther Kamm "mittlerweile durchaus zufrieden". Nach langer Auszeit wegen der Generalsanierung und der Wiedereröffnung im Dezember 2015 ließen die Nutzerzahlen zunächst zu wünschen übrig. Dann aber wurden die Kurzzeitparker (alle außer Dauerparker) von Monat zu Monat mehr. Zuletzt kletterten die Zahlen von rund 14 300 im Mai und 15 920 im Juni auf 16 200 im Juli. (rg)

Die Aktion ist bereits beendet!

Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.