Verwandte und Lehrer aus Erding sagen im Totschlagsprozess gegen Oliver H. aus
Oma: "Der Maxi war ein lieber Kerl"

(Foto: gsb)

Die Großmutter, eine rundliche Oberbayerin, erinnert sich lebhaft, wie Maxi fast täglich nach der Schule in ihre Küche sauste: "Oma, wos tun mir heit?" Radfahren, Fußballspielen. Der Bub war immer auf Achse. "A liaber Kerl war's."

Am Donnerstag sagt eine Schar Zeugen aus Erding aus, Heimat des Kindes, dessen Tod der Prozess gegen Oliver H. (34) aufklären soll. Sie beschreiben Maximilian als lebendig, voll Energie, fröhlich und mitteilsam. Seine Lehrerin muss bei einer Erinnerung schmunzeln: "Als er im Klo das Wort Ball hörte, ist er mit heruntergelassener Hose losgelaufen zum Fußballplatz." Maximilian habe sich, eingestellt mit Ritalin, "überraschend gut" entwickelt, viel besser gelesen. "Es hat alles so Hoffnung gemacht für die Zukunft"

Das hyperaktive Kind benötigte eine Schulbegleiterin, die gut mit ihm zurecht kam. Diese fand eher die gluckenhafte Mutter anstrengend, "die in der Früh noch im Klassenzimmer stand, wenn der Unterricht schon losging". Die Alleinerziehende habe täglich das Gespräch gesucht.

Lehrerin "am Boden"


"Sie hat ihr Kind über alles geliebt", sagt eine SVE-Förderlehrerin. Die Mutter habe sich professionellen Rat geholt. Maximilian bedurfte einer "klaren Struktur in liebevoller Umgebung". Mit Strenge erreiche man bei ADHS gar nichts. Und 60 Minuten in der Ecke stehen? "Das kann der Maxi gar nicht. Außer er hat Angst." Die 57-Jährige verliert fast die Fassung. "Ich bin so am Boden. Ich habe den Maxi sehr gemocht."

Mit dem Umzug hatten alle ein ungutes Gefühl. Schon nach früheren Besuchen in Vohenstrauß sei Maxi auffällig gewesen. "Vor dem Oliver hat er sich gefürchtet." Ein Bekannter hörte Telefonate der Mutter mit dem Angeklagten: "Ich habe sie gefragt: Warum lässt du dir den Ton bieten?"

Der Umzug erfolgte, und wenig später die Kur. Die Kindsmutter litt an Multipler Sklerose und ließ das Kind bei Oliver H. Die Oma rief in Vohenstrauß an, ohne den Enkel an den Hörer zu bekommen. "H. hat gesagt: Ihr kriegt den Buam nicht. Und zackbumm hat er aufgelegt."

Drittklässler sagt aus


Der Achtjährige, der mit einem Kuscheltier im Arm im Flur vor dem Gerichtssaal wartet, ist in etwa so alt wie das Opfer. Er ist einer der beiden Söhne aus einer früheren Beziehung von Oliver H. Die damalige Partnerin, eine 28-Jährige aus Sachsen-Anhalt, hat drei Jahre beim Angeklagten in Weiden gewohnt. Dieser habe sie von ihrer Familie abgeschottet, geschlagen, gedemütigt. Einmal sogar die Tür eingetreten, als sie einen Sohn vor seiner Aggression schützen wollte. "Er hat mich terrorisiert." Zwei Mal floh sie ins Frauenhaus und kehrte zurück, weil er ihr drohte.

Auch das Kind fürchtet ihn. Noch heute. Als der ehemalige Soldat zur Rauchpause auf den Gang tritt, erstarrt der Drittklässler zur Salzsäule. Auf Gerichtsbeschluss darf er unter Ausschluss des Angeklagten aussagen. Die Mama und Zeugenbeistand Marc Steinsdörfer sitzen neben ihm.

Landgerichtspräsident Walter Leupold fragt: "Wie war Oliver H.?" "Nicht gut." Der Blondschopf berichtet von den Pfingstferien 2014: Der aus Sachsen-Anhalt stammende Oliver H. war mit den Söhnen (damals 6 und 8) und Maximilian K. (9) nach Halle gefahren. "Er hat uns geschlagen und angeschrien." Stockend erzählt er zwei Erlebnisse, die ihm haften blieben: Im Schwimmbad musste Maxi K. zur Strafe am Beckenrand sitzen. "Er durfte nicht rein." Und der kleine Zeuge erzählt die Geschichte von der Maus, die sein Bruder als Haustier hatte. Der Vater habe das Tier mit bloßen Händen getötet.

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