Vier Hoheiten aus der Oberpfalz
Wahl zur Kaiserin der Herzen

(Foto: Gerhard Götz)

Spitzentreffen im Medienhaus "Der neue Tag": Vier junge Hoheiten aus der Oberpfalz werben für ihr kulinarisches oder ästhetisches Reich - Bier im Allgemeinen, Zoigl im Besonderen, Teichfische und Porzellan.

Das erlebt man auch nicht alle Tage: Die Redaktion als Kulisse für einen Weidener Opernball - ein Quartett strahlender Königinnen, Prinzessinnen und Nixen rauscht mit wallenden Kleidern vorbei an den Rechnern, die in die Welt verbinden.

  • Da ist einmal Bierprinzessin Annika Wessels aus Eslarns bester Bierstube, aufgewachsen in der Zoigl-Stum "Beim Strehern", gekürt vom Stammtisch Höhe 309, Gegenstück zum Männerstammtisch Höhe 308.
  • Dann ist da Zoiglkönigin Sophia Windschiegl aus Neuhaus, dem Nukleus der Zoiglbewegung, die am Schafferhof ihrem Zoiglvolk als Kriaglbringerin dient.
  • Teichnixe Lena Bächer aus Tirschenreuth, dem Kernland der Oberpfälzer Fischzucht, selbst Tochter eines Fischereimeisters, wird von ihren Anhängern als Karpfen-Königin verehrt.
  • Und zwischen diesen lebenshungrigen Vertreterinnen des Genussfachs schwebt Porzellankönigin Larissa Bothner aus Kemnath, im strahlend weißen Hochzeitskleid.




Porzellan außer Konkurrenz

Die PorzellanköniginSie ist stolz darauf, als erste Oberpfälzerin für die Porzellanindustrie werben zu dürfen. „Und ich kann meinen Heimatort Kemnath vertreten, den dank mir jetzt jeder kennt.“ Dazu muss sie nicht nur Wissen, sondern auch Zeit mitbringen: Seit ihrer Wahl im Februar 2015 hat sie über 50 Auftritte wahrgenommen, ihre Amtszeit endet im Februar 2016. Normalerweise arbeitet sie als Bürokauffrau für Exportlogistik. Schlüpft sie in ihr weißes Kleid, muss sei andere davon überzeugen, dass das Porzellangeschäft nicht einschläft. „Und dazu gehört halt auch mal, eine Rede vor über 200 Leuten zu halten.“ (esm)

Wer aber von den vier ist die Wichtigste bei uns im Land an der Goldenen Straße? Wessen Branche ist für unsere Region unentbehrlich, wer kann die Kaiserkrone beanspruchen?

Schneeweißchen Larissa I. vertritt über 60 Orte an der Porzellan-Straße - initiiert 1996 in Selb, erweitert 2003 auf ganz Nordostbayern von Bamberg bis Weiden, von Bayreuth bis Windischeschenbach, vom Kemnath bis Wurz. "Ich bin die erste Porzellankönigin aus der Oberpfalz", sagt die Bürokauffrau bei Witron in Parkstein selbstbewusst. "Kemnath lief früher unter ferner liefen, jetzt kennt's ein jeder." Da geht jedem Nordoberpfälzer, der weltweit seinen Teller wendet, um die Bauscher- oder Seltmann-Bodenmarke zu identifizieren, das Herz auf. Keine Frage, Larissa, die den alten Porzellanstolz der Region wieder wachküsst, hat das Zeug zur Prima inter Pares. Was aber ist eine Porzellanschale ohne Inhalt? Da können Konkurrentinnen punkten.

Zoigl weltweit im Trend

Die ZoiglköniginSeit August 2015 trägt die Neuhauserin die Schärpe der Zoiglkönigin, vorher war sie zwei Jahre Prinzessin. Ist sie nicht gerade in Erlangen mit ihrem Studium des Wirtschafts-ingenieurwesens beschäftigt, leitet sie bei den Pfadfindern die Kindergruppe und versorgt ihr Pferd. Ihrer Aufgabe kommt sie trotzdem nach: „Ich muss das selbstgebraute Traditionsbier über Neuhaus hinaus bekanntmachen.“ Ein Problem sollte das nicht werden. „Am Neuhauser Zoigl habe ich schon Amerikaner oder Russen bedient.“ Zwei Jahre hat die junge Frau Zeit, das Traditionsbier noch bekannter zu machen. (esm)

"Der Zoigl ist das Aushängeschild des Tourismus in unserer Region", macht Königin Sophia Windschiegl deutlich, wo der Gast den Gerstensaft bevorzugt holt. Die Wirtschaftsingenieursstudentin vertritt die Hochburg der Bewegung, den Verein "Echter Zoigl vom Kommunbrauer", der garantiert, dass nur Zoigl aus dem eigenem Kommunbrauhaus auf den Tisch kommt. Unter diesem Qualitätssiegel haben sich 20 Zoiglwirte aus Eslarn, Falkenberg, Mitterteich, Neuhaus und Windischeschenbach zusammengeschlossen. Und seit die Altneihauser Feierwehrkapell'n diesen Anspruch rotzfrech weit über die Grenzen der Region hinausposaunt, werden immer mehr Liebhaber skurriler Traditionen auf den Zoiglstern aufmerksam: "Wir haben im Schafferhof Gäste aus aller Welt", wirbt Sophia, die Allererste, mit internationalem Flair. Auch wenn der Zoigl quantitativ noch ein Nischenprodukt ist und auch bleiben soll, die zupackende Pfadfinderin hat Außenseiterchancen auf den Gesamtsieg. Sie kennt den Zoigl von Kindesbeinen an, steht aber als Bierprinzessin ihres Gesellschaftsvereins für alle Biersorten, die unsere Region zu bieten hat.

Demokratisches Bier

Die BierprinzessinMit der Krone hat die Bierprinzessin aus Eslarn nicht gerechnet. "Ich habe mich nur zum Spaß angemeldet." Mit "I sing ein Liad für di" sang sie sich in die Herzen des Publikums und setzte sich beim Bierkrugstemmen, Leberkäs-Wettessen und im Biertest gegen vier Konkurrentinnen durch. Den Titel trägt die medizinische Fachangestellte für ein Jahr. In ihrer Amtsperiode präsentiert sie beispielsweise auf dem Weidener Volksfest das Gambrinus-Bier. Ansonsten verbringt sie die meiste Zeit mit ihrem fünfjährigen Sohn Sebastian. „Da kommt man selten raus, deshalb machen mir die Auftritte als Bierprinzessin so viel Spaß.“ (esm)

Annika Wessels ist somit die Demokratin unter den Monarchinnen. Und mehr: Ihr "Stammtisch Höhe 309", der sie unter vier Kandidatinnen auswählte, ist das Gegenstück zum "Männerstammtisch Höhe 308" - eine emanzipatorische Bewegung, gegründet in den 70er Jahren, neu belebt am 12.12.12 mit 12 Mitgliedern und heute auf über 50 Frauen angewachsen. "Unser Verein will Brauchtum und Kultur in und um Weiden pflegen", sagt Annika, die Vizekönigin, "beteiligt sich beim traditionellen Maibaumaufstellen, bei Bürgerfesten, steht aber auch für soziales Engagement." Auf ihrer Schärpe prangt das Logo der Brauerei Gambrinus, Hauptsponsor der beiden Höhen 308 und 309. "Das heißt aber nicht, dass wir andere Biermarken weniger schätzen." Als Prinzessin ist sie noch im Wartemodus, könnte aber langfristig das Zeug zur Mehrheitsführerin haben.

Ökologischer Karpfen

Die TeichnixeDie neue Karpfenkönigin stammt aus einer Fischzüchterfamilie in Muckenthal und kennt sich besten mit Fischzucht, Fischen und deren Zubereitung aus. „Schade, dass man so etwas in Deutschland nicht studieren kann.“ Was es über Karpfen und andere heimische Fischarten zu wissen gibt, lernt sie von ihrem Papa. Einen qualifizierten Abschluss ersetzt das aber nicht, deshalb studiert die 18-Jährige Landwirtschaftswissenschaften in Triesdorf. Zu dem Familienbetrieb gehört neben der Fischzucht auch Bauernhof. (esm)

Teichnixe Lena Bächer ist ein Kind des Wassers. Zwar fehlen Schwimmhäute und der Nixenschwanz, aber dafür trägt sie ein Kleid und ein Täschchen aus Karpfenleder des Designers Anatol Donkan. "Die Fischwirtschaft ist Teil unserer traditionellen Landwirtschaft", sagt die kluge Studentin an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. "Wir haben eine urtümliche Teichlandschaft an der idyllischen Wanderroute entlang des Goldenen Steiges - der schönste Teil der neuen Teichpfanne." Die Karpfenkönigin der Herzen repräsentiert die Arge Fisch im Landkreis Tirschenreuth - einem Zusammenschluss von Teichwirten, Gastronomen, Direktvermarktern und Touristikern. Seit einem Jahrtausend werden hier Karpfen und andere Süßwasserfische gezüchtet - naturnah in Erdteichen im Rhythmus der Jahreszeiten. "Das ist unser Beitrag zu einer nachhaltigen, gesunden und ökologischen Lebensweise." Ein Plädoyer mit Potenzial für höchste Ämter.

Leser-Votum


Unsere Jury kommt zum Ergebnis: Die vier starken Monarchinnen sind eine Zierde ihres Wahrzeichens. Sie vertreten ihr Anliegen mit Herzblut, rhetorischem Geschick und klugem Understatement. In ihrem Herrschaftsbereich sind sie unumstrittene Majestäten. Wer aber hat das Zeug zur Kaiserin aller Oberpfälzer Herzen?

Senden Sie eine SMS an 52020. Bitte Leerzeichen beachten. Kosten 50 Cent pro SMS. Die Nummer ist bis 28. Dezember geschaltet.

SMS-Text:

Für die Bierprinzessin
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Für die Zoiglkönigin
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Für die Porzellankönigin
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Für die Teichnixe
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Unter den Einsendungen, die die Siegerin getippt haben, verlosen wir je nach Ausgang der Wahl ein Karpfenessen, einen Zoigl-Abend, ein festliches Bier-Menü oder einen Porzellan-Ehrenteller.
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