Versehentlich abgewischte Autogramme
Riesiges Medienecho auf Putzfrauen-Affäre bei SpVgg SV Weiden

Susanne Böhm ist gespannt, ob das alte Hinterglaswappen der SpVgg wieder zur Autogrammtafel wird. Bild: R. Kreuzer

Bis Mittwoch war es ein kleiner Schmunzler. Seit er aber via NT und Onetz die Runde macht, sind die versehentlich abgewischten Fußballstar-Unterschriften auf einem Hinterglaswappen der SpVgg SV Weiden in der ganzen Republik ein Medienereignis. Heute kommt schon das nächste Fernsehteam.

Das bekannteste Gesicht der SpVgg SV ist zurzeit Susanne Böhm. Dutzende Print-, TV-, Online- und Radioredaktionen reißen sich um ein Bild der Vereinssekretärin vor dem blitzblank geputzten Glaswappen im VIP-Raum, das bis vor kurzem die Signaturen von Jürgen Klopp, Manuel Neuer und Jérôme Boateng zierte

Ganz vorne dran ist der Bayerische Rundfunk. Bayern 3 tüftelt bereits daran, das Missgeschick einer dienstbeflissenen Putzfrau auszubügeln. Die Radiomacher wollen ihre Kontakte zum FC Bayern nutzen, um nochmal Autogramme auf die Glasscheibe zu bekommen. "Vielleicht fährt eine Delegation von uns nach München und bringt das Wappen zu den Spielern. Der BR könnte das dann in eine eigene Story einbetten", berichtet SpVgg-Pressesprecher Stefan Nörl von Hintergrundgesprächen.

RTL, SAT 1, "Bild am Sonntag" haben sich angemeldet


Etliche andere finden das Malheur so kurios, dass sie Kamerateams nach Weiden schicken. Heute hat sich RTL am Wasserwerk angesagt. SAT 1 hat sich auch schon gemeldet. Am Wochenende will die "Bild am Sonntag" einsteigen. Die "Passauer Neue Presse" hatte den Vorfall bereits auf Seite eins, "Spiegel online", Sky, TZ, Abendzeitung, Antenne Bayern und Sport 1 stürzten sich ebenfalls auf die Fensterleder-Affäre. Die "Süddeutsche Zeitung" nahm am Donnerstag die unbekannte Putzfrau in Schutz. Schließlich könne man das Gekritzel von Bundesliga-Größen von unästhetischen Schmierereien nicht so leicht unterscheiden.

Manche Nutzer sozialer Netzwerke gehen weniger zimperlich mit dem Reinigungspersonal um. "Augen auf bei Einstellungsgesprächen", empfahlen sie sarkastisch. Susanne Böhm gehört nicht zu dieser Fraktion. "Wir machen der Frau keinen Vorwurf, und wir forschen auch nicht nach, wer es war."

Der Verein ist aber inzwischen etwas vorsichtig geworden. Den Glasrahmen per Post zum FC Bayern zum Unterschreiben zu schicken, komme nicht infrage, erklärt Böhm. Denn sollte er beim Transport brechen und damit erneut Autogramme futsch sein, wäre der Club wohl wieder in den Schlagzeilen. Dann aber wahrscheinlich mit hämischem Unterton.
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